Kritiken

DER VETTER AUS DINGSDA

Theater Regensburg

Am Theater Regensburg war der Vetter jetzt als Satire auf die Art Filmklamotte der 50er Jahre zu sehen, herrlich authentisch ausgestattet von der Kostüm- und Bühnenbildnerin. Nur die beiden schwulen männlichen Putzkräfte, die mit rosaroten Staubwedeln durchs Haus fächeln und mit gespreizten Fingern den Garten bewässern, die wären in den Fünfzigern in keinem Operettenfilm aufgetreten, weil sich das Publikum damals Homosexuelle genau so vorstellte. Regisseur Aron Stiehl verlegte den „Vetter aus Dingsda“ also in eine längst untergegangene Heinz-Erhardt-Welt samt Gartenstühlen, Ententeich und Salatbeet.
Richard Wagner wurde im damaligen Spießbürgertum in hohen Ehren gehalten. Deshalb fährt auch ein Schwan über die Bühne wie im „Lohengrin“ und das Orchester lässt ein paar Takte das entsprechende Vorspiel erklingen.
Und der Wahnsinn wurde noch gesteigert, denn bei Eduard Künneke ist das „Dingsda“ ja nichts anderes als Batavia, heute besser bekannt als Indonesien. Solche fernen Gegenden wurden im Nachkriegsdeutschland gern mit Menschenfressern, Baströckchen und Orang-Utans in Verbindung gebracht – weshalb all das in der Regensburger Inszenierung auch aufgefahren wurde. Insgesamt rührte Aron Stiehl also eine Operetten-Alptraum-Satire an, die ständig Angst und Schrecken verbreitete, nämlich darüber, was hierzulande mal als lustig galt. Und das wiederum war höchst amüsant, nicht nur wegen der liebevollen Ausstattung, sondern auch wegen der meisterhaften Bewegungsregie, die immer wieder ins Absurde kippte.
BR24.de, 29.10.2017

Der Vetter birgt ein großes Potenzial für eine originelle Neuinszenierung und dieses Potenzial gilt es auf jeden Fall zu nutzen. Genau das ist Regisseur Aron Stiehl nun am Theater Regensburg auf beeindruckende Weise gelungen. Man kann hier gar nicht alle Details nennen, die sich Stiehl in seiner Inszenierung im Regensburger Theater am Bismarckplatz einfallen lässt, um das Publikum immer wieder neu zu überraschen und auf amüsante Weise zu unterhalten. Da werden von den Bühnendarstellern die Orchestermitglieder gefüttert und schon auch mal als Piranhas bezeichnet, worauf diese sich lautstark empören, da erscheinen Julia und Hannchen im Jeannie-Kostüm und da verwandelt sich die Bühne bei der Nummer „Sieben Jahre lebt‘ ich in Batavia“ zu einer Südsee-Kannibalen-Szenerie.
Nach der Pause überrascht die Produktion nicht nur durch König Ludwigs Felsengrotte, inklusive Schwan, sondern auch dadurch, dass der Dirigent in der Umbaupause tatsächlich noch die Streicher einige Takte aus Wagners „Lohengrin“ flimmern lässt.
Manchmal birgt das abwechslungsreiche Bühnengeschehen gleichzeitig so viele originelle Details, dass man diese kaum alle auf einen Blick erfassen kann. Insgesamt ist die zweieinviertelstündige Produktion derart mit kreativen und originellen Details gespickt, dass man sich als Theaterbesucher durchwegs staunend amüsieren kann.
Donaupost, 29.10.2017


IL MONDO DELLA LUNA

Opernhaus Passau

Wenn „Die Welt auf dem Monde“ heute überhaupt noch spielbar ist, dann so pfiffig, wie es das Landestheater Niederbayern zum Saisonstart am Samstagabend in Passau präsentierte: Als ein Haydn-Spaß und eine grellbunte Farce über die Kraft der menschlichen Einbildung.
Ein Glücksfall ist die fantasiereiche Regie von Aron Stiehl. Er inszeniert das Stück als amüsanten Drogenrausch eines Helikopter-Vaters zweier heiratswilliger Töchter.
Passauer Neue Presse, 25.9.2017

Regisseur Aron Stiehl – der u. a. schon an der Bayerischen Staatsoper, der Wiener Volksoper, am Landestheater Salzburg und an der Oper Leipzig inszeniert hat – beweist mit seiner Regiearbeit am Landestheater Niederbayern eindrucksvoll, dass er ein handwerklich brillanter Theatermann ist.
Die Ideen, die er in „Il Mondo della Luna“ verarbeitet, hätten für mindestens drei Inszenierungen gereicht. Es vergehen keine zwei Minuten, bis Stiehl nicht wieder einen neuen Impuls setzt oder einen besonderen Effekt einbaut, die die Handlung befeuern.
Landhuter Wochenblatt, 4.10.2017

Dass Regisseur Aron Stiehl die Komödie ins Astrologische verlegt, lässt einen distanzierten Blick auf das Spektakel zu. Die Reise als psychedelischer LSD-Trip ist eine einleuchtende und recht gelungene Umsetzung.
Landhut aktuell, 3.10.2017

Mars, Milky Way und Mond verorten die Spielsphäre. Mary Poppins schwebt durchs All. Es wird heftig gekifft, und auch ein bisschen Sadomaso ist bei den Mondsüchtigen angesagt. Regisseur Stiehl hat seine ureigenen Vorstellungen von der Welt auf dem Mond, der bekanntlich auch seine dunklen Seiten hat. Seine Interpretation des Goldoni-Librettos kann, muß man aber nicht mögen.
Landhuter Zeitung, 3.10.2017


SALOME

Oper Leipzig

Salome ist eine dieser Prinzessinnen, die immer alles bekommen – und einen hohen Preis dafür zahlen. Regisseur Aron Stiehl zeigt dies in drastischer Deutlichkeit im Tanz der sieben Schleier. Er läßt keinen klemmigen Striptease, sondern ein Maskenspiel aufführen, in dem offen zu sehen ist, was wir sonst nur ahnen: Es ist nicht das erste Mal, dass Salome tanzt für ihren Stiefvater Herodes, der ihren Vater ermordete, um ihre Mutter zur Frau zu nehmen; und es ist auch nicht zum ersten Mal mit Tanzen getan. Vor diesem Hintergrund entwickelt Stiehl abscheulich abgründige Charaktere: Herodes, ein Brudermörder und Kinderschänder, Herodias, seine Schwägerin und Frau, die in Suff und Geilheit Ablenkung sucht, Salome schließlich, die in ihrem kurzen Leben nichts kennenlernte als Luxus, Sex und Gewalt… Jochanaan bringt die tödliche Katastrophe in Gang. Er lockt das dekadente Geschmeiß vom Party-Gipfel herab. Mit klug psychologisierter Personenführung zeigt Stiehl diesen Ritt in den Abgrund… das ist Musiktheater auf dem Gipfel des Machbaren.
Besser als mit so einem Premieren-Triumph kann die Oper Leipzig rosalies Vermächtnis nicht bewahren. Mit Schreien, Pfiffen und stehendem Jubel quittiert das Publikum die Premiere.
Leipziger Volkszeitung, 19.6.2017

Stiehl hat ein erzähllustiges, lebhaftes Regiekonzept… der kräftigste Regieeinfall betrifft den Tanz, an dessen Ende Herodes, für das Publikum nicht sichtbar, aber doch unzweifelhaft, Salome Gewalt antut.
Zu Beginn des Tanzes führt Salome dem Stiefvater eine aus dem „Hamlet“ geklaute Szene vor, die den Mord an ihrem leiblichen Vater zeigt.
Frankfurter Rundschau, 21.6.2017

Stiehl zeigt eine versoffene, erotisch freizügige Partygesellschaft in Pinkrosa und Glimmer und soldatesker Uniformiertheit. Die ereiferten Juden und die frommen Nazarener werden klischeehaft vorgeführt.
Salome wird von Herodes hinter einem der Gabionen vergewaltigt. Eine verkommene, durch und durch schamlose Familie, die Aron Stiehl in Szene setzt.
MDR Kultur, 18.6.2017

Stiehl führt die Darstellerin der Salome – wie auch die anderen Darsteller – klug und schlüssig mit dem Ergebnis spannender Charakterporträts. Und findet für den Tanz eine originelle Lösung.
Rot leuchtet der Raum auf am Ende bei Salomes Kuss und hinten reißt die Wand auseinander bei den tödlichen Schüssen auf Herodes’ Geheiß. Rosalies Schwanengesang.
Opera Lounge, 22.6.2017

Für Stiehl sind alle Figuren des Stückes pervertiert. Die schonungslose Analyse der Figuren setzt Stiehl in seiner Personenregie schonungslos um und entlarvt ihre tiefen seelischen Abgründe. Er hält sich eng an die musikalischen Vorgaben und leuchtet sie schonungslos aus.
Der Tanz der sieben Schleier erfährt hier eine ganz neue Variante, die den Missbrauch des jungen Mädchens durch den Stiefvater zeigt.
Salome wird hinterrücks erschossen. Ein starkes, aber auch verstörendes Schlussbild. Stiehl und rosalie haben hier eine Deutungsversion angeboten, die es wert ist, diskutiert zu werden. Eine kaputte Familienstruktur, Kindesmissbrauch, Gewalt, Gefühlsverrohung, und psychosoziale Störungen sind in dieser Gesellschaft leider keine Seltenheit, so dass diese Adaption an unsere heutigen Verhältnisse eine diskutable Variante darstellt. Es gibt großen Applaus. Erstaunlicherweise gibt es trotz so manches verstörenden Bildes keine Buh-Rufe für das Regie-Team. Vielleicht hat Stiehl mit seiner radikalen und spannenden Auslegung das Publikum überzeugt.
O-Ton, 22.6.2017

Nachdem der letzte Akkord verklungen ist, dauert es ein paar Sekunden, ehe sich die ersten Hände zunächst zögerlich zum Applaus regen. Doch dann kennt die Begeisterung keine Grenzen mehr. Ein dramatisch packender Abschluß der Saison!
Mephisto, 21.6.2017

Die neue „Salome“ in Leipzig überzeugte das Premierenpublikum und war der Höhepunkt des Richard-Strauss-Wochenendes.
NMZ, 21.6.2017

Bei Aron Stiehl versuchen Mutter und Tochter offensichtlich, fortgesetzten Missbrauch mit dem Ausleben ihrer eigenen Gier zu kompensieren. Die Inszenierungsklippe des Schleiertanzes weicht Stiehl mit einem Theater auf dem Theater aus, mit dem Salome nachspielt, wie sie als Kind missbraucht wurde.
Neues Deutschland, 24.6.2017

Mit der neuen Salome in der Regie von Aron Stiehl beschließt die Oper Leipzig die Saison aufs Triumphalste.
AS, 26.6.2017

Regiearbeiten von Aron Stiehl habe ich in guter Erinnerung. Seine Lesarten sind schlüssig, orientieren sich am Werk und man hat nie das Gefühl etwas auf der Bühne zu erleben, was man… nicht nachvollziehen, geschweige denn entschlüsseln kann. Und das sollte sich auch bei seiner Salome nicht ändern. Man erlebt… den Zustand arg zerrütteter Familienverhältnisse, in dem einiges aus den Fugen geraten ist.
Neuer Merker, 7/2017

In einer berührenden Szene hinterließ der Regisseur beim Rampenlicht eine einzelne Rose an rosalie.
Bachtrack, 21.6.2017


LA WALLY


Volksoper Wien

…umso erfreulicher, dass die Wiener Volksoper dieses Werk nun kitschbefreit, stückgemäß ohne Geier, aber auch ohne Lawinenabgang, ohne hochalpinen Heimatfilm-Mief zeigt. Das liegt an Regisseur Aron Stiehl, der sich in dem abstrakten, auf schwarz-weiß-graue, drehbare Wände setzenden Bühnenbild auf die Psyche der Protagonisten konzentriert. Die Außenseiterin Wally, der treue Freund Walter, der schmucke Hagenbach, der gemeine Gellner, der brutale Vater, die ungewollte Gegenspielerin Afra und die Dorfbewohner – sie alle werden bei Stiehl gut gezeichnet. Und so kann sich Wallys Schicksal – bei Stiehl stirbt sie den Liebestod und wird
eins mit der Natur – stringent entfalten. Jubel für eine wichtige Ehrenrettung.
Kurier, 27.3.2017

Während sich aber der Komponist nicht direkt bei Wagner bedient hat, tut dies der Regisseur Aron Stiehl. Es ist keine Lawine, welche das Doch-noch-Liebespaar Wally und Hagenbach hoch über dem Ötztal zu Tode bringt, die beiden lösen sich quasi metaphysisch in Nichts auf wie in einem gemeinsamen Liebestod. Jeglicher Alpinkitsch wurde vermieden, die Szenen sind geschickt arrangiert. Aus der Randfigur des Infanteristen wird ein mephistophelischer Typ.
Zuletzt gab es für alle uneingeschränkten Beifall.
Salzburger Nachrichten, 27.3.2017

Der Moment der Vereinigung geschieht am Schluss, bevor beide – in der respektablen Inszenierung von Aron Stiehl – quasi zur Eisskulptur verschmelzen. Im Lichte szenischer Intensität ist vor allem das kaputte Verhältnis zum von Wally besessenen Gellner packend. Wie der fabelhaft singende Gellner in trunkener Verzweiflung um sie herum torkelt, sie schließlich herrisch bedrängt, ist theatralisch produktiv.
…nicht zu vergessen Daniel Ohlenschläger, der als Infanterist von der Regie auch als Schicksalslenker eingesetzt wurde. Applaus für alle und damit auch wohl für diese Idee.
Der Standard, 27.3.2017

Die Rolle des Infanteristen wertet Regisseur Stiehl zur Schicksalsgestalt, zu einem schwarzen Boten auf. Was den Szenen etwas von Totentanz oder Schicksalstragödie gibt.
Ein Höher-hinaus-Wollen charakterisiert viele Momente dieser Inszenierung. Etwa im Finale, wenn Catalani die revoltierende Natur dem letzten Liebesversuch Hagenbachs ein Ende macht: Er wird von einer Lawine verschüttet, Wally springt in den Tod. Doch Stiehl stilisiert diese Szene zu einer mystischen Entrückung, Wally und Hagenbach vereinigen sich im wundersamen Licht. Ein Hauch von Isoldes Liebestod, mystischer Entrückung, einer Himmelfahrt?
Kronen Zeitung, 27.3.2017

Der psychologischen Deutung des Stoffes um die selbstbewußte Großbauerntochter Wally, die sich in die Berge zurückzieht, um einer arrangierten Ehe zu entgehen und letztlich doch an Liebe zu einem anderen Mann zugrunde geht, bleibt Stiehl bis zum Schluss treu. Das charakteristisch-tragische Verismo-Ende mit dem Tod der kurzzeitig glücklich vereinten Liebenden mutiert bei Stiehl zum Fiebertraum einer Sterbenden. Große Bilder für großes Leid.
Volksblatt, 26.3.2017

Regisseur Aron Stiehl meidet jedes Heimatfilmklischee und betont das Surreale, Expressionistische.
Die Presse, 27.3.2017

An der Wiener Volksoper erlebte gestern Abend Alfredo Catalanis Oper „La Wally“ umjubelte Premiere.
ORF, 26.3.2017


Das Land des Lächelns

Stadttheater Klagenfurt

Regisseur Aron Stiehl verlegte den angejahrten Stoff in eine unbestimmte, jüngere Vergangenheit. Und er nahm wohltuend den Unernst des Genres sehr ernst und setzte Heiterkeit gekonnt, solide und konventionell in Szene. Vor allem straffte er. So brachte er Schwung ins Geschehen, alle Gesangsnummern zügig in die Gänge und erzählte die Geschichte flüssig und heutig.
Optisch kommt das Stück daher mit einem schelmischen Augenzwinkern. Einmal in einem Kostümdurcheinander von Mao-Look, Salonsteirer und asiatischen Frauenroben. Dann im Bühnenbild als ironischer Verschnitt von Salon, Palast und sozialistischem Volkshaus. Und mitten drin, sehr symbolträchtig, Maneki Neko, die goldfarbene Katze, die das Glück herbeiwinkt, aber nur wenig in Erscheinung tritt. Alles mit viel Farbe und stimmiger Lichtregie.
Eine stimmungsvolle, kultivierte Unterhaltung der gebührend Beifall zuteil wurde.
Kleine Zeitung, 19.12.2016

Regisseur Aron Stiehl hat gemeinsam mit Friedrich Eggert Neues gezaubert. Schmerzfrei wurde die elegische Beziehung zwischen Pekingente und Backhendl entkitscht, ohne den ursprünglichen Charme zu brechen. Ein ironisches Kunststück, resultierend aus der Zeitversetzung in die Mao-Volksrepublik. Mit köstlichen Tanzeinlagen! Schauen Sie sich das an!
Die Woche, 28.12.2016

Director Aron Stiehl chose a very unusual and interesting way for the beginning. Since all of the cast members are from different countries, they introduce themselves before the music starts – in German and their own languages. Basically, this leads right up to the evenings question – „How can one fit into a world where no one speaks my language, no one lives the way I do and no one shares my way of thinking?“. The barriers language, behaviour and habits pose are particularly prominent in this production. A very entertaining evening that tries to pick up on some current events and societal developments.
playstosee.com, 19.12.2016


Faust (Margarethe)


Theater Münster

Charles Gounods „Faust“-Oper müsste am Theater Münster „Méphistophélès“ heißen. Im rot glitzernden Frack zieht er als Direktor eines kleinen Theaters auf der Bühne den Vorhang auf für die tragische Liebesgeschichte von Faust und Marguerite, in der er, nicht Faust, die Hauptrolle spielt.
In Aron Stiehls schlüssiger Inszenierung ist der ständig seine Kostümierung verändernde Mephisto zwar eine starke Bühnenfigur. Aber er ist nur das Sinnbild für Sehnsucht und Gier, Schwächen und Lüste, mit denen die Menschen das Böse ganz ohne Teufel in die Welt bringen. Sexuelle Lust fesselt Faust an Mephisto, Geldgier treibt die Menge dem Bösen zu, Schmuck und der Wille zur Pracht lassen selbst Marguerites Bollwerk der Sittsamkeit einstürzen.
Mit lang anhaltendem, im Stehen dargebrachten Beifall feierte das Premierenpublikum die runde, auf drei Akte verdichtete, Aufführung.
HB Münster, 12.9.2016

Der Teufel ist ein Theaterdirektor. Im roten Glitzerfrack kommt er daher und enthüllt eine kleine Theaterbühne in Münsters Großem Haus. Schon zu den Klängen der Ouvertüre wird klar, wer die Fäden in der Hand hält: Méphistophélès.
Den bösen Charmeur, der seine Hörnchen gern unter den schicken Hüten seiner wechselnden Anzüge verbirgt, macht Regisseur Aron Stiehl zum Mittelpunkt seiner Inszenierung. Selbst in der Juwelen­-Arie Gretchens mischt der dämonische Strippenzieher fröhlich mit und stattet das von Faust umschwärmte Mädchen mit Schmuck und Pelz aus.
Das Regiekonzept funktioniert.
Aber Aron Stiehl sorgt auch für ironische Brechungen: Zu den schönsten Liebesklängen beißt der Teufel schmatzend in einen Apfel, und im Adventskalenderfenster sitzt eine Frau und strickt: Ihr Gewebe wird immer länger im Laufe des kurzweiligen Opernabends.
Westfälische Nachrichten, 12.9.2016

Regisseur Aron Stiehl macht den Teufel zum Regisseur über das Leben. Quasi ungebremst führt der Teufel seine Spielbälle auf ihren Untergang zu.
Hat man mit Spezialeffekten zunächst das Gefühl, einer schönen Revue-Show beizuwohnen, kippt die Inszenierung immer mehr und mehr ins angedeutete Grauen. Mit dem Tod des Valentin und der Kirchenszene wird der Wahnsinn des Gretchens besiegelt. Lüstern wartet der Chor, sogar Marthe und Siebel sind darunter, darauf, dass die Mutter ihr Kind tötet. Faust im Drogenrausch bekommt nicht mit, wie seine Walpurgisnacht zum Albtraum seiner Geliebten wird. Die Drogen, die Faust bekommt, sind eine Metapher für die sinnlichen Oberflächlichkeiten, die Mephisto seinem Opfer bieten kann und lässt auch das Ende offen für Faust II. Stiehl inszeniert konsequent und elanvoll. Seine größtenteils recht unterhaltsame Inszenierung hat durchaus ihre unbequemen Seiten.
Opernnetz, 12.9.2016

Faust begeistert
Die Inszenierung in Münster ist schön, vor allem sind es Raffinessen und Kleinigkeiten, die das Ganze besonders machen: Auf der Bühne befindet sich eine zweite, kleinere Bühne, die links und rechts von Fassaden gesäumt wird. Aus dreißig kleinen Fenstern lehnen Menschen, kommentieren, flirten, zanken, applaudieren, singen.
allesmuenster.de, 20.9.2016

In Münster erzählt Aron Stiehl die Geschichte aus Mephistos Sicht. Das macht Spaß, ist unterhaltsam und lustig.
KUMS, 39. Woche


L’ ELISIR D’ AMORE

Theater Augsburg

Dass Theater zum Vergnüglichsten und Intelligentesten zählen kann, womit der Mensch sich beschäftigt, muß nicht mehr bewiesen werden. Aber die Bestätigung dessen gerade exakt zu diesem Zeitpunkt kann schon als besonderes Zeichen angesehen werden.
In diesem Moment legt das Theater eine Neuproduktion im Großen Haus hin, die nicht nur vergnüglich und intelligent ist, sondern im besten Sinne familientauglich, ja mehrheitsfähig. Das nennt man eine Kunst. Es gab demonstrativ Ovationen.
…das zweite Drittel machen Cinecittà-Anspielungen aus, beziehungsweise das Erlebnis eines Wirtschaftswunder-Kino-Abends: Mal läuft die „Film“-Komödie, wie wir sie hier sehen, urplötzlich in Zeitlupe, mal friert sie ein, mal wechselt abrupt das Licht.
Hier erfährt Donizetti jene liebevolle Ironie, mit der er in hörbarer Rossini-Nachfolge selbst seine Figuren betrachtete.
Augsburger Allgemeine, 30.5.2016

In die bunte, vergnügungssüchtige, noch nicht ganz heile Welt der italienischen Nachkriegsjahre verlegt Aron Stiehl die Handlung. Er zitiert aus Filmklassikern der 1950er Jahre: Fellini und Hollywood lassen grüßen.
Am Ende ernten alle tosenden Beifall vom Augsburger Publikum.
BR, 28.5.2016

Aron Stiehls Neuinszenierung von Donizettis „Der Liebestrank“ schwelgt kokett in den Fünfzigerjahren in Italien. Man wähnt sich zur Hochphase der Cinecittà Rom – der Bühnenraum ist durch die stilisierte Perforation von Filmstreifen begrenzt.
SZ, 30.5.2016


Damon

Theater Magdeburg

Und dann gibt es in Stiehls Inszenierung noch eine hübsche Übersetzung von Damons „Ich glühe vor Sehnsucht, ich lodre vor Liebe“ in einer Guckkasten-Sauna mit quietschender Tür, die der sehr komische Thomas Florio ins rechte akustische Licht zu rücken weiß.
FAZ, 14.3.2016

Aron Stiehl ist ein sehr erfahrener Mann – nicht nur in Sache Barockoper. Mit viel Witz und Situationskomik hat er diesen Telemann auf die Bühne gebracht. Das ging schon los am Anfang, als die Sänger bei der Trauerfeier dem Publikum im Saal kondolierte. Da hatte Stiehl den Saal auf seiner Seite und dieses Konzept behielt er bei. Alle Sänger hatten viel Freude beim Spiel und sind wunderbar geführt von der Regie. Aron Stiehl hatte die Sache immer am Laufen gehalten, das ist bei dieser Oper wichtig, sonst wird es langatmig. Die Spielfreude stand an diesem Abend im Vordergrund, das hat sich auch auf das Publikum übertragen. Eine fröhliche, eine lustvolle Inszenierung. Ich hatte einen schönen Abend!
MDR, 13.3.2016

In Magdeburg ist gleichwohl das drin, was oben drauf steht. Telemann nennt seinen 1718 in Leipzig uraufgeführten und 1724 nach Hamburg übernommene Dreiakter über den „neumodischen Liebhaber Damon“ nämlich „Scherzhaftes Singspiel“. Und genau das packen Regisseur Aron Stiehl, Frank Philipp Schlößmann (Bühne) und Dietlind Konold (Kostüme) aus. Im Grunde holen sie mehr raus als drin ist. Und rascheln gewaltig mit der Verpackung. Jede Gefahr von langweiliger Routine wird mit einem Feuerwerk von kleinen und großen Einfällen offensiv umgangen. Das beste Stück des Satyrs gehört dabei zu den übergroßen. Samt kalauernder Schlangenbeschwörer-Nummer, bei der eine Flöte für den Daueraufstand bei (an) dem bis aufs Fell nackten, nach der Sauna in die Wanne gestiegenen Satyr sorgt. Und wenn schon einmal in der Wanne, dann gibt’s auch noch den an sich mörderischen Föhn als Zugabe. Aber das mythisch geile Monster verträgt diesen Stromschlag ebenso gut wie den auf dem elektrischen Stuhl, den es ebenso anachronistisch wie den Panzer und die Sauna in Schlößmanns hübsches arkadisches Zypressenwäldchen verschlagen hat. Vom Premierenpublikum gab es einhelligen Jubel.
Mitteldeutsche Zeitung, 14.3.2016

Jetzt entfesselt Aron Stiehl – spätestens seit seiner Leipziger Inszenierung von Wagners „Liebesverbot“ in Leipzig Spezialist für allerlei Erotik-Eskapaden – im Opernhaus Magdeburg ein Spiel, in dem angeödete Arkadier in einen Strudel bislang unbekannter Reize gerissen werden wie die lustigen Spießer aus Windsor um einen gewissen Sir John Falstaff. Das Bacchusfest ist der Coup des Abends im Zusammenspiel von Bühne, Kostüm und aberwitzig komischen Puppenspiel. Herrlich trocken sind die Momente, in denen Damon der Puppennymphe Caliste verfällt, und der verwandelte Tyrsis hinter der Nymphe auf die Werbung anspringt. Da gerät Stiehls Turbokomödie der menschlichen Irrungen in einen anarchischen Strudel und hängt alles ab, was es zu diesem unerschöpflichen Thema an Ratgebern, Dokusoaps und Online-Foren gibt.
Leipziger Volkszeitung, 15.3.2016

Die Inszenierung ist von Anfang an sehr humorvoll und lebt von pfiffigen Ideen. So lässt der Regisseur den vermeintlich begrabenen Tyrsis stets mit einer vollbusigen weiblichen Puppe auftreten, wobei er im zweiten Teil das gesamte Sängerensemble mit solchen Puppen ausstattet… Das gesamte Sängerensemble befand sich in bester Spiellaune und bot neben den erstklassigen stimmlichen Leistungen auch darstellerisch exzellente Komik, die die Lachmuskeln der Zuschauerinnen und Zuschauer, die immer wieder mit Szenenbeifall reagierten, gewaltig strapazierte.
Neuer Merker, 15.3.2016

In Magdeburg kitzelt Regisseur Aron Stiehl das witzig Frivole dieser Telemannoper heraus. Der Einfall Damons mit Panzer und Kampfanzug sieht zwar hochpolitisch aus, ist aber mit deutlichem Augenzwinkern als erotische Attacke gemeint. Abgefeuert wird hier ein Feuerwerk von Einfällen. Um Damon mit vereinten Kräften auszuschalten, verstecken sich allesamt hinter vollbusigen Puppenschönheiten aus der Südsee. Und lassen jede Korrektheit fahren. Mit Erfolg. Auf der Bühne und beim Publikum.
Neues Deutschland, 16.3.2016

Die Inszenierung hatte nach der Pause ein politisch wunderbar unkorrektes Puppenspiel, mit dem die Arkadier Damon zuerst in den siebenten Himmel und dann außer Gefecht befördern…
Volksstimme, 14.3.2016

Der Damon in Telemanns Oper wird von dem Regisseur Aron Stiehl als rücksichtsloser Krieger dargestellt, der den idyllischen Pinienwald des friedlichen Arkadien im Kampfanzug mit Panzer und explodierender Haubitze erobert.
Das Publikum bedankte sich bei allen für einen kurzweiligen Opernabend mit herzlichem, langem Applaus.
Opernglas, 5/2016

Vor allem aber ist reichlich Action auf der Bühne und mehr noch: reichlich Komik. Auch das mag für den traditionellen Operngänger ungewohnt sein. Man kann sehr wohl statuieren, dass man sich im gesamten Opernhaus – verdient – köstlich amüsiert hat und zudem was fürs Auge bekam. Und was will Oper mehr? Ich fand es grandios.
Hervorzuheben sind die zahlreichen inszenatorischen Einfälle, die den Text sinnfällig untermauerten.
Gaystation.info 10.4.2016

Aron Stiehl bietet eine giftige Sicht auf das Werk. Dieser deutsche Laurent Pelly macht keine halbe Sachen. Die Abenteuer des beschwipst-vergnügungssüchtigen Fauns sind der Vorwand für viel zügelloses Augenzwinkern. Schilder mit der Aufschrift: „Satyre raus!“, nehmen die schockierende Silvesternacht in Köln auf. Ein unzeitgemäßer Gebrauch von wulstigen, großbusigen Puppen bevölkert die Bühne. Damons Attribute werden ausgestellt und traktiert, vor allem in einer urkomischen Sauna-Szene.
Opéra Magazin, 5/2016

Für Aron Stiehl war der Titel „Der neumodische Liebhaber Damon“ Programm. Mit viel Esprit hat er Damons erotische, tolldreiste Abenteuer auf die stilisierte Barockbühne gebracht. Manches erinnert an die Commedia dell’arte, bedient sich Elemente des Slapstick und verlagert das Spiel schon mal in den Zuschauerraum. Reizvoll ist das Spiel mit großen vollbusigen Puppen, die ein fantastisches Mittel der Stilisierung sind.

Aron Stiehl und David Stern haben das Original bearbeitet, so dass die zum Teil obskure Handlung schlüssiger wird und dieses erotische Singspiel ein wahres Hör- und Sehvergnügen ist.
Orpheus, 5&6/2016


Die lustigen Weiber von Windsor

Landestheater Coburg

Eine gut ausgebildete Lachmuskulatur muss haben, wer die Begegnung mit den „Lustigen Weibern von Windsor“ am Landestheater Coburg sucht. Das Premierenpublikum jubelt.
Durch ein Schlüsselloch schauen? Am Landestheater Coburg laden Bühnenbildner Friedrich Eggert und Regisseur Aron Stiehl in ihrer sensationellen Inszenierung der „Lustigen Weiber von Windsor“ nicht nur dazu ein, sondern zwingen das Publikum regelrecht, durch ein überdimensionales Schlüsselloch in die spießbürgerliche Puppenhaus-Idylle rund um die Familien Reich und Fluth hineinzuspitzen – und sich während der Racheaktion der Damen an der Männerwelt knapp drei Stunden lang die Bäuche zu halten vor Lachen.
Im Brustton überspitzter Ironie hält der phänomenale Sprecher Thorsten Köhler, durch den Regisseur Aron Stiehl auf geniale Weise die Dialoge der Oper ersetzt und sich zugunsten der Kurzweile auch die ein oder andere Szene spart, die Fäden des Geschehens in der Hand; seine bissigen, frech-intellektuellen, tages- und lokalpolitisch angereicherten Kommentare könnten ebenso gut der Feder Loriots entstammen.
Neue Presse, 21.12.2015

Ein harmloser Spaß? Eine nette Spieloper, die eigentlich längst ins Museum gehört und nicht grundlos oft ein wenig verstaubt daher kommt? Von wegen! Gast-Regisseur Aron Stiehl verpasst Otto Nicolais Meisterwerk eine theatralische Frischzellenkur, ohne es dabei freilich zu zertrümmern. Die Geschichte des eitlen Schwerenöters, der seine Anziehungskraft auf Frauen auf fast groteske Weise überschätzt – sie wird in Stiehls Deutung zur Geschichte eines Außenseiters.
Alle Sänger beweisen in Stiehls detailfreudiger und bemerkenswert präziser Personenführung große darstellerische Präsenz. Aron Stiehl ersetzt die originalen Dialoge durch eine eigene Textfassung, die einem Sprecher übertragen ist. Stiehls Text ist raffiniert gewürzt mit allerlei Coburg-Anspielungen. Witzig jongliert Stiehl mit den genealogischen Verknüpfungen, die das Haus Sachsen-Coburg und Gotha mit dem spät erst umbenannten britischen Königshaus der Windsors verbinden. Bis in die kleinsten Gesten und Nuancen ist diese Inszenierung mit feinem Gespür für Tempo durchgestaltet.
Der Chor des Landestheaters ist auch darstellerisch vielfach gefordert und demonstriert seine bemerkenswerte Spielfreude. Heftiger Beifall.
Coburger Tageblatt, 21.12.2015


Macbeth

Theater St. Gallen

Eine Neuproduktion am Theater St. Gallen betrachtet Giuseppe Verdis Shakespeare-Oper «Macbeth» aus einem ungewohnten Blickwinkel. Die Gier nach Macht führt bei Shakespeare wie bei Verdi zu einer Orgie der Gewalt. Der Regisseur Aron Stiehl gewinnt Verdis Oper dennoch eine unerwartet schalkhafte Seite ab.
In der St. Galler Inszenierung von Aron Stiehl nimmt das Geschehen in einer bürokratisierten Schaltzentrale der Macht seinen Anfang: ein moderner Verwaltungsapparat, von dem aus die kriegerischen Geschicke von König Duncan gesteuert werden. Aron Stiehls Inszenierung interessierte sich freilich auch nicht primär für die psychologische Dimension, sondern stärker für die handfesten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen.
…im Ganzen betrachtet, waren es auch gar nicht die beiden Hauptrollen, die diesen «Macbeth» entscheidend prägten. Vielmehr war es eine leichte Affinität zur Ironie in der Inszenierung, die sich etwa in den karnevalesk angehauchten Kostümen von Anthony Mc-Donald zeigte, der auch das Buühnenbild gestaltet hatte. Dieser unterschwellige Zug wirkte dem blutigen Treiben eigensinnig entgegen und verhalf dem Stück zu einer – angesichts des blutrünstigen Treibens – irritierenden Leichtigkeit.
Mit gewitztem szenischem Spiel und absolut überzeugendem musikalischem Auftritt war der Chor und die Statisterie als Akteure wesentlich in dem Stück.
NZZ, 20.10.2015

In einer eindringlichen Inszenierung bringt Aron Stiehl Verdis «Macbeth» auf die Bühne des Theaters St. Gallen.
…zuallererst beeindruckt aber, was Aron Stiehl in der St. Galler Inszenierung aus dieser Wahnsinnsszene macht. Nie kommt die Lady bei ihm zur Ruhe. Kaum liegt sie im Bett, treibt es sie wieder hinaus aus ihrer düsteren Kammer, zum Waschbecken. Und in den abgerissenen Phrasen ihres Gesangs tauchen all die blutigen Taten auf, die sie mit ihrem Gemahl zusammen geplant und begangen hat.
Subtil zeichnet Aron Stiehl die Beziehung der Lady zu ihrer Kammerfrau in kleinen Gesten nach, es ist dies nur eines von vielen Beispielen, wie aufmerksam er sich dem Detail widmet.
Am phantasievollsten geht das Team um Regisseur Aron Stiehl und den Bühnenbildner Antony McDonald, der das Ganze außerordentlich geschickt in die klaustrophobische Enge eines Weltkriegsbunkers versetzt, bei den Auftritten der Hexen ans Werk. Da darf auch durchaus gelacht werden. Etwa wenn Macbeth die künftigen Könige Schottlands sehen will – und die heutige Königsfamilie über die Bühne tappt.
St. Galler Tagblatt, 19.10.2015

Wie inszeniert man eine plausible Hexenszene, wenn man die Handlung von Verdis MACBETH aus dem quasi heidnischen schottischen Hochland des 11. Jahrhunderts in einen „Führerbunker“ irgendwo in Grossbritannien gegen Ende des zweiten Weltkriegs verlegt? Ganz einfach, man macht die Sekretärinnen, Funkerinnen, die Tippsen an ihren Schreibmaschinen und Dechiffriergeräten zu Wahrsagerinnen, denn sie sitzen ja an den Quellen der Information. Wenn man dann Macbeth und Banquo auch noch beschwipst auftreten lässt, sind den Sekretärinnen flugs auch schon Bärte gewachsen. Regisseur Aron Stiehl hat diese Klippe also meisterhaft umschifft, genau wie die zweite Hexenszene, welche er als vorübergehende geistige Umnachtung Macbeths ablaufen lässt und ihn in seinem Albtraum in eine grausliche Hexenküche innerhalb des Bunkers geraten lässt. Dass bei der Erscheinung der Könige dann die gesamte aktuelle Royal Family Grossbritanniens vorbei defilieren muss, trägt zur Erheiterung des Publikums bei…
Die Inszenierung (die bedrückend stimmige Bühne und die Kostüme stammen von Antony McDonald) ist atmosphärisch nahe bei Hirschbiegels Film DER UNTERGANG, in welchem die letzten Tage Hitlers im Bunker der Reichskanzlei geschildert werden oder dem ENIGMA-Roman von Robert Harris angelegt. Auch der Macbeth (Paolo Gavanelli) in Stiehls Interpretation leidet am Ende unter dem parkinsonschen Zittern des Arms.
Wie dem auch sei, an der Personenführung gibt es nichts zu rütteln, die war grossartig, von beklemmend bis zum Teil wirklich zum Schmunzeln – und dies bei einem der schwärzesten Nachtstücke der Literatur. Das muss man erst mal hinbekommen. Vor allem die Charakterisierung der Lady gelang vortrefflich: Dieser Verschnitt aus einer bieder kostümierten Wallis Simpson und der Verschlagenheit einer femme fatale war treffend gelungen. Auch die gegenseitige Entwicklung der beiden Charaktere des Ehepaares Macbeth war wunderbar herausgearbeitet: Sie, die grossgewachsene, starke und dominante Frau, die keine körperliche Berührung zulässt, eiskalt kalkuliert, das aufgesetzt lächelnde Gesicht jedoch im Verlauf des mörderischen Spiels nur noch dank des Einwerfens von Tabletten wahren kann und schliesslich total dem Wahn verfällt, in manischen Zwangshandlungen sich ohne Ende die Arme wäscht – dies alles wird von Stiehl und vor allem der Interpretin, Mary Elizabeth Williams, mit fantastisch präziser Intensität umgesetzt. Er dagegen ist zu Beginn der Zauderer, der Ängstliche, welcher nur durch ihren Antrieb (und den häufigen Griff zur Whiskyflasche) funktioniert. Nach seinem Zusammenbruch am Ende des zweiten Aktes jedoch kommt er wieder auf die Beine, stärker, kämpferischer, brutaler und fatalistischer als je zuvor. Sehr treffend gelungen auch die Zeichnung der Nebenfiguren, so der in Selbstmitleid und Trauer gefangene Macduff, der griesgrämige, aber jugendlich entschlossene Hagestolz Malcolm und die von der Lady so niederträchtig behandelte Kammerfrau.
Oper-aktuell, 18.10.2015

Die Queen wäre nicht amüsiert. Einfach so als Geist durch ein Drama geschleust zu werden. Und dann auch noch im widerspenstigen Schottland… Beim Premierenpublikum in St. Gallen freilich kam die Pointe gut an, die englische Königsfamilie als Geistererscheinung über die Bühne spazieren zu lassen.
…im Theater fackeln die Beteiligten einen dramatischen Opern-Krimi mit einiger Situationskomik ab. Regisseur Aron Stiehl sorgt für kurzweilige drei Stunden: Er erschafft unter Neonröhren optisch eine Art Sowjet-Schottland. Schreibmaschinen und Sender sind aufgereiht, Landkarten hängen an der Wand. Die Bühne wird zur Kommandozentrale, in die bei Bedarf noch das Gemach der Macbeths hineinverschachtelt wird. Hexen gibt es hier jedenfalls nicht im Wald, sondern im Vorzimmer. Es sind Damen mit Bleistiftrock, Vollbart und Teufelskrallen. Ihre Weissagungen schubsen Macbeth erst so recht dahin, wo ihn die Gattin sowieso haben will: auf den Thron.
Die Bankettszene, einer jener Verdi-Klassiker, in der musikalisch und szenisch mehrere Stimmungen parallel laufen, wird in St. Gallen zum doppelbödigen Schauderstück. Zwar trägt das Ensemble lächerliche Party-Hüte, doch der Walzer stockt, wird zum mechanischen Zeitlupentanz eines Volkes, das den kalten Hauch der Tyrannei spürt.
Die Hexen: In St. Gallen verwandeln sie sich von biederen Tippsen in mysteriös-skurrile Unken, deren Hexenküche an den Keller der Gerichtsmedizin erinnert.
…Befreiung hin oder her, am Ende hat sich hier jeder die Hände schmutzig gemacht – mit diesem ein wenig simplen, aber schlüssigen Bild fällt der Vorhang. Tröstende Transzendenz? Fehlanzeige. Dafür jede Menge Beifall.
Südkurier, 20.10.2015

Mit donnerndem Applaus ist gestern am Theater St. Gallen Aron Stiehls Inszenierung
von Giuseppe Verdis Oper «Macbeth» quittiert worden.
Neun Minuten dauert der Schlussapplaus gestern abend im Theater St. Gallen am Ende von Giuseppe Verdis Oper «Macbeth», und wäre nicht der Vorhang niedergegangen, das Publikum hätte noch eine Weile weitergeklatscht. Aron Stiehl findet in seiner Inszenierung überzeugende Chiffren – allen voran jene der all gegenwärtigen blutigen Hände.
Ostschweiz am Sonntag, 18.10.2015

Den Bühnenvorhang ziert das Bild eines Waldes. Das macht Sinn, ist es doch der Wald von Birnam, der sich laut der Hexen-Prophezeiung in Bewegung setzt und das Ende von Macbeths Herrschaft besiegelt. Aber in der Inszenierung von Aron Stiehl setzen wir uns in Bewegung und fahren mit dem Hochziehen des Vorhangs in den Untergrund unter dem Waldboden in einen Führungsbunker, den die Briten im Zweiten Weltkrieg für Churchill und seinen Stab einrichteten. Die Hilfstruppen an den Funkgeräten und Schreibmaschinen mutieren zu Hexen, was in Macbeths Einbildung wohl dem ausgiebigen Genuss schottischen Whiskys bei der vorangegangenen Siegesfeier geschuldet ist. Die zweite Hexenszene dann erlebt Macbeth als Fiebertraum nach einem Ohnmachtsanfall. Konsequenterweise verwandeln sich Banquos Nachkommen auf dem englischen Thron in die Mitglieder der aktuellen Royal Family – eine Lachnummer, die ein wenig schräg steht zur dramatischen Musik dieser gespenstischen Beschwörung.
Südostschweiz, 20.10.2015


Der Wildschütz

Theater Magdeburg

Aron Stiehl hat mit seiner spritzigen und sehr humorvollen Inszenierung der Komischen Oper Der Wildschütz von Albert Lortzing gezeigt, dass Humor zeitlos ist. Auf verschiedenen Ebenen dieser Oper werden Witz und Satire vor allem in der Charakterisierung der handelnden Personen bedient, um Lortzings Absichten aufzudecken, die Umstände seiner Zeit als Parodie vorzuführen… und das alles als hinreißendes Theater mit verblüffenden szenischen Gags. Regisseur Stiehl und Bühnenbildner Simon Holdsworth lassen die Akteure in einem heutzutage als „altmodisch“ geltenden Kulissentheater agieren. Das Dorf ist eine Miniatur-Spielzeuglandschaft, in der Julie Martin du Theil als Baronin Freimann, in einem Nachen und von Delphinen begleitet  wellenumspült, textgenau zu ihrer Arie Auf des Lebens raschen Wogen ihren Auftritt hat. Der Auftritt von Graf und Stallmeister, Baron Kronthal, wird umrahmt von Jagdszenen auf Riesen-Öl-Schinken, die mit den Köpfen der Jagdgesellschaft plötzlich zum Leben erweckt werden. Ein falscher Hase und ein echter Jagdhund bekommen auf offener Szene Beifall. Und wenn beim nächtlichen Gewitter der gräfliche Salon in sattes Grün von Gräsern und Farnen mutiert, wird zur Gewissheit, was man schon am Anfang ahnte: Stiehl lässt die Geschichte „en miniature“ in einer Wiesenlandschaft, in der alle Proportionen stimmen, spielen. Ein eigener Kosmos – klein, unwirklich und doch ganz nah.
Opernnetz, 10.5.2015


Madama Butterfly

Oper Leipzig

Aron Stiehl hat das weitverbreitete Vorurteil widerlegt, es handele sich bei der „Butterfly“ um eine verzuckert exotische, sentimentale Alltagstragödie einer jungen Frau, die mit ihrem Kind von ihrem Liebhaber sitzengelassen wird. Er zeigt unbarmherzig deutlich die gesellschaftskritische Tragödie eines neuzeitlich- imperialistischen Kulturkonflikts: USA contra Japan. Das ist sein Thema. Das ist das Thema der Oper. Und er stellt ungeschönt den sextouristischen Einbruch des abendländischen, männlichen Imperialismus in eine vom Untergang bedrohte, alte asiatische Kultur dar. Und er zeigt Madama Butterfly, die 15-jährige, verkaufte Geisha, sozusagen als umgekehrte Medea der Neuzeit dar. Sie lässt sich vom amerikanischen Marineleutnant Pinkerton nicht gegen Geld ihr Kind abkaufen und sie tötet sich, als er sie fallen läßt. Ein Augenfest, die Inszenierung. Gegen Ende der Tragödie gerät dieses Butterfly-Haus in Schieflage und bricht schließlich entzwei. Ein einleuchtendes, konsequentes Inszenierungs-Konzept. Aron Stiehls Inszenierung macht deutlich, dass diese im Stück selbst ja unmißverständlich geäußerte Kritik am Imperialismus, am Materialismus und an der beginnenden Globalisierung Themen von heue sind und uns etwas angehen. Seine Inszenierung geht unter die Haut. Eine starke, eine aller Klischees ferne und sehr bewegende Inszenierung.
Eine großartige Aufführung. Diese „Butterfly“ sollte man sich nicht entgehen lassen.
MDR Figaro, 16.3.2015

Begeisterungsstürme in der Oper Leipzig
Überwältigend und wunderschön, so lässt sich die Premiere von Giacomo Puccinis Oper „Madama Butterfly“, am Samstag in der Oper Leipzig zusammenfassen. Das Publikum klatschte nach Verklingen der Musik 15 Minuten durch, mit Füßetrampeln und Bravi-Rufen. Die Inszenierung von Aron Stiehl erzählt mit viel Gespür für die Personenregie die Geschichte der 15-jährigen Geisha, Cio-Cio-San, genannt Butterfly, dazu so konsequent und bildgewaltig, dass er damit manchem Hollywood-Film Konkurrenz machen könnte. Seine Umsetzung der „Japanischen Tragödie in drei Akten“ aus dem Jahr 1904 rührt zu Tränen.
DFP, 18.3.2015

Es ist ganz offensichtlich, dass der Regisseur Aron Stiehl sich vollkommen auf die Vorlage verlassen hat. Er erzählt genauso viel über Imperialismus wie die Librettisten, aber immerhin auch die tragische Geschichte der Cio-Cio-San ohne große Eingriffe. Stiehl versucht, die Gefühle dieser Geschichte herauszuarbeiten, ohne angestaubt oder zu modernisiert zu wirken. Davon lebt diese Inszenierung: vom großartigen Spiel der Protagonisten. Diese Inszenierung berührt, denn es ist Bildertheater, das von der Musik getragen wird.
mephisto, 20.3.2015

Regisseur Aron Stiehl hat weder zu stark auf die Tränendrüse gedrückt, noch lapidar eine Klischeehandlung abbilden lassen. Das Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann ließ er erst in einen zauberhaften Sternenhimmel erhöhen, um es zum Schluss schräg kippen und dann ganz und gar zerreißen zu lassen. Schon längst waren die Pergamentfenster eingeschlagen, weil Butterfly zur Amerikanerin mutierte. Keine Basis für dieses fremde Miteinander. Sven Bindseil hat die Kostüme entworfen, die fernöstliche Tradition mit dem Amerika aus früher Nachkriegszeit verbinden.
nmz, 18.3.2015

Vom Tisch ist dieser individuelle Clash der Kulturen längst nicht. Man kann sich das alles ganz gut in der Gegenwart vorstellen und könnte die Oper auch dementsprechend inszenieren: sich von der fernöstlichen (Kostüm-)Folklore lösen oder zumindest damit spielen. Dass dieser Goro in Leipzig bei Regisseur Aron Stiehl mit seinem Handy »arbeitet«, dass ein amerikanischer Angeberschlitten die eine, ein japanisches Breitbandzimmer aus dem Klischee-Bilderbuch die andere der beiden Welten markieren, die hier aufeinandertreffen, ist durchaus plausibel. Es ist folgerichtig, dass diese kleine Welt im nächsten Akt wieder auf dem Boden (der Tatsachen) ankommt, in Schieflage gerät und schließlich zerbricht. So wie Butterfly am Ende. Das Premierenpublikum jubelte… unisono.
ND, 18.3.2015

Na, das war doch schön! „Madama Butterfly“ an der Oper Leipzig: Ein feines Kabinettstückchen hat Aaron Stiehl da inszeniert.
BILD, 16.3.2015


Im weißen Rössl

Stadttheather Klagenfurt

Schräg, frech, schrill: Aron Stiehl inszeniert Ralph Benatzkys „Im weißen Rössl“ als ein Feuerwerk an Gags und Pointen. Da geht der Dirigent im Matrosenanzug schon vor Beginn gleich einmal baden, indem er über eine Leiter in den See (Orchestergraben) springt. Da gibt es in der Proszeniumsloge zeitweise gleich zwei Kaiser, den Franz Joseph und unseren Landeshauptmann. Da stakst der „schöne“ Sigismund auch immer wieder im kurzen pinken Dirndlkleid und in High Heels, die seine dünnen, langen Beinchen unterstreichen, herum – ein herrlicher Running Gag.
Und da drängt sich eine muntere, bunte Touristengruppe mit Duty-free-Sackerln samt Reiseführer und blondem Conchita-Wurst-Verschnitt auf Sightseeing lautstark durch die Reihen des Publikums. So schräg, schrill, frech, witzig, rasant präsentiert sich Ralph Benatzkys „Im weißen Rössl“ am Stadttheater Klagenfurt.
Kleine Zeitung, 17.1.2015

Es muss ein heißer Kuss gewesen sein, den die leichte Muse Aron Stiehl gegeben hat. Den Parforceritt zwischen Witz und Überzeichnung meistert der Deutsche bravourös.
Kronen Zeitung, 17.1.2015

Aron Stiehl will unterhalten und zeigt den drollig verklärten, ungemein populären Rückblick auf die scheinbar gute alte Zeit der Monarchie vor dem Weltkrieg im ländlichen, industriell unbefleckten Salzkammergut mit detail- und ideenreicher Situationskomik und im treffenden Plauderton so spaßhafter Figuren wie des typischen Deutschen und Österreichers mit den typischen Klischees des älplerischen Sommerfrischemilieus. Die Lustbarkeiten einer krachledernen, alltagsfernen Urlaubswelt, die nur harmlose Zwiste kennt, werden vom Regisseur treffend ausgespielt. Gagreich, überzogen, knapp an der Persiflage vorbeischrammend und mit vielen ironischen, aktualisierten Hakenschlägen, die alle den Zeitgeist treffen.
Opernnetz, 17.1.2015


Hänsel und Gretel

Theater Augsburg

Das Theater Augsburg klappt ein Märchenbuch auf
Erinnern Sie sich noch an diese aufklappbaren Kinderbücher, wo sich auf einer Doppelseite ganze Kulissen vertikal aufstellen, wo man noch hier ziehen und dort umklappen konnte, um die Szene zum Leben zu erwecken? Genau so ein Märchenbuch entwarf der Bühnenbildner Simon Holdsworth für die Augsburger Inszenierung. Wie sieht in so einer fantasievollen und dennoch realitätsnahen Inszenierung das Reich der Hexe aus? Nach außen: wie ein Kindertraum. Ein Kiosk in Fliegenpilzform mit bunter LED-Beleuchtung und grellen Neon-Farben, bestückt mit allem, was die Süßwarenindustrie zu bieten hat. „Omas Kuchen“ prangt in Leuchtschrift darüber. Und als Oma kommt sie auch daher, oder besser er, denn die Augsburger haben sich für einen Tenor als Hexe entschieden. Dann aber entpuppt sich Omas  Glitzerkochlöffel plötzlich als Zauberstab. Und schon finden sich Hänsel und Gretel im grausamen Inneren wieder, in einer Lebkuchenfabrik, wo dem Hänsel der übermenschengroße Sahnespender in den Schlund gerammt wird, wo die „Oma“ plötzlich mit Glitzer-BH und Bauchbehaarung als androgyner Alptraum ihrem diabolischen Geschäft nachgeht: kleine Kinder in Lebkuchenmännchen zu verwandeln. Nach einem furiosen Ritt auf dem Besen, inklusive Flugeinlage durch alle drei Bühnendimensionen, erhält Christopher Busietta vom Augsburger Publikum spontan Applaus.
BR-Klassik, 27.10.2014

Heutig und doch voller Zauber und Magie
Wo ist der ideale Weg für eine Neuinszenierung der Einsteigeroper? Die aktuelle Münchner Staatsopern-Version zeigt eine Sichtweise, die das Thema „Essen und Hunger“ schonungslos aufbereitet. Die brandneue Augsburger Version lässt dem Märchen und seiner Poesie mehr Raum, setzt auf einen bunten Bilderzauber, der Jung wie Alt verzaubert – und eignet sich damit perfekt für die ganze Familie. Regisseur Aron Stiehl gelingt die optimale Balance zwischen einer aktuellen Sichtweise, in der Kinder halt wie Kinder von heute aussehen und von Ballett oder Fußball träumen, und der imaginären Welt des Märchens, die aus der Bühne eine bunte Popup-Karte macht. Hier kommt alles vor, was Kindern mit Märchen verbinden: Poesiealbumbilder, aber auch Figuren wie Mary Poppins (die hier als Taumännchen auftritt), zugleich kindliche Angst-Visionen eines nächtlichen Waldes. Das Hexenhäuschen dagegen scheint direkt aus einem Disney-Film entsprungen, erinnert aber mit seiner Süßigkeiten-Selbstbedienungs-Theke auch an die verführerische Supermarktkasse mit der berühmten „Quengelware“. Als Zuhause der Geschwister zeigt Bühnenbildner Simon Holdsworth einen Wohnwagen auf RTL 2-Niveau – was den Zauberwald in Folge noch stärker als Traum von einer besseren Welt wirken lässt. Inmitten dieser höchste gelungenen Szene lässt Aron Stiehl seine Personen lebhaft agieren und zeigt dabei viele kleine Stärken und Schwächen: Etwa wenn sich Hänsel und Gretel liebevoll gegenseitig für die Nacht im Wald zudecken, am Morgen danach aber raffgierig die Süßigkeitentaschen des jeweils anderen leeren.
crescendo, 27.10.2014

„Hänsel und Gretel“ – die Oper von Engelbert Humperdinck ist immer wieder schön anzusehen. Besonders in dieser bunten, liebevollen Inszenierung.
Ist sie grausig oder doch bloß märchenhaft, diese Geschichte von Hänsel und Gretel? Zumutbar für Kinder oder brandgefährlich für kleine Seelen? Darüber gehen die Meinungen auseinander, und auch Opernhäuser zeigen, wenn sie Engelbert Humperdincks Vertonung auf die Bühne bringen, wie sehr verschieden man den Stoff verstehen kann – mal als szenische Zuckerbäckerei, mal als Pädophilen-Story. Aron Stiehl, Regisseur der Neuinszenierung von Humperdincks „Hänsel und Gretel“ am Theater Augsburg, beschreitet einen Mittelweg – seine szenische Einrichtung ist verspielt-poetisch, ohne betulich zu sein, und unumwunden deutlich unter Verzicht auf Schock-Effekte. Regisseur Stiehl und sein Team zeigen in stimmigen Details die Chiffren prekärer sozialer Existenz, in welcher der Vater sich noch den Gemütsmensch erhalten hat, während sich bei der Mutter die Zermürbung schon in Aggression umzuwandeln beginnt. Verständlich, dass solch ein Milieu ein Nährboden für Sehnsüchte ist. Man erfährt es im zweiten Akt, als Hänsel und Gretel sich im Wald verirren. Simon Holdsworth hat hier ein grünes Dickicht aus züngelnden Akanthus-Blättern geschaffen, in das auch einige Fleischfresserpflanzen hineinragen – Vorausdeutung auf die reale Klappfalle, die bald hinter den Kindern zuschnappt. Erst einmal aber haben Hänsel und Gretel ihren Traum: Es ist nicht, wie bei Humperdinck, die Vision einer beschützenden Transzendenz in Gestalt von Engeln – nein, hier träumen die Kinder rührend irdisch vom Konsum, von Geschenkpaketen und Süßigkeitenüberfluss. Doch wer sich uneingeschränkt bedienen kann in der Warenwelt, darauf läuft es bei Stiehl am Ende hinaus, der begibt sich in Gefahr. Das wird recht augenfällig vorgeführt: Das Hexenhaus ragt plötzlich im Wald hervor als Kiosk-Pilz, der die Kinder nicht nur wegen seiner Disney-Buntheit magisch anzieht, sondern auch, weil es hier Süßes auf Abgreifhöhe gibt. Die Hexe, zunächst liebreizend in ihrer Omi-Aufmachung, zeigt schnell ihr wahres Gesicht und mästet Hänsel mithilfe eines Riesen-Spritzbeutels. Und am Ende der zauberischen Schreckens-Backwerkstatt glüht rot die Monster-Mikrowelle.
Augsburger Allgemeine, 26.10.2014

Das Regie-Team transportiert das Märchen in die heutige Zeit, ohne ihm den Charme des Märchenhaften und damit auch Zeitlosen zu nehmen. So wird die ärmliche Behausung des Besenbinders zu einem Wohncontainer und die Eltern kommen mit Discounter-Tüten daher. Dem gegenüber gestaltet Bühnenbildner Simon Holdsworth aber einen Märchenwald wie aus einem Jugendstil-Bilderbuch, in dem dann statt des Lebkuchenhauses ein Süßigkeiten-Kiosk steht. Hänsel und Gretel stört der vermeintliche Stilbruch ebenso wenig wie das Publikum, weil er in sich stimmig ist und der Märchenwelt entspricht. Selbst die Traumszene im Wald, wo es nicht um den Schutz der Engel geht, sondern um die Erfüllung der (Konsum-) Sehnsüchte der Kinder, zeigt nur, dass die menschlichen Befindlichkeiten über alle Zeiten unverändert sind und nur neue Ausdrucksformen haben – Hänsel träumt vom Weltmeistertrikot der Nationalmannschaft. Originelle (aber nicht plumpe) Regieeinfälle sorgen immer wieder dafür, dass sich auch kleinere Kinder von dem Geschehen auf der Bühne angesprochen fühlen. Zumal auch der Zuschauerraum einbezogen wird und Gretel sogar ein paar Takte dirigieren darf.
Die Augsburger Zeitung, 29.10.2014

Erst vergangene Woche feierte die Neuproduktion von Regisseur Aron Stiehl Premiere in Augsburg. Stiehl überzeugte bereits in der Spielzeit 2013/2014 mit seiner farbenfrohen Inszenierung der Operette L´Ètoile – jetzt begeistert er auch mit Hänsel und Gretel: Denn schon nach zwei Aufführungen stößt die Oper auf so große Resonanz bei kleinen und großen Theaterbesuchern, dass es für die nächsten Vorstellungen nur noch Restkarten gibt.
Augsburger Allgemeine, 5.11.2014


End of the Rainbow

Stadttheater Klagenfurt

Mit Judy Garland – End of the Rainbow gelingt dem Regisseur Aron Stiehl ein spannendes musikalisches Drei-Personen-Drama. In der Einführungsmatinee schickte dieser noch die Warnung „Das wird ein ernster Abend“ voraus. Aber, so Stiehl, durchaus nicht ohne Humor und tragikomische Dialoge.
Der Standard, 2.5.2014

Regisseur Aron Stiehl hat die fieberweiße Partitur einer hoch fliegenden und abgrundtief fallenden Existenz zwischen „Speed“ und Tranquilizern, Konzertmarathon und Liebesdebakel in Jürgen Kirners eleganter Hotelsuite klar und souverän gefaßt… verletzlich, zornig, ohnmächtig, ironisch und deftig hüllt sie [Helen Schneider] den brach gelebten und leer gesungenen Mythos sowie Garlands Hassliebe zur Bühne in ihre feinnervige Präsenz und in die Urgewalt einer gleichermaßen großen wie feingliedrigen Stimme.
Kronen Zeitung, 28.4.2014

…dies, so wie auch sein sarkastischer Humor, ist bei Aron Stiehl bestens aufgehoben. Dessen Regie setzt auf feinsinniges Herausarbeiten der Zerrissenheit der drei Protagonisten und legt deren Charaktere vielschichtig an.
Stehende Ovationen!
Kleine Zeitung, 27.4.2014

Das Publikum bei der Premiere ist begeistert und lässt sich zu spontanen, minutenlangen, stehenden Ovationen hinreißen.
Opernnetz, 27.4.2014

Regisseur Aron Stiehl wollte, dass seine Inszenierung die Herzen der Menschen erreicht, sie berührt und das ist ihm gelungen. Das Bühnenbild von Jürgen Kirner dreht sich stimmig immer und immer wieder. Judy Garland ist entweder auf der Bühne oder im Hotel. Ein Leben außerhalb gibt es nicht.
ORF, 27.4.2014


Benvenuto Cellini

Städtische Bühnen Münster

Die Städtischen Bühnen Münster haben es nun thematisch passend zur Karnevalszeit (denn das Werk spielt zu der Zeit in Rom) gewagt, das augenzwinkernde Künstlerdrama um den Goldschmied Benvenuto Cellini neu zu inszenieren. Mit Aron Stiehl hatten sie sich dafür einen Regisseur ausgesucht, der im letzten Sommer mit Wagners »Liebesverbot« in Bayreuth und in der Oper Leipzig gezeigt hatte, wie souverän er mit trubeligen Opernstoffen umzugehen versteht. Auch in Münster wurde schnell klar, dass Stiehl in Berlioz’ Oper weniger nach zarten Untertönen sucht, sondern eher auf kräftige Effekte setzt. Das bekommt dem stilistisch und musikalisch noch recht uneinheitlichen Werk auch ausgezeichnet und überbrückt so manche nicht ganz so geniale Stelle der Partitur. Die Wohnung des päpstlichen Schatzmeisters Balducci (Bühnenbild und Kostüme: Simon Holdsworth) hat zwar einen atemberaubenden Ausblick auf dessen Arbeitsstelle im Vatikan, kommt jedoch ansonsten im muffigen Stil der Fünfzigerjahre daher, eine in die Jahre gekommene Wohnküche wird durch eine Tür vom Jugendzimmer seiner Tochter Teresa getrennt, in dem neben zwei Schuhschränken, jede Menge Pink sowie ein Klappbett die Welt des Teenagers optisch deutlich von der des Vaters abgrenzen. Der strenge Balducci ist hoffnungslos damit überfordert, das Fräulein Tochter im Zaum zu halten. Wenn die Konkurrenten um deren Gunst sich im Kühlschrank oder Klappbett verstecken und mittels Dynamitstange oder Axt vergeblich aus dem Weg zu räumen versuchen, fühlt man sich vergnüglich an die Comicabenteuer von Tom und Jerry erinnert. Der dramatische Höhepunkt findet mit dem Auftritt des Papstes statt, der Cellini vor die Wahl stellt, entweder endlich die von ihm bestellte Perseus-Statue zu gießen oder wegen des Mordes an Pompeo, den dieser im Trubel des zweiten Aktes getötet hatte, belangt zu werden. Dass bei der Uraufführung ein Papst auf der Bühne von der Zensur nicht goutiert worden war, macht man in Münster mehr als wett: Der aktuelle Papst Franziskus bringt gleich seinen Vorgänger Benedikt und Erzbischof Gänswein mit zum Atelierbesuch. Während der amtierende Heilige Vater das Abendmahl ausgibt, macht es sich Benedikt auf dem Papststuhl im Hintergrund bequem und richtet sich darauf wieder mit großer Freude ein. Auch wenn einiges etwas zu bunt, laut oder wie aus einer Klamotte daherkommt, verliert der Regisseur nie den Kontakt zum Werk und schafft es, die Gussszene der Statue zum spannenden Höhepunkt zu machen. Cellini setzt anschließend seine Teresa in den Beiwagen eines alten Motorrades und rauscht mit ihr zusammen ins Glück: Statue gut, alles gut! Zwar schiebt die Inszenierung sicher einige autobiografische Zweifel von Berlioz an seinem eigenen Künstlerleben, die er in dieser Oper zu verarbeiten gesucht hatte, mitunter etwas jovial zur Seite, doch ist ein mitreißender und in jeder Hinsicht konsequenter Zugang zu dem etwas sperrigen Werk gelungen, was sich am Ende nicht zuletzt an der ungeteilten Begeisterung des Publikums zeigte.
Opernglas, 28.2.2014

Was sich recht ernst anhört, beginnt in Münster aber sehr, sehr heiter. Schließlich spielt der erste Akt am Rosenmontag. In der Zwei-Zimmer-Wohnung des Balducci genießt dessen Tochter Teresa – derweil sie französische Phrasen tiriliert – die Aussicht auf den Petersdom, bekommt Plüschtiere durchs Fenster geworfen, schneidet Kohlrabi für den Eintopf und wachst sich die Beine, was ja bekanntlich sehr gut zu hohen Tönen passt. Wenn dann nacheinander zwei Liebhaber, Cellini und Fieramosca, durch das Fenster klettern, dann entwickelt sich auf der Bühne ein Comic Strip, der sehr deutlich an die alte Zeichentrickserie Tom und Jerry erinnert. Da wandert der eifersüchtige Fieramosca in den Küchenschränken umher. Eine Dynamitstange wird dem flirtenden Cellini in die Hand gedrückt, der wirft sie natürlich in den Kühlschrank, wo sich Fieramosca versteckt hält – bumm, kleiner Pyroeffekt – Fieramosca erscheint wieder mit leicht angeschwärztem Gesicht. Später wird Fieramosca vom Vater im Schrankbett entdeckt – natürlich im Schrank. Die herbeigerufenen Nachbarinnen – die nettesten der Feministinnen – zerren seinen Kopf auf den Esstisch und stecken ihm einen Apfel in den Mund. Im zweiten Akt findet sich Fieramosca in der Mülltonne einer versifften Kneipe wieder, auf deren Rückwand dick gesprüht steht: „Regietheater, nein danke!“ Während Cellini und seine Kumpanen an der Theke trinken und trinken, wird dezent angedeutet, was alles auf der kleinen, noch versiffteren Toilette neben der Theke passieren kann. Es ist inzwischen Veilchendienstag, Cellini plant mit seinem Lehrling Ascanio die Entführung von Teresa, Fieramosca verbündet sich mit dem Schläger Pompeo, um das gleiche zu tun. Beim Theaterspiel erreicht das Karnevalstreiben seinen Höhepunkt. Während Wagners Ring durch den Kakao gezogen wird, und die beiden Parteien anfangen, sich in die Haare zu bekommen, stirbt erst der Drache auf der Bühne, dann Pompeo im Zuschauerraum, ermordet von Cellini. Die Stimmung kippt, Aschermittwoch ist nahe. Wäre die Inszenierung von Aron Stiehl in diesem Stil weiter gegangen, hätte man sich vielleicht doch gelangweilt. Doch für einen Augenblick weiß keiner so genau, wie es weiter geht. Ascanio ist im Schockzustand. Diese Fallhöhe vom völlig Durchgedrehten runter zum schlagartig Nüchternen trifft Stiehl dann so gut, das man das Vorangegangene als Mittel zum Zweck akzeptieren kann. Immerhin dreht er das Tempo auf der Bühne auch nicht mehr so hoch. Jetzt kommt das System hinter den Künstlern richtig zum Vorschein – die Kirche. Für den bösen Seitenhieb auf die Institution holt Stiehl zwei Päpste auf die Bühne. Zum einen den Pragmatiker, der sich nur für die Kunst und ein paar Machtspiele interessiert – bei Berlioz ist damit Papst Klemens VII. gemeint. Zum anderen noch einen alten weißhaarigen Papst, der eine kleine Bayern-Flagge in der zitternden Hand hält und sich mit seinem Adjutanten über den liberalen Kollegen empört – solange bis es zum VIP-Sektempfang geht. Cellini hat es geschafft, seine Statue zu vollenden, die dargebotene Hand des anderen Papstes schlägt er aus und zieht zusammen mit Teresa auf dem Motorrad seiner Wege. Von der fast dreistündigen Spieldauer merkt man bei der Premiere so gut wie nichts. Es ist extrem kurzweilig, was Aron Stiehl und Simon Holdsworth auf die Bühne stellen.
Opernnetz, 16.2.2014

Großer Premierenerfolg für Berlioz’ Benvenuto Cellini. Standing Ovations für ein munter unterhaltendes Bühnenereignis.
Recklinghäuser Zeitung, 16.2.2014

Kurzweil mit fantastischer Musik
Hernach jedoch stößt Stiehl in Dimensionen der Sonderklasse vor, faszinierend etwa fällt das Tavernenbild aus.
Die Glocke, 18.2.2014

Dass der Papst singend in einer Boulevard-Komödie auftritt, ist schon sehr erstaunlich. Dass Regisseur Aron Stiehl mit Franziskus und Benedikt gleich zwei Päpste auf die Bühne des Großen Hauses stellt, ist der Ideen-Höhepunkt seiner Inszenierung von „Benvenuto Cellini“.
Ruhrnachrichten, 16.2.2014

…In Münsters Großem Haus werden aber bei der gefeierten Premiere von „Benvenuto Cellini“ schnell die Unterschiede klar. Nicht nur, weil Berlioz dem Publikum lange Vorgeschichten erspart. Sondern vor allem, weil sein erster Akt reine Opera buffa ist: Tenorheld Cellini könnte auch Frisör oder verkleideter Graf sein, wenn er bei Sopran-Teresa einsteigt. Die wird – natürlich! – vom Bass-Vater bewacht und vom Bariton umgarnt: Kein Wunder, dass Regisseur Aron Stiehl daraus eine Witzparade macht. Teresa, die Frau mit den Schuhschränken und den Ballerina-Bildchen, stößt ihre Koloraturen als Reaktion auf das schmerzhafte Enthaarungspflaster hervor, und zum Terzett wird aus der Biokiste gekocht. Komik als Comic. Clever ist es, wie der Regisseur im folgenden Karnevalstreiben die Bewegung der Chöre einfriert, um Einwürfe hervorzuheben.
Westfälische Nachrichten, 16.2.2014

Natürlich kriegen sich am Ende jene, die von Anfang an für einander bestimmt waren: der Florentiner mit Anarcho-Stern auf seiner Baskenmütze und die hübsche Blondine Teresa, die ihr Vater am liebsten mit einem Feuerkreis vor unliebsamen Liebhabern schützen will wie einst Wotan seine Brünnhilde. Genau diese Szene wird dem sich ach so ehrbar dünkenden Hüter über die Kirchenknete vorgespielt in Cassandros Theater im 2. Aufzug des 2. Aktes – ein putziger Regie-Einfall. Siegfried tötet einen Drachen, Teresa-Brünnhilde wird befreit. Dazu aus dem Orchestergraben Wagners Feuerzauber… man ist begeistert, nur Balducci nicht. Stiehl liefert etliche solcher Gags, lässt seiner Fantasie freien Lauf, schafft zusammen mit Bühnen- und Kostümbildner Simon Holdsworth ausgesprochen farbenfrohe Sequenzen. Die abgewrackte Kneipe, in der Benvenuto Cellini sich mit seinen Kumpels trifft, wird von Graffitis geziert und von Sprüchen wie diesem: „Regietheater nein danke“. Und das kühle Blonde, mit dem sich die Malocher stärken, wird von der ortsansässigen münsterschen Brauerei angeliefert. Ganz up to date: der Papst, der dem Titelhelden der Oper eine Frist einräumt, die seit langem bestellte Statue nun auch endlich zu liefern. Das ist Franziskus, der Bischof von Rom, der neue Papst. In Stiehls Lesart ist das nicht eben häufig inszenierte Werk vor allem eines: unterhaltend und spaßig.
NMZ, 16.2.2014

„Regietheater – Nein, danke!“ Unübersehbar prangen die Worte an der Wand einer heruntergekommenen Taverne. Sie dient Benvenuto Cellini und seinen Kumpeln als Treff, wie das Graffito dem Regisseur Aron Stiehl als Leitsatz. Am Theater Münster entfesselt er „Benvenuto Cellini“ von Hector Berlioz als opulente Opera Buffa. Es fängt gut an, dank erfrischendem Slapstick im ersten Akt. Stiehl siedelt die Handlung irgendwo in der Moderne an. Der päpstliche Schatzmeister Balducci (Plamen Hidjov) ist allerdings in der Zeit stehen geblieben und lebt in einer 50er-Jahre-Wohnung: schmutzig-braune D-C-Fix-Möbel, piefige Schmuckkacheln in der Küche und pink-psychedelische Tapeten im Jungmädchen-Zimmer seiner Tochter. Hinter Türen, Fenstern, Schranktüren vergnügen sich Liebhaber, Nebenbuhler und Geliebte beim klassischen Versteckspiel.
Come-on.de, 17.2.2014

Et que dire de la mise en scène ? Du bien, comme pour l’ensemble. Dans ce cas, il y a eu des choix, qui peuvent se défendre pour cet opéra à tiroirs, apte à susciter de multiples interprétations (c’est aussi sa richesse), dans sa veine comique et tragique, légère et profonde. Donc, le choix s’est porté sur la comédie, où les autres aspects, inhérents à la portée de l’œuvre, comme l’idéal de l’artiste créateur dans son combat contre Dieu et les hommes, la transcendance mystique de la transmutation par le feu (pour la fonte finale de la statue de Persée, lui-même tout un symbole !), se retrouvent estompés. Pourquoi pas ? Si la lecture, comme dans le cas d’Aron Stiehl, s’avère probante. Teresa accueille donc Cellini au premier tableau dans son intérieur croquignolet de midinette ; les compagnons du maître ciseleur se réunissent dans une espèce de bouge couvert de tags ; et ainsi de suite… Puisque nous sommes à notre époque, ce qui, tout bien considéré, restitue l’intemporalité du message de l’opéra. La dérision de la cour papale et de son pontife, les ouvriers fondeurs et frondeurs, avec poings levés et dégaines de révolutionnaires en chambre, sont pareillement bienvenus, en phase avec le livret sulfureux (pour son temps). D’autant que chaque intervenant se trouve en situation et bien campé. Bref, on est vite pris par le spectacle, que d’aucuns pourraient croire iconoclaste, mais qui se révèle, de fait, intelligemment et respectueusement pensé.
Concertclassic.com, 11.3.2014


Un ballo in maschera

Badisches Staatstheater Karlsruhe

Gleichwohl beeindruckt die stringente, detaillierte Personenregie. Und das Schlussbild hat in seiner Umkehrung der Verhüllungsidee etwas Genialisches: Die Figuren schöpfen ihr Inkognito nicht aus der Vielfalt der Masken, sondern aus deren Uniformität: schwarze Renaissance-Kostüme mit breiten, weißen Halskrausen.
Opernwelt, Dezember 2013

Mustergültig beseelender Verdi: „Ein Maskenball“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe
…dies wie auch Bezüge zwischen Szene und Libretto – etwa die Matrosenkostüme zu Gustavs Arie – dienen Stiehl dazu, die Kluft zwischen trügerischer Heiterkeit und dem Verderben zu veranschaulichen. Immer wieder reißen Fassade und Boden auseinander. Das Faszinierende an Verdis Maskenball, nämlich dessen Doppelbödigkeit, der böse Witz, die Ironie und die rhythmisch akzentuierten sarkastischen Liedchen der Verschwörer kommen so bestens zur Geltung.
BNN, 14.10.2013

Regisseur Aron Stiehl spielt in seiner Inszenierung zum Saisonauftakt am Badischen Staatstheater Karlsruhe mit dem Dualismus in Verdis „Maskenball“; ein Dualismus, der sich nicht nur aus den Antipoden der Handlung – dem schwedischen König Gustav III. und seinen Widersachern – ergibt, sondern auch aus Verdis virtuoser Mischung von Tragödie und opéra comique
… das Ergebnis ist eine durchaus stringente, in ihrer Optik opulente Produktion. Stiehl liebt das Spiel mit den stilistischen Ebenen. Die Matrosenuniformen im zweiten Bild bei der Wahrsagerin Ulrica assoziieren Musicalflair – da ist Bernsteins „On the town“ nicht weit. Gleichzeitig denkt man bei den 50er-Jahre-Kittelschürzen der Frauen um Ulrica eher an das italienische Kino dieser Zeit… gleichwohl zieht Stiehls Theater seine Energie nicht allein aus den Bildern, sondern aus einer sehr profunden, detaillierten Personenregie.
Badische Zeitung, 15.10.2013

Ein Maskenball in der Inszenierung von Aron Stiehl ist ein echter Volltreffer.
Ein Maskenball von G. Verdi in der Inszenierung von Aron Stiehl im Staatstheater Karlsruhe bietet alles für einen gelungenen Opernabend mit überragenden Darstellern. Hier geht es nicht nur um Liebe & Hass. Viel mehr steckt in dieser Inszenierung: Humor, Leidenschaft, Treue, Stolz aber auch Unvernunft.
DELTA NEWS, 14.10.2013

Es ist der Riss, der durch die Protagonisten geht, und der schon bald nach Beginn der Premiere im Badischen Staatstheater Karlsruhe das gesamte Bühnenbild von Friedrich Eggert spaltet: ein herrschaftliches Vestibül, links mit grauem Marmor verkleidet, rechts noch im rohen Ziegelmauerwerk, dazwischen gewissermaßen ein Bodenloses, aus dem das Böse und die Hexe Ulrica steigen. Regisseur Aron Stiehl, der selbst so edel gewandet auf die Bühne kommt wie der Hofstaat von Gustav, scheint ein Männerkenner zu sein, denn was bei diesem König echt oder nur Maske ist, bleibt lange in der Schwebe. Stiehl ist eher ein Regisseur der vorsichtigen Art, dem in Karlsruhe eine sehr konzentrierte, geschlossene und gut gearbeitete Inszenierung gelungen ist. Und dank des vorzüglichen Opernchors versteht man auch den Titel der Oper – ein Maskenball.
Badisches Tagblatt, 14.10.13


Das Liebesverbot

Bayreuther Festspiele / Oper Leipzig

Das Highlight der Festspiele: „Das Liebesverbot“
Das Beste, was in Bayreuth seit langem zu sehen ist: „Das Liebesverbot“ in der Oberfrankenhalle „Operette“, stöhnt da irgendwann Nonne Isabella auf der Bühne, verächtlich, augenverdrehend. Und es ist ja wahr: Wagners „Liebesverbot“, eines von den drei Frühwerken, die dort derzeit als Vor-Festspiel gegeben werden, das ist weniger eine klanglich explodierte deutsche Spieloper, auch nicht unbedingt Bellini, der zur Hausmannskost verrührt wurde, sondern wirklich leichte Muse. Dann muss man allerdings so inszenieren wie Aron Stiehl. Untiefen lauern im „Liebesverbot“. Doch Stiehl tänzelt mit Bühnenbildner Jürgen Kirner und Sven Bindseil (Kostüme) über die Fährnisse von Teutonenwitz und Spaßkrampf hinweg. Ein kleines großes Theaterwunder, das Beste, was in Bayreuth in den vergangenen Jahren zu sehen ist. Stiehl gestattet das, was den Besuchern am meisten Spaß macht: die Revue. Und jetzt alle, das passt zu den Musikantenstadeleien, die es sonst in der Halle gibt. Man sieht eine Chorusline wie im Musical, dazu à la Ponnelle auf den Punkt choreographierte Bewegungen, mehrmals grüßt die Hippie-Zeit. Es gibt riesige Statthalter-Masken zum Protest-Karneval des Volks, viel schwüle Travestie und manch abgeknicktes Handgelenk, am Ende tanzen alle Can-Can an der Rampe. Und das Beste ist: Stiehl hat nicht nur ein Gefühl für die richtige Dosierung und Geschmack bei der Ausstattung, sondern wirklich Humor. Er nimmt das Stück ernst – um sich im nächsten Moment augenzwinkernd davon zu distanzieren.
Merkur-online, 9.7.2013

Ein bisschen Musical, etwas Revue, viel schräger Humor plus schwüle Travestie: Regisseur Aron Stiehl gab den Gaffern Zucker, wo es das Stück brauchte, schaltete aber zwei, drei Gänge zurück, wo Wagner zum Belcanto ausholt. Eine Schlussfolgerung nach diesem Vor-Festspiel drängt sich auf: Stiehl wäre der rechte Mann für die nächsten „Meistersinger“ am Hügel.
Mannheimer Morgen, 15.7.2013

…es fehlen die Sponsoren und ihre Gäste, die tags zuvor ein Drittel des Publikums ausgemacht haben dürften. Was sie verpassen: Wie man eine Oper rettet, die noch seltener gespielt wird als „Rienzi“. Indem man sich ihr hemmungslos hingibt. Regisseur Aron Stiehl und Bühnenbildner Jürgen Kirner teilen die Szene in drei Teile: Das Reich der (im Operntitel verbotenen) Liebe, des Karnevals und der Lüste wird symbolisiert durch einen wildwuchernden tropischen Regenwald. Die ordnungsliebende Welt von Statthalter Friedrich (Tuomas Pursio), der all das verbieten lässt: Wände voller Nummern, wie Urnengräber. Und das Kloster von Schwester Isabella, die die Sturheit eben dieses Friedrichs schließlich aufweicht: ein schlichter weißer Raum. Stiehl hat ein Konzept, eine Haltung zum Stück: Er nimmt es als Buffa ernst. Und mit dem Leipziger Opernchor hat er zudem ein fantastisches Kollektiv aus Hippies, Tunten und Marktweibern zur Verfügung, dem das „Liebesverbot“ sichtlich mehr Spaß macht als „Rienzi“.
Der Tagesspiegel, 9.7.2013

Aron Stiehl deutet die freie Adaption der Shakespeare-Komödie „Maß für Maß“ mit leichter Hand (und einigen Slapstick-Einlagen) als humoristische Vorwegnahme des „Tannhäuser“-Konflikts zwischen Eros, Vernunft und Glauben.
FAZ, 10.7.2013

The humor in Aron Stiehl’s production was often heavy, and Isabella (in nun’s garb) looked frumpy rather than captivating, but the action played out engagingly. As if to emphasize people’s animalistic instincts, costumes (by Sven Bindseil) for Carnival festivities had a wild-beast motif, which was complemented by a dense forest prominent in Jürgen Kirner’s décor.
New York Times, 16.7.2013

Aron Stiehl bewies mit seiner Inszenierung, dass die Bühne in der Operfrankenhalle durchaus wirkungsvoll zu bespielen ist. Nicht unzutreffend behauptete bereits in der Pause ein langjähriger Festspielbesucher, diese Aufführung sei das Beste, was er seit Jahren in Bayreuth erlebt habe. Volle Begeisterung für den rundum gelungenen Premierenabend: das gemischte Publikum in der auch diesmal nicht voll besetzten Oberfrankenhalle dankte der Leipziger Oper mit Bravorufen und Fußtrampeln. Die kluge, eigenwillig ideenreiche Produktion steht ab der nächsten Spielzeit in Leipzig auf dem Spielplan.
NMZ, 9.7.2013

Eine nahezu unbekannte Seite von Richard Wagner hat das Publikum in Bayreuth kennengelernt: Dort feierte am Montagabend das Frühwerk „Das Liebesverbot“ Premiere. Heiter, frivol und frech präsentierte sich diese Oper, die Einfälle von Regisseur Aron Stiehl sorgten immer wieder für spontane Lacher im Publikum.
Focus, 8.7.2013

Die „Liebesverbot“ – Premiere als sensationelles Opernereignis
Es geht ja doch. Mit dem „Liebesverbot“ gelingt dem Ensemble der Oper Leipzig in der Oberfrankenhalle ein kurzweiliger, schlau gestalteter, aufregender Abend. Das liegt am Stück, aber auch daran, dass Regisseur und Dirigent fast alles anders machen als ihre Kollegen bei „Rienzi“ am Abend zuvor. Und zwar: viel besser.
Nordbayerischer Kurier, 9.7.2013

Wer – als Regisseur – Humor besitzt und das Stück nicht mit jenem deutschblutigen „Tiefsinn“ überfrachtet, der kann mit diesem Prachtwerk nur einen Erfolg erzielen. Und es wurde einer. Es ist dies die Kunst der Regie: innerhalb einer sehr genauen theatralischen Form ein Note für Note durchinszeniertes Spiel zu ermöglichen. Aron Stiehl heißt der Mann, dem wir eine äußerst kurzweilige Regie verdanken.
DER OPERNFREUND, 9.7.2013

Aron Stiehl, der bislang vor allem mit seinem Zugriff auf eher komische Stoffe Furore machte, es aber auch sonst zumindest zu streitbaren szenischen Lösungen und eindrucksvollen Bildern gebracht hat, hat das Liebesverbot nicht als Vorläuferwerk überfrachtet, dem man auf Teufel komm raus (bzw. Genie geh rein) anhören und ansehen müsse, dass hier der Schöpfer des Parsifal oder der Schmied des Nibelungen-Ringes am Werke ist. Er nimmt es als eine an den Italienern vor Verdi geschulte Variante von gut gemachter Opernunterhaltung, über die man sich auch heute noch so amüsieren kann, wie eben über die Rossini- oder Donizetti-Originale. Wenn die gut gemacht sind. Und sie haben es in der Oberfrankenhalle (man muss eigentlich sagen: Trotz Oberfrankenhalle) erstaunlich gut gemacht. Weil Aron Stiehl Das Liebesverbot als Buffa und Komödie ernst nimmt, kommt seine witzige und quicklebendige Bayreuther Inszenierung einer Rehabilitierung dieses Jugendwerkes von Wagner gleich.
Online Musik Magazin, 18.7.2013

Aron Stiehl und sein Team bewiesen schlagend, dass man in dieser Halle auch eine vollgültige Inszenierung präsentieren kann, wenn man es kann. Die Leipziger, die sie übernehmen werden, können sich freuen! Stiehl nimmt Wagners Version von Shakespeares „Maß für Maß“ nicht als verkapptes Staatsdrama, sondern er nimmt es als Komödie ernst, macht ihr Beine, lässt sie schweben, ja abheben und sorgt so für ein Wagnervergnügen, das man bislang kaum für möglich gehalten hat. Ironisch, witzig, spritzig – zuweilen muss man laut lachen, aber nicht wegen unfreiwilliger Komik, sondern weil jede Bewegung sitzt, jede Geste aus der Musik abgeleitet wird, jede Maskerade auch so klingt. Göttlich etwa die Schwester Isabella von Christiane Libor, die bald übernimmt und irgendwann mal „Operette!“ ins Publikum ruft. Stimmt. Und was für eine! Diesmal war das Publikum begeistert.
Thüringische Landeszeitung, 10.7.2013

Regisseur Aron Stiehl und seinem Bühnenbildner Jürgen Kirner ist Staunenswertes gelungen: Auf der arg begrenzten Bühne hatten sie mit zwei großen, schwenkbaren Wandteilen drei Lebenswelten realisiert – einen malerisch üppigen Urwald für karnevaleske Ausschweifung, ein aus durchnummerierten Aktenschubern gebildetes Herrschaftszentrum und kühle, leere Wände mit einem Lichtkreuz für die Klosterwelt. Darin führte Stiehl typengenaue und immer wieder witzige Personenregie vor. All das fügte sich zu einem höchst unterhaltsamen musikalischen Komödien-Abend.
Bayerische Staatszeitung, 12.7.2013

Wagner ohne Wagner
Ein Triumph für die Oper Leipzig, für Stiehls herrliche Inszenierung. Die ganze Personage quirlt fortwährend zwischen den sich drehenden Welten-Wänden umher, und die Liebe, die Stiehl in der Personenführung jeder noch so kleinen Partie, jedem Mitglied des Opernchores hat angedeihen lassen, erhebt dieses „Liebesverbot“ meilenweit über die szenische Seite der Premiere vom Vortag.
Leipziger Volkszeitung, 10.7.2013

Man kann also auch in der Oberfrankenhalle eine „richtige“ Inszenierung plazieren. Regisseur Aron Stiehl machte aus Richard Wagners „Liebesverbot“ ein Fest für die Augen. Wann kann man bei diesem Komponisten schon mal herzhaft lachen oder sich durchgängig amüsieren! Stiehl macht Wagners „Maß für Maß“ – Version szenisch Beine, erzählt die Geschichte genau, lässt sie aber schweben, ja abheben und sorgt so für ein kaum für möglich gehaltenes Wagnervergnügen. Alles ist hier ironisch, witzig, ja spritzig, ohne dass es albern wird.
Die deutsche Bühne, 2.8.2013

Eine der rundum gelungensten, ja empfehlenswertesten Produktionen der Oper Leipzig seit langem.
MDR Figaro, 30.9.2013

Das Publikum honoriert die dreistündige intensive Aufführung mit starkem Applaus und vielen Bravo-Rufen. Diese herrlich komische Inszenierung ist der Schlußakkord der Kooperation der Oper Leipzig mit den Bayreuther Festspielen. Dieses Werk und vor allem diese Inszenierung hat das Zeug zum Dauerbrenner und darf durchaus als Einstiegsdroge für zukünftige Wagnerianer konsumiert werden.
Opernnetz, 1.10.2013


Ariadne auf Naxos

Theater St. Gallen

Mit Ariadne auf Naxos von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal hat sich das Theater St.Gallen eine mächtige Aufgabe vorgenommen. Der Abend gelingt auf beeindruckendem Niveau… der Regisseur Aron Stiehl hielt insofern dagegen, als er das Vorspiel köstlich zuspitzte. Es spielt in der Gegenwart einer St. Galler Galerie für Gegenwartskunst, in der sich Putzfrauen mit rührender Intensität um vergoldete Schweinigeleien hochbezahlter Künstler kümmern. Unter dem Strich scheinen die Sympathien also eher dem Komödiantischen zuzuneigen wie übrigens auch bei den von dem unsichtbaren Mäzen geladenen Gästen und dem unvermeidlichen Kritiker, die sich bisweilen von Herzen langweilen und sich dann kurz vor dem Höhepunkt der Oper davonschleichen, um das Feuerwerk nicht zu verpassen. Dabei ist auch das Tragische von szenischer Ironie durchwirkt, gibt es etwa augenzwinkernde Anspielungen an Wagner und einen rechtzeitig bellenden Fifi.
NZZ, 6.5.2013

Der «reiche Herr» in St. Gallen besitzt anscheinend auch eine Galerie in einem charmant hergerichteten ehemaligen Industriebau. In dieser «Art Gall» steigt seine Party, für die neben dem Diner punkt neun auch ein Feuerwerk vorgesehen ist, was es mit sich bringt, dass die bestellte Oper und der Theater-Schwank gleichzeitig gespielt werden müssen. Als Mischung aus «Schwanensee» und «Weissem Hai» bricht so die Komödiantentruppe Zerbinettas mit Gummikulissen und dem umwerfenden Charme billiger TVShows in die hehren Sphären heiliger Oper, die von Stiehl hier ihrerseits als Parodie auf abgehobene Opern-Körpersprachen ä la Robert Wilson gezeichnet wird. So gab es viel zu lachen und zu schmunzeln in dieser Inszenierung. Die Personenführung von Stiehl ließ keine Wünsche offen, der hektische Realismus einer kurz bevorstehenden Show in dieser Galerie animierte den deutschen Regisseur zu einem wahren Feuerwerk an kleinen Gags. Überfordertes Personal, überkandideltes Publikum oder die Starallüren der Opern Protagonisten, die mit den Toiletten als Garderoben vorlieb nehmen müssen, zeigte Stiehl im Vorspiel mit ebenso leichter Hand, wie er in den Liebes- und Todes-Visionen von Ariadne und Bacchus der Musik den Vortrittlassen konnte.
Die Südostschweiz, 6.5.2013

Ariadne auf Naxos von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal handelt vom Irrgarten der Liebe. Am Theater St. Gallen zeigt sich, wie vital und unterhaltsam dieses Werk ist – und wie tiefsinnig dazu. Einmal darf der Dirigent sogar aus dem Orchestergraben schimpfen wenn ihm Katja Starke in ihrer Hosenrolle als Komponist noch rasch ein paar Änderungen hinabreicht. Es ist dies einer von vielen situationskomischen Einfällen, mit denen der Regisseur Aron Stiehl dem Stück auf raffiniert durchdachte Weise Leben einhaucht.
St. Galler Tagblatt, 6.5.2013

An der Betonwand links hängt Andy Warhols Monroe-Porträt. Daneben blitzt eine Leuchtschrift: „ArtGall“ ist unschwer als Anspielung auf eine Kunstgalerie ebenso wie auf die Stadt zu entschlüsseln, in der die Geschichte spielt. Zwischen Stelen mit „Kunstobjekten“, die aussehen wie vergoldete Exkremente oder Damien Hirsts Juwelenschädel, wuseln Dutzende von Leuten schon vor Beginn der Musik chaotisch durcheinander. Ein Scheinwerfer platzt mit lautem Getöse. Aber das scheint niemanden zu irritieren. Hier sind ohnehin alle durchgeknallt. Eine Aufführung scheint bevorzustehen. Putzfrauen schrubben den Boden. Catering-Damen stehen mit Servierbrettern da. Verfrühte Nobelgäste mit sündhaft teuren Designer-Klamotten treffen ein. Keiner beachtet den ratlosen Gärtner, der Blumensträuße abgeben will. Ein Flügel wird in die Galerie geschoben. Handwerker räumen Leitern weg. Ein Koordinator mit Handy am Ohr und Sektglas in der Hand möchte Ordnung in die fröhliche Anarchie bringen. Die Primadonna mit Pelzmantel und Schoßhündchen stöckelt herein und beschwert sich, weil ihre Garderobe in einer Damentoilette untergebracht ist. So verpflanzt Aron Stiehls Neuinszenierung die Oper „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal am Theater St. Gallen in unsere Zeit. Die Geschichte vom reichen Mann, der für Freunde eine von ihm bezahlte Oper aufführen lassen möchte, spielt hier im Luxusmilieu eines Kunstspekulanten, der glaubt, er könne mit seinen Millionen über die Schöpfer von Auftragswerken verfügen wie über Dienstpersonal. Stiehl geht es dabei nicht um vordergründigen Spaß bei der Kollision von Tragödie und Komödie, sondern um das Verhältnis von Kunst und Leben, in dem immer beide Seiten eine Rolle spielen… Köstlich wirbelt Stiehl diese beiden Sphären durcheinander.
Schwäbische Zeitung, 14.5.2013

Das Opernglück dieses Abends wird perfekt durch die brillante Regie von Aron Stiehl.
Neue Vorarlberger Zeitung, 6.5.2013

…trotzdem erscheint in ARIADNE AUF NAXOS die Forderung des „reichsten Mannes von Wien“, nämlich das lustige und das traurige Stück gleichzeitig aufzuführen, als beinahe unlösbare Aufgabe. Doch nicht nur Richard Strauss und sein Textdichter Hofmannsthal haben diese Herausforderung auf sublime Art und Weise bewältigt, auch das Inszenierungsteam der Aufführung in St.Gallen hat eine bestechende Umsetzung des Themas auf die Bühne gestellt: In einer Kunstgalerie (ART GALL) soll in unserer nach Events dürstenden Zeit also anlässlich einer Vernissage auch eine Operninstallation präsentiert werden. Doch da den Geldgebern (sponsored by UBC im bekannten roten Schriftzug – honni soit qui mal y pense…) das ursprünglich in Auftrag gegebene Stück eben nicht populistisch genug erscheint, wird kurzerhand befohlen, eine umtriebige Komödiantentruppe in die ernste Oper einzubinden, um so den Ansprüchen der Spassgesellschaft gerecht zu werden. Dass dann während der Aufführung die blasierte Kultur-Schickimicki-Cüpli-Gesellschaft pikiert die Nase rümpft, ist nur einer von den vielen herrlich eingebauten sarkastischen Seitenhieben des Regisseurs. Er persifliert dabei das Kulturestablishment (man präsentiert auf der ART BASEL, äh GALL vergoldete Hundehäufchen als grosse Kunst) genauso wie Regiekollegen, indem er die „ernsten“ Teile der Oper im Stil eines Robert Wilson ablaufen lässt (starre, repetitiv-langsame Bewegungen, abgedrehte Hände, rätselhaft bemalte Handflächen, ein roter Ariadne-Faden, welcher an den Schicksalsfaden der Nornen in Wilsons GÖTTERDÄMMERUNG-Inszenierung erinnert). Die Truppe um Zerbinetta lässt er dann gekonnt witzig und mit kindlichem Übermut mit diesen und selbst mitgebrachten Strandferien-Elementen spielen. So wird der rote Faden zum Bondage-Accessoire wenn Zerbinetta von ihrem lustvollen Umgang mit den Männern berichtet (wobei dann auch jeder Peitschenhieb punktgenau auf die Musik gesetzt ist). Grossartig auch der erste Auftritt Zerbinettas, als sie Warhols Marilyn an der Wand erblickt: Sie stellt sich kurzerhand auf den Lüftungsschacht und wirft sich in die bekannte Pose der Filmgöttin in Billy Wilders THE SEVEN YEAR ITCH. Die Genauigkeit der Personenführung zieht sich durch den ganzen Abend und beschränkt sich nicht auf die Protagonisten. Auch die Statisten des Theaters St. Gallen erhalten dankbare Aufgaben, welche sie mit bravouröser Darstellungskunst ausfüllen. Das Vorspiel kam einem noch selten so kurzweilig vor.
„Das Herz muss in Harmonie und Ruhe sein, dann wird es heiter“ hat der chinesische Philosph Lü Buwei einmal gesagt – die Oper ARIADNE AUF NAXOS in St.Gallen verlässt man mit heiterem Herzen. Ein Abend, der gleich wieder von vorne hätte beginnen können, mit einem Werk, in welchem man immer mehr Suchtpotential entdeckt, je öfter man es hört und sieht.
Oper aktuell, 6.5.2013

…Aron Stiehl bereitet… mit seiner Regie auch eine prachtvolle Bühne. Da stossen zur grazilen Musik von Richard Strauss Ernst und Humor, Liebe und Leichtlebigkeit, Kunst und Kommerz effektvoll, ja manchmal turbulent aufeinander. Das Publikum lachte viel und applaudierte bei der gestrigen Premiere stark.
Ostschweiz am Sonntag, 12.5.2013

Das Opernglück dieses Abends wird perfekt durch die brillante Regie von Aron Stiehl. Er siedelt die Handlung in der Gegenwart in einer Kunstgalerie an. Denn gerade in der zeitgenössischen Bildenden Kunst sind heute die Leute mit viel Geld und wenig Kenntnissen vertreten, die Hugo von Hofmannsthal mit dem reichen Herrn meint, der befiehlt, auf seiner Party die ernste Oper und die Komödie nicht nacheinander, sondern gleichzeitig, eben ineinander verschränkt zu geben. Stiehl trennt allerdings diese beiden Handlungsebenen durch eine unterschiedliche Gestik voneinander. Während Zerbinetta und die vier Spaßmacher tänzerisch und komödiantisch daherkommen, sind die Bewegungen der ernsten Figuren stark stilisiert, nach Art fernöstlicher Theaterkunst. Und wenn sich am Ende die Paare auf einer nahezu mystischen Ebene finden – Ariadne und Bacchus und hier auch der Komponist und Zerbinetta-, so sind die Gäste des neureichen Herrn schon draußen beim Feuerwerk.
NEUE, 7.5.2013


La Vestale

Staatstheater Karlsruhe

In Karlsruhe wird diese Geschichte nicht im alten Rom angesiedelt. Das Regieteam verteilt Seitenhiebe an alle totalitären Regime, die es im 20. Jahrhundert gab und im 21. Jahrhundert noch gibt. In „Die Vestalin“ sind die religiöse und politische Macht innig verbunden, verkörpert im Pontifex Maximus. Das Bühnenbild zeigt eine hermetisch abgeriegelte Welt, aus der es für die Vestalinnen kein Entkommen gibt. In winzigen Zellen vegetieren sie dahin. Nur die gestrenge Oberpriesterin nicht. Kaum hat sie Julia vor den Gefahren der Liebe gewarnt, dreht sich die Bühne und man sieht, wie sich die Oberpriesterin und der Pontifex Maximus bei Champagner miteinander vergnügen. Das steht nicht im Libretto. Aber in diesen bösen kleinen Details, die zeigen, wie korrupt und zynisch die herrschende Klasse ist, wird die Inszenierung lebendig. Natürlich gibt es in dieser Inszenierung kein Happy End. In totalitären Systemen ist kein Platz für die Liebe, wenn sie zugleich den Zynismus des Systems offenlegt… Das ist alles schön durchdacht. Die Vestalin ist ein Kammerspiel mit Chor. Letzterer nutzt die Gunst der Stunde darstellerisch in den vielen kleinen, feinen Charakterstudien, die aus Priesterinnen, Soldaten und Volk lebendige Menschen machen.
BT, 28.1.2013

Die orange leuchtenden Priesterinnen mit ihren obsolet wirkenden Ritualen kontrastieren wirkungsvoll mit dem grauen Römerproletariat. Den Polizeistaat markiert ein steinerner Lorbeerkranz mit gekreuzten Maschinengewehren. Das schuldige Paar wird mit seinen Zweifeln allein gelassen, während sich im aus der Seitenwand fahrenden Überwachungszimmer Obervestalin und Hohepriester gar nicht keusch mit Alkohol und Sex auf dem Sofa vergnügen: Doppelmoral der absoluten Nomenklatura. Die auch später unbeobachtet das erloschene Feuer wieder in Brand setzt und das Erschießungskommando antreten läßt.
Die Welt, 11.2.2013

Katharine Tier gibt die abgründige Oberin der Vestalinnen mit Verve. Stets mit einem Metallstab zur Durchsetzung der Ordnung bewaffnet, führt sie mit diabolischer Lust die Strenge, Selbstgerechtigkeit und Doppelzüngigkeit vor. Aron Stiehl zeigt die Großvestalin beim Tête-à-tête mit dem Oberpriester. Sie trinken Sekt und rammeln auf dem Sofa. Das konterkariert den im Stück angelegten grundsätzlichen Konflikt… Auch das Wunder der Selbstentzündung von Julias Schleier wird auf banale Weise entzaubert (der Pontifex Maximus hilft mit dem Streichholz nach).
Deutschlandfunk, 27.1.2013

…dieser Umstand inspirierte den Karlsruher Regisseur Aron Stiehl sichtlich: Am Ende der entsprechenden Szene etwa, der Entdeckung des Liebespaares, lässt er durch fahles Licht ebenfalls den „öden Tag“ der Ernüchterung einkehren. Hinzugedichtet wurde ein galantes Idyll (den langen Triumphmarsch des ersten Aktendes überbrückend) zwischen der Großvestalin und dem Pontifex Maximus. Für die Mächtigen gelten rigide Sittenvorschriften also offenbar nicht. Eine durchaus noch „napoleonisch“ interpretierbare Einsicht. Eher „modern“ dagegen Stiehls Finalpointe mit dem das scheinbare Wunder manipulierenden Priesterchef und der Exekution der Julia-Partei.
Frankfurter Rundschau, 29.1.2013

Unkonventionell verfährt die Inszenierung mit den Gegenspielern des tragischen Liebespaares: Die Großvestalin und der Pontifex Maximus propagieren zwar öffentliche Keuschheit und religiöse Ergebenheit, sind aber ein selbst keineswegs keusches Liebespaar, das die Religion nach Belieben für Machtzwecke instrumentalisiert. Ein erschreckend aktueller Gedanke.
FAZ, 5.2.2013

Das Wunder der Selbstentzündung des Schleiers der wegen ihrer Untreue im Dienst zum Tode verurteilten Julias wird – möglicherweise in Übereinstimmung mit Spontinis Intentionen – entzaubert: der Pontifex Maximus hilft mit einem Streichholz nach. Der Komponist habe irgendwann einmal erklärt, so kolportierte Wagner, dass ohnedies „das Ganze nur auf Priesterbetrug beruhe und auf Benutzung des Aberglaubens berechnet sei“ („Mein Leben“, München 1983, S. 259). Ganz am Ende, nachdem die Musik zum Stillstand kam, schob Stiehls Inszenierung einen Coup de théâtre nach: Julia, Licinius und dessen zum Befreiungsakt bewaffnet eingedrungene Elitetruppe, die als Grüppchen am Rand stand, wurden von zwei Scharfschützen mit automatischen Waffen ins Visier genommen.
NMZ online, 28.1.2013

Regisseur Aron Stiehl entkleidet La Vestale seines antiken Handlungsgewands und betont, was nach der französischen Revolution bei der Uraufführung 1807 in Paris zwar antiklerikal gedacht war, aber nicht so deutlich wie in der Karlsruher Produktion gezeigt wurde: Aberglaube, Täuschung und die zynische Allianz von Kirche und Herrschaft. Bemerkenswert bei La Vestale ist die Bedeutungsverschiebung der nachrevolutionären Zeit: wo vor der französischen Revolution die Schuldfrage klar entschieden ist – Julia wäre ohne wenn und aber schuldig und ein göttliches Zeichen schickt das himmlische Verzeihen – ist bei Spontini der Zwang betont, der auf Julia ausgeübt wird. Nicht mehr Kirche und Staat sind im Recht, sondern deren Gesetzte zwingen die Figuren gegen ihren freien Willen in ein Korsett, gegen das sie rebellieren müssen, um ihre Liebe zu bekennen. Der Blitzeinschlag am Ende ist die Rechtfertigung eines Mentalitätswandels. In der Karlsruher Regie kommt es anders: Aron Stiehl erkannte, daß ein heutiges Publikum einen Blitzeinschlag als Lösung und Happy-End-Auslöser nicht ernst nehmen und dem Regisseur nicht abnehmen kann. Eine musikalisch spannende und in ihrer inszenatorischen Haltung intelligente und
begrüßenswerte Produktion.
Blogspot, 1.2.2013

Das Regie-Team um Aron Stiehl betont in seiner Inszenierung die im Stück formulierte Forderung nach Trennung von Staat und Kirche relativ zeitlos… während Stiehl in weiten Teilen dem Libretto eng folgt, gelingt ihm… beim Chor eine überzeugende Personenregie. Da flackern bei den Vestalinnen unterschiedliche Emotionen auf, wenn Julia zum Tod verurteilt wird. Der Chor als Masse wird bühnenwirksam eingesetzt.
Online Musik Magazin, 27.1.2013

Den Schluß konterkariert Stiehl in der Konsequenz der Ereignisse richtig, zu den letzten Freudestaumel-Takten erscheint ein Hinrichtungskommando, der Freispruch des Pontifex Maximus ist ungefähr so viel wert wie das Nichterschießungsversprechen des Schurken Scarpia in Puccinis „Tosca“.
Badische Zeitung, 15.2.2013

Diese… Vestalin“ spielt nicht im alten Rom, sondern im 20.Jahrhundert, irgendwann zwischen 1949 und 1989. Der Pontifex Maximus gebietet nämlich über eine Überwachungsanlage gleich der Stasi in der DDR – und sein Büro erinnert auffällig an die Wohnkultur im zweiten deutschen Staat. In diese Umgebung vergnügt sich der hohe geistliche Würdenträger in schäbiger Bigotterie mit der Großvestalin. Dabei verlangen beide doch von den Priesterinnen der Göttin Vesta strengste Keuschheit. Der Pontifex ist überhaupt versiert in der Machtausübung im totalitären Staat. Das Feuerwunder, das zum glücklichen Ausgang der Oper führt, wird hier von ihm nur inszeniert, um das Volk zu blenden. Seine Schergen nehmen Julia und Licinius dennoch ins Visier. Bei den religiösen Handlungen der Vestalinnen sind Ähnlichkeiten mit dem christlichen Ritus gewiss kein Zufall – auch hier verknüpft Aron Stiehl die antike Geschichte mit uns heute geläufigen Bildern und Aktionen.
Die Rheinpfalz, 28.1.2013

Aron Stiehl zeigte in seiner Inszenierung die fatale und unheilvolle Verquickung von Kirche und Staat auf, wobei er die Oper in einem faschistoiden Staat der Neuzeit spielen lässt, in dem der religiöse Glaube der Bevölkerung zur Machterhaltung missbraucht wird.
Der neue Merker, 15.2.2013

De politieke kant van het verhaal staat op de voorgrond. Aron Stiehl zoomt vooral in op de perverse verhouding tussen macht en religie, waarbij hij intiem licht werpt op de relatie tussen La Grande Vestale (de vocaal onbreekbare mezzo Katherine Tier) en de Souverain Pontife (de theatraal en vocaal fascinerende Russische bas Konstantin Gorny), in een onderhoudende pantomime aan het einde van de eerste akte (in plaats van het ballet). De twee ‘wetgevers’ gedragen zich, eenmal weg achter hun façade, heel anders; met kuisheid en onthouding heeft het weinig van doen… In deze context is geluk voor de twee geliefden (de priesteres Julia en de Romeinse generaal Licinius) logischerwijs niet mogelijk. Met hun vrije handelen hebben ze het dictatoriale rijk bedreigd. Zou iemand vandaag nog aan een happy end door een ‘deus ex machine’ geloven, zelfs als het libretto dat voorschrijft? Nee. Daarom is het in de visie van Stiehl niet de godin Vesta, maar de Pontife zelf die het heilige vuur weer aansteekt – om direct daarna de executie van de twee geliefden te bevelen.
Operamagazine NL, 5.3.2013


L’Etoile

Theater Augsburg

Der Regisseur Aron Stiehl entschloss sich zur Vorwärtsverteidigung; er malte nicht nur die Hinrichtung – vorgesehen ist eine Pfählung – mit großer Deutlichkeit aus, er machte auch König Ouf zum gnadenlosen Diktator, der ganz nach Belieben, Lust und Laune seine Landsleute und notfalls auch mal einen Diplomaten aus dem Nachbarland über den Haufen schießt. Übrigens: Dass eine Pfählung auch dem Deliquenten ordentlich Spaß machen soll – diese düstere Überzeugung ist ausschließlich gewissen analerotischen Phantasien geschuldet. Die realen Opfer von Pfählungen sind da ganz sicher anderer Ansicht. Aron Stiehl verstand dieses Stück also als pechschwarze Komödie, in der jeder ständig mit der Angst vor dem Tod lebt, er führte sein Personal höchst lebendig über solche existentiellen Abgründe hinweg. Gegen die Todesangst gibt es nur ein einziges Gegenmittel: Laut und viel drüber zu lachen. Denn der Tod ist allgegenwärtig, selbst die Dirigentin Carolin Nordmeyer, die während der Aufführung ihre Musiker sicher und mit viel Gespür für Stimmungen durch die Partitur geführt hatte, selbst sie fällt am Ende dem schießwütigen Ouf zum Opfer.
Deutschlandfunk, 3.12.2012

Aron Stiehl inszeniert König Ouf I. als verschlagenen Machtmenschen mit gemütlicher Fassade und bedrohlichen Affekten. Eric Laporte spielt und singt dieses unheimliche, verwöhnte und narzisstische Riesen-Baby jederzeit glaubwürdig. Überhaupt sparte Stiehl nicht mit makabren Einfällen… Todesfälle werden gern mit einem Cancan bewältigt.
Bayerischer Rundfunk, 3.12.2012

Bei Ouf liegen das Putzige und das Erschreckende nah beieinander. Da ist einerseits die Marionettenhaftigkeit der Szene, wo sich nach Öffnen des Vorhangs auch noch ein zweiter Vorhang auftut… Vor solchem Hintergrund wirkt die Amoral des Geschehens umso kontrastreicher, und das nicht nur, weil Ouf die Hand arg locker am Pistölchen sitzt. Augsburg zeigt, dass mit „L’ Etoile“ ein kleiner funkelnder Stern am Himmel des Musiktheaters neu zu entdecken ist.
Augsburger Allgemeine, 4.12.2012

Aron Stiehl setzt auf subtile Ironie, also gab es für den ersten Akt eine Adventskalender-Hauswand, imaginierte eine überdimensionale Augsburger-Puppenkiste-Bühne ein Tropenparadies aus Pappe für den zweiten Akt und war im dritten alles leicht derangiert.
Süddeutsche Zeitung, 4.12.2012


Tannhäuser

Staatstheater Karlsruhe

„Tannhäuser“, ein brillanter Wagnerabend am Staatstheater Karlsruhe.
…in Aron Stiehls durchdachter, motivisch ausgefeilter Karlsruher Inszenierung läuft das anders… Venus’ Auftritt am Opernende zieht, mithilfe der elisabethanisch-heiligmäßigen Schlussmusik, die Venussphäre ganz ins Pilgerische hinüber: Mütterlich wacht sie über dem sterbenden Tannhäuser, Venus und Elisabeth zugleich, oder doch etwas mehr Venus, denn das Schreibheft mit den blutroten Innenseiten, was durch das ganze Stück wandert als dingliches Zeichen heterodoxer „Erkenntnis“, wird während der letzten Finaltakte von den „venerisch“ infiltrierten Pilgern im Triumph hochgehalten. Viel Beifall für eine exzellente Neuproduktion. Was würde ein derart interessanter, überragender „Tannhäuser‘ in Bayreuth erst für Furore machen!
Frankfurter Rundschau, 9.10.2012

Jubelndes Liebesglück und „der Gnade Heil“ werden auch in Karlsruhe dem Tabu-brecherischen Künstler Tannhäuser nicht zuteil: Er stirbt als Außenseiter. In seinen Händen hält er jedoch eines seiner Notizbücher: schwarz eingebunden, aber innen lauter sündig rote Seiten – Seiten, die schon zuvor den Weggefährten Wolfram beeindruckt haben. Dieses Buch nimmt eine Chordame, hält es begeistert hoch – alle anderen Pilger recken die Arme danach: eine mögliche Vereinigung von Spiritualität und Sinnlichkeit, ein später Triumph des Künstlers – wie so oft erst nach seinem Tod, während er zuvor als Sendbote des Künftigen verdammt wurde. Das ist die zentrale Aussage, mit der die Karlsruher Neuinszenierung endet. Hier wie den ganzen Abend über haben Regisseur Aron Stiehl und die für Raum, Lichtskulptur und Kostüme verantwortliche Künstlerin rosalie zusammengefunden. Keiner dominiert den anderen. Da Stiehl die Sinnenwelt des Venusbergs und die Scheinrationalität der Wartburgwelt als zwei Seiten einer Medaille, auch der menschlichen Natur sieht, hat rosalie einen Einheitsraum geschaffen. …Dazu lassen Regisseur Stiehl und rosalie die Wartburgwelt scharf kontrastieren: der Landgraf ist zum Öl-Baron mutiert, der Kunst sponsert – in einem Saal mit chromblitzenden Ölfässern, die halb zum Rundlehnsitz aufgeschnitten sind. Durch den gekonnt gegliederten Einzug der Fest-Society toben auch deren reichlich unerzogene Kinder samt Gouvernanten, ehe sich später eine Männerphalanx gegen den Revoluzzer Tannhäuser bildet: starke Chor-Wirkungen. Einhelliger Jubel.
Deutschlandradio, 8.10.12

Das Ganze funktioniert indes so trefflich, weil Regisseur Aron Stiehl sich nicht von der Bildmacht in die Defensive drängen lässt. Er inszeniert sowohl die große Linie wie auch das Detail. Einen solch originellen Sängerkrieg mit Kindern, einem vor sich hindösenden Landgrafen oder einem Rezensenten, der fleißig mitschreibt, hat man selten gesehen. Ein wesentliches Moment in Stiehls Interpretation ist das niedergeschriebene Wort. Das Papier mit Tannhäusers Versen ist für Elisabeth ein Fetisch; sie wird es vor ihrem Tod Wolfram übergeben, er zitiert daraus sein Lied an den Abendstern – eine originelle, kluge Sichtweise. Und „der Gnade Heil“ verheißt zu Wagners Schlußapotheose der Griff aller nach der Schrift, dem fixierten Gedanken. Dessen Freiheit die Wartburg‐Gesellschaft zuvor noch so in Frage gestellt hat. Schlüssig ist das, und es wird auch schlüssig umgesetzt.
Badische Zeitung, 10.10.2012

Sollte die beste der vielen Neuinszenierungen zum bevorstehenden Richard Wagner Jahr von einer Fach-Jury gekürt und mit einem Preis ausgezeichnet werden, hätte das Badische Staatstheater gute Chancen der Sieger zu sein. Denn eine Produktion, bei der sich Szene und musikalische Wiedergabe so glücklich vereinen wie hier ist in der heutigen Zeit, wo Regien oft rücksichtslos der Musik übergestülpt werden und egoistisch eigene Wege gehen, schon eine Seltenheit geworden. Vielleicht war es schlicht und einfach auch die daraus resultierende Dankbarkeit, aus der heraus das Publikum diese Premiere eine Viertelstunde lang euphorisch feierte. Bei den kraft ihrer allumfassenden Thematik und ihrer musikalischen Popularität erhöhten Angriffen ausgesetzten Werken Wagners wiegt solch eine einhellig positive Zustimmung umso höher. Und es gibt in der Tat auch nichts, was der Inszenierung von Aron Stiehl in Zusammenarbeit mit Rosalie als Raum- Kostüm- und Lichtskulpturgestalterin angekreidet werden könnte. Hier haben zwei Künstler ihres Fachs alles unternommen, um das Werk in seinem ideellen Zentrum und seiner reichhaltigen kompositorischen Substanz ohne Einschränkungen zur Geltung zu bringen. …Bei diesen Bühnenräumen könnte eine Einengung bzw. an den Rand Drängung der Personenregie nahe liegen. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Der neue Merker, 10.10.2012

Stiehl garantiert für die Spannung zwischen den Personen im Raum, erfindet viele Mikrohandlungen auch für den großen Chor und setzt immer wieder klar ausgearbeitete Akzente, die die Aufmerksamkeit auf Details lenken. So hat der Musterschüler Wolfram, der mit Tannhäuser befreundet ist, aber wie dieser des Landgrafen Nichte Elisabeth begehrt, auch seine dunklen Seiten, und die Charakterisierung des Titelhelden als egozentrischen Künstler mit allerlei unsympathischen Eigenheiten regt die Zuschauer zur eigenen Meinungsbildung an. Das Karlsruher Premierenpublikum geizte nicht mit Jubel für alle Beteiligten – tosende Bravo-Wellen überschütteten die meisten Sänger, den Dirigenten. Aber auch Aron Stiehl und Rosalie.
Stuttgarter Zeitung, 9.10.2012

Der Mund ist schon geöffnet, die Handflächen warten. Wenn nur endlich der Vorhang fiele! Man will sich doch die Gänsehaut vom Leib klatschen. Als sich dann der Vorhang vor den zarten Lichtzauber wirft, bricht langanhaltender Jubel los. Für alle. Mit einem „Tannhäuser“, der nachwirkt, hat das Badische Staatstheater die Musiktheater-Saison eröffnet. Wie zurückhaltend Aron Stiehl das Personal um rosalies enervierenden Farben und die elektrisierenden Klänge aus dem Orchestergraben führt, ist so selten wie erfreulich. Der Darsteller des Tannhäuser ist das Salz in der Suppe einer Inszenierung, die ein Rezept schreibt, wie man Wagner zu spüren bekommt.
BNN, 9.10.2012

Aron Stiehl zeigt am Staatstheater Karlsruhe mit Rosalie einen „Tannhäuser“, der Jubel auslöst. In Karlsruhe sieht die Schlusszene so aus: schön, fantastisch schön! Der Saal tobt! Was für ein Beifall!
Mannheimer Morgen, 9.10.2012

Mit Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ gelang dem Badischen Staatstheater Karlsruhe am Sonntag ein lange bejubelter Saisonstart.
…vor allem im zweiten Akt, den der Regisseur Aron Stiehl am überzeugendsten und bis in verspielte Details der individuell durchgestalteten Volksmasse hinein durchgestaltet hat. Wie Tannhäuser hier vergebens gegen die Prüderie und Bigotterie der Wartburg Gesellschaft ankämpft, wie er, ganz egozentrischer Künstler, von sich selbst doch nie absehen kann, wie alle Männer zwischendurch in jenen Textbüchern, die immer wieder in dieser Inszenierung auftauchen, gelesen, eingesehen und zerrissen werden, ihre Rollen und Einsätze suchen, ohne sie zu finden, und wie Tannhäuser schließlich aus der Rolle fällt: All dies sehen und fühlen wir.
Stuttgarter Nachrichten, 9.10.2012

Umjubelter Tannhäuser
Aron Stiehl, der seine Laufbahn als Regisseur mit Operetten an kleineren Theatern begann, ist mittlerweile auch in größeren Häusern als Inszenent schwererer Werke durchaus gefragt. Die gut durchdachte detailfreudige Regiearbeit hat viel Originelles zu bieten. Eine Biogas-Anlage ist hier nicht vonnöten gewesen. Aron Stiehl zeigt Tannhäuser als Egozentriker in einer romantischen Künstleroper, der zu seinen Lebzeiten als Sonderling überall aneckt, aber nach seinem Tode verklärt wird. Eine in sich geschlossene Inszenierung mit überzeugender Personenführung, wobei insbesondere die Chorszenen schön dramatisiert sind. Und auch das hat Stiehl von seinem Lehrer Götz Friedrich: es gibt selbst bei den gerade nicht aktiv beanspruchten Darstellern kein steifes Herumstehen. Das Premierenpublikum reagierte schon nach dem ersten Aufzug mit dem Jubel, der sich für diesen gelungenen Abend noch gewaltig steigerte.
Der Opernfreund, 10.10.2012

Der ‚Tannhäuser‘ darf als voller Erfolg verbucht werden – und das sowohl in szenischer wie auch in musikalischer Hinsicht.
…doch fügt sich in diesem ‚Tannhäuser‘ alles schlüssig ineinander – ein großes Kompliment für die Inszenierung eines Werks, an dem sich schon so mancher die Finger verbrannt hat. …später ist es dann Tannhäuser selbst, der im zweiten Aufzug, von der Festgesellschaft jubelnd hochgehoben, Autogramme schreiben darf, und ganz am Schluss ist es Tannhäusers sündige Geschichte – treffend dargestellt als pinkfarbene Seiten zwischen zwei schwarzen Buchdeckeln –, nach der sich die Hände verlangend strecken. Solche Querverbindungen, Korrespondenzen und rote Fäden gibt es einige in dieser von Aron Stiehl verantworteten ‚Tannhäuser‘-Inszenierung, die mit den Ausstattungen der Künstlerin rosalie – Raum, Lichtskulptur und Kostüme – eine reizvolle und überzeugende Verbindung eingeht. rosalie und Stiehl verdeutlichen die Polarisierungen, um die sich die Handlung dreht, mit denkbar einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln. Doch lässt die Stilisierung – rote Beleuchtung in der Venusberg-Szene, blaues Licht als Sinnbild für die ehrbare Liebe – trotz ihrer Eindeutigkeit Frei- und Assoziationsräume. Und gleichzeitig wird Platz geschaffen mit leicht ironischer Distanz à la Robert Wilson, wenn in der Jagdszene zu Tableaus mit trauter Einheit von Lämmlein und Wolf ein Hirsch hereingetragen wird. Es ist dies aber mehr als bloß ironische Distanz: Gezeigt wird eine Sängerschar, die eine Jagdszene nur noch spielt und sich von der verlogenen Einheitsgesellschaft, die sich in der Wartburg-Halle einfindet, nicht unterscheidet. Nur Tannhäuser, der ewig und rastlos Suchende, stürmt mit fliegendem blauen Mantel durch die Szenen. Er und Elisabeth sind beide auf je unterschiedliche Weise Außenseiter dieser Gesellschaft – dies die zweite und für diese Inszenierung fast noch stärker als die erste wirkende Polarisierung.
Klassik.com, 29.10.2012


Il Barbiere di Siviglia

Theater Münster

Bravos und Botox für Münsters „Barbier von Sevilla“
Normalerweise werden im „Barbier von Sevilla“ nur die Haare abgeschnitten. In Münster hingegen auch Arme, Beine und Nasen. Die Inszenierung der Oper von Gioacchino Rossini in einer Schönheitsklinik brachte einen Hauch von „Rocky Horror Show“ in das ehrwürdige Stück und unterhielt das Publikum prächtig – lange wurde im Großen Haus nicht mehr so gelacht. Ein Wunderwerk der Choreografie ist Figaros Auftrittsarie „Largo al factotum“ in einem schwulen Friseursalon mit rosa Klimbim, Ledersklaven, explodierender Trockenhaube und lebenden Hunden – dafür gibt es spontanen Jubel. Entzückend auch Bartolos großes Sprechzimmer mit italienischem Meerespanorama vor dem Fenster. Am Horizont sinkt die „Costa Concordia“ noch schneller als die Moral der Charaktere. So endete die erste Premiere in der Ära des neuen Intendanten Ulrich Peters mit großem Applaus.
Münstersche Zeitung, 9.9.2012

Auf dem Höhepunkt seiner Arie sollte die plappernde, musikalisch berauschende Selbstverliebtheit des Haar-„Künstlers“ Figaro eigentlich ein Ende finden. Denn seine Kunden sind zunehmend verärgert: Da wird plötzlich – sozusagen als besondere Persönlichkeit des öffentlichen Lebens – ein Hund hereingetragen, lässt sich widerstandslos das Fell „bearbeiten“ und in einen Kurzhaar-Vierbeiner verwandeln. Da muss eine Kundin anstelle ihrer eigentlichen Lockenpracht mit unspektakulär glattem, einfachen Stufenschnitt Vorlieb nehmen. Münsters Premierenpublikum lachte und tobte vor Begeisterung. Mit pädagogischem Geschick baut Stiehl seine kritische Gesellschaftssatire auf. Im Sprechzimmer des Dr. Bartolo hängen Nachbildungen des Lampenhimmels des münsterschen Theaters. Und vor Beginn des 1. und 2. Aktes gibt’s Publikumsbelustigung: Berta, die Haushälterin Bartolos, plaudert zum Pausenende aus dem „Nähkästchen“. Süßigkeiten werden zu Beginn der Oper in den Orchestergraben und ins Parkett geworfenen. Und Fiorillo, der Diener Almavivas, holt Orchestermusiker aus dem Graben, die sich beamtenmäßig umständlich und langsam an den in der ersten Reihe sitzenden Zuschauern vorbeidrängeln und wunderbar zur anschließenden, gräflichen Kavatine auf der Bühne aufspielen. Die folgende Szene nutzt Stiehl folgerichtig, um lärmende Lohnforderungen – nicht Dankbarkeit wie es der italienische Text vermuten lassen könnte – anzudeuten. Bühnen- und Kostümbildner Fritz Eggert setzt Drehbühne und Seitenprospekt ein, um den Zuschauer immer wieder mit nahtlos aneinandergereihten neuen Räumlichkeiten und Apparaturen des Schönheits- und Gruselkabinetts zu überraschen. Witzig, spritzig werden hier Fortschrittsgläubigkeit sowie vermeintlich technische Unfehlbarkeit aufs Korn genommen. Zugleich verwandelt Stiehl die Komik der Takt akzentuierten und automatisierten Rossini-Musik in mechanische Bewegungsmuster. Während zunächst, an den entsprechenden statischen Stellen der Musik, hier und da Einzelne beginnen, sich als selbstentfremdet und fremdbestimmt wahrzunehmen, ungewollte Hand- oder Kopfbewegungen ihres Körpers zu bemerken und auszuführen, entwickeln sich die ratternden Finali zu wunderbar grotesken, in Zeitlupe ausgeführten Maschinen-Choreographien. Langanhaltender Applaus und Bravi waren die Belohung für einen großartigen Opernabend.
Online Musik Magazin, 9.9.2012

Ein Frisörsalon wie ein Szenetreff: silbrig und pink, glitzernd und blinkend. Mittendrin Figaro. Ganz Starfriseur, besingt er sich selbst. Hinter ihm verschludert seine tuntige Crew die Frisuren der Kunden. Plötzlich eine Stichflamme: Der Haartrockner explodiert. Ist das der „zündenden Spielzeitaufakt“, als den Münsters neuer Intendant Ulrich Peters den „Barbier von Sevilla“ angekündigt hatte, bevor sich der Vorhang hob? Aron Stiehl inszeniert turbulent, mit viel Situationskomik und Parodie. Dass allerdings die Komödie nur eine Spielart des Tragischen ist, illustriert Stiehl im Finale des 1. Akts. Zu Rossinis auftürmenden Crescendi agieren seine Schauspieler wie an Fäden gezogene Marionetten: Nicht in ihren Händen, nur am Zufall liegt es, wie sich die Dinge wenden. Das oberflächliche Gefühlsleben von Rossinis Figuren überträgt Stiehl in die Scheinwelt der Schönheitsoperationen. Durch diese Welt schlängelt sich Figaro. Ein Brad-Pitt-Verschnitt mit blond gestriegeltem Haar und Dreitagebart. Bei seinem Gegenspieler Dr. Bartolo hat Silvio Berlusconi Pate gestanden, als Symbol der menschlichen Eitelkeit, sich mit Geld den perfekten Körper zu erschaffen. Bartolos Mündel Rosina arbeitet als Sprechstundenhilfe – ein kaugummikauendes Pin-Up-Girl in minikurzer Uniform. Während sie vom Liebsten schwärmt, malträtiert sie eine Patientin mit überdimensionalen Botox-Spritzen im Takt ihrer Koloraturen. Wenn Bartolo mit dem Hammer narkotisiert oder Figaro zur Fluchtszene eine zu kurz geratene Leiter nach der anderen anschleppt, parodiert der Slapstick sich selbst. Am Rande hat Stiehl liebevoll einige Details ausgearbeitet. Hinter Bartolos Fenstern lockt ein kitschiges italienisches Küstenpanorama inklusive Kreuzfahrtschiff. Dieses entpuppt sich als „Costa Concordia“, die in Endlosschleife wie ein buntes Schattenspiel übers Meer gleitet und sinkt.
Soester Anzeiger, 10.9.2012

Bartolo macht Bunga Bunga
Regisseur Aron Stiehl, der nächstes Jahr bei den Bayreuther Festspielen inszenieren wird, versteht sein Handwerk. Er aktualisiert die komödiantische Handlung: Doktor Bartolo, der gern sein reiches Mündel Rosina heiraten möchte, ist ein Wiedergänger Silvio Berlusconis.Außerdem ist dieser Bunga-Bunga-Bartolo Schönheitschirurg und damit ein Konkurrent des ebenfalls um die Äußerlichkeiten seiner Kunden bemühten Barbier Figaro. Da werden Damen die Brüste aufgebläht, in einer Fettwegmaschine störende Kilos entfernt. Sogar ein Zottelhund verwandelt sich in einen Kurzhaarwauwau. Echte Tiere auf der Bühne, Szenen mit großer Pointendichte, die effektvoll eingesetzte Drehbühne und ein frisch spielendes und temperamentvoll singendes Ensemble – der „Barbier“ in Münster hat ohne Zweifel großen Unterhaltungswert. Das Publikum jubelte lang und herzlich.
Deutschlandradio Kultur, 8.9.2012

Am Ende herrscht gute Laune in Münster Großem Haus, der neue Intendant Ulrich Peters kann seinen ersten Erfolg verbuchen. Weil Regisseur Aron Stiehl aus Rossinis komischer Oper „Der Barbier von Sevilla“ eine flotte Posse mit Musik gemacht hat. Besonders viel Spaß scheint der Regisseur mit den Herren von Chor und Extrachor gehabt zu haben. Das teilt sich schon mit, wenn Fiorillo sie während der Ouvertüre als scheinbare Instrumentalisten aus dem Graben auf die Bühne lockt, wo sie nicht nur schön singen, sondern auch eine hinreißende Pantomime bieten. Die Traumsequenz, die Regisseur Aron Stiehl zur Gewitterszene des zweiten Akts ersonnen hat, zeigt, dass er’s auch poetischer kann.
Münsterländische Volkszeitung, 8.9.2012

Ein Schönheitschirurg, der aussieht wie Silvio Berlusconi, ergo selbst sein bester Kunde ist und sich die Botox-Injektionen dutzendweise ins Gesicht sticht; dazu ein rosarot gekleideter Figaro und eine Rosina als Krankenschwester, farblich in feinstem Milka-Lila gehalten. Knallig und bunt ist er, der Rossini-Barbiere, den Aron Stiehl als erste Premiere der Intendanz von Ulrich Peters im Theater Münster präsentiert. Und knallig und bunt bleibt er bis zum Schluss. Stiehl zaubert einen Gag nach dem anderen auf die unaufhörlich sich bewegende Drehbühne.
Theater Pur, 9.9.2012

Regisseur Stiehl, der zum großen Wagner-Jubiläum 2013 für Leipzig und Bayreuth „Das Liebesverbot“ inszenieren wird, läßt die Menschen gelegentlich wie Marionetten auftreten und steigert Groteskes bis zum Schaurigen, wenn etwa Doktor Bartolo während seiner Arie mit Axt und Säge auf seine Patientin losgeht, ihr Beine und Arme abtrennt, um sie dann in verschönter Form wieder anzunähen.
Das Opernglas, 10 2012

…da reitet er mit Hilfe seines Regisseurs Aron Stiehl schon erste Attacken – auf die Lachmuskeln des Publikums. Rossinis „Barbier von Sevilla“ wird mit lockerer Hand so keck und frisch serviert, wie man dieses Opernjuwel nicht allemal erlebt.
Die Glocke, 17.9.2012


Maskerade

Theater Krefeld Mönchengladbach

List und Gute Laune
In Krefeld gewinnt der Regisseur Aron Stiehl der Handlung Situationskomik ab und turbulente Spielsituationen. Aus der Rokokozeit holt er das Stück in die Gegenwart. Am besten gelingt der 3. Akt des Festes, auf dem sich Carmen und Kleopatra, Miss Piggy und Pinochio, die Biene Maja und Queen Mum ihr Stelldichein geben. Ein pures theatralisches Vergnügen!
WDR, 21.5.2012

Singen in der Saune
Selten gespielte Oper löst im Krefelder Stadttheater Begeisterungsstürme aus
Die dänische Oper „Maskerade“ gerät auf der Krefelder Bühne zum Gesamtkunstwerk. Musik, Ausstattung und Ballett greifen ineinander und bescheren dem Publikum einen ungewöhnlich abwechslungsreichen Abend. Eines muss man dem Krefelder Musiktheater hoch anrechnen: es versteht immer wieder, durch originelle Inszenierungen die Opernliteratur einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Und auch diese Inszenierung, diesmal von Aron Stiehl, besticht durch üppige Ausstattung und Farbe bei stimmiger Gedankenführung. Das begeisterte Premierenpublikum dankte stürmisch mit Fußtrappel und rhythmischem Applaus.
Extra-Tipp Krefeld, 20.5.12

Temperamentvoller Mummenschanz
…Regisseur Aron Stiehl siedelt sie an im Kleinbürgermilieu, in einer Wohnung mit Ikea-Möbeln und etwas abgewrackten Typen. Das Ganze aber nicht Eins-zu-Eins wie eine Dokumentation aus dem wahren Leben, sondern als eine Art Unterhaltungsshow fürs Publikum. Mit einem Conférencier in rotgoldenem Glitterkleid, der sich eindeutig als Hummer mit scharfen Scheren zu erkennen gibt. Das ist der Kniff dieser Inszenierung: man bekommt drei Akte herrlichster Buffo-Oper – und den gesellschaftskritischen Stachel im saftigen Fleisch gleich mit dazu, aber auf sehr humorvolle Weise. Für die Maskerade gibt es ein Riesenbett, unter dessen Decke sich alles (Un-)Mögliche abspielt. Krefelds Premierenpublikum zeigte sich restlos begeistert. Gefeiert wurden Solisten, Orchester, Dirigent, Regieteam.
theaterpur.net, 15.5.2012

Applaus für selten gespielte Oper
Die komische Oper „Maskerade“ von Carl Nielsen kommt mit viel Witz und Schwung daher. Die Inszenierung von Aron Stiehl am Theater Krefeld sorgt bei der Premiere für langen Jubel und Bravorufe. Regisseur Aron Stiehl hat ungezählte zündende Ideen, das Bühnengeschehen kurzweilig zu gestalten, seine Personenführung ist immer überlegt. Der dritte Akt läßt sich an Buntheit und Spielfreude kaum überbieten…
Rheinische Post Krefeld, 14.5.2012

Erinnerung an die närrische Jahreszeit
Mit einem frechen Wisch hat Regisseur Aron Stiehl den Staub vergangener Jahrhunderte weggefegt und die zeitlosen Themen Alter gegen Jugend, Realität und Verkleidung ins Heute geholt.
Westdeutsche Zeitung Krefeld, 14.5.2012

Aron Stiehl fügt dem Maskerade-Stoff lebensspendende Vitamine zu, dass es nur so kracht.
Das Opernglas, 7/8 2012


Ritter Blaubart

Badisches Staatstheater Karlsruhe

Da spürt man umso mehr, dass Regisseur Aron Stiehl die Drastik und den Zynismus in seiner Karlsruher Inszenierung mit geradezu diabolischer Lust an der perfiden Konsequenz weiterdenkt. Denn die ehrwürdige Mutter ist keine Betschwester, sondern höchstens Vorbeterin, vulgo Souffleuse. So wie auch „Hochwürden“, der vor Beginn noch einer Aussegnungszeremonie auf offener Bühne beiwohnt, seinen Beistand alsbald der Badischen Staatskapelle schenkt: Markus Bieringer agiert im Graben als Noten-, nicht als Seelenklempner. An solchen Momenten spürt man die Drastik dieses Abends. Wie der Götz-Friedrich-Schüler den satirischen Spaß von 1866 zu einer Sache unserer Zeit macht, hat Chuzpe. Ein winziges Atomkraftwerk auf grüner Aue, das im Loriot’schen Sinne schließlich Puff macht, Anspielungen auf Bundes- und Landespolitik ebenso wie auf Berlusconistan sowie stete Interaktion mit dem Publikum, das schließlich dazu gezwungen wird, der frisch gebackenen Prinzessin stehend zu huldigen – sonst gibt’s keine Pause: Das ist Operette in absurd frecher Hochform.
Badische Zeitung, 21.12.2011

In Aron Stiehls bravouröser Inszenierung erfuhr der Klassiker eine ausgesprochen attraktive, vom Premierenpublikum mit Ovationen aufgenommene Aufführung. Um Einfälle war das Inszenierungsteam in keinem Augenblick verlegen; das Spiel entfaltete sich gelöst, beschwingt, temporeich, ohne jeglichen Leerlauf.
Rheinpfalz, 20.12.2011

Ritter Blaubart in Karlsruhe – übermütig inszeniert von Aron Stiehl
So richtig unecht, verkitscht und bonbonbunt ist die Welt, in der das Staatstheater den Blaubart auf Frauenjagd gehen läßt. Spritzig und witzig nimmt dieser Blaubart den ganz alltäglichen Unterhaltungswahnsinn auf die Schippe.
Badisches Tagblatt, 19.12.2011

Offenbach setzte auf drastische Kontraste, und zu diesem Rezept griff auch Aron Stiehl in seiner Inszenierung.
BNN, 19.12.2011

Also wird bei der Premiere am Samstag viel gelacht. Man amüsiert sich prächtig bei den gut geölten Szenewechseln des Regisseurs Aron Stiehl. Der mit seiner Inszenierung die Komödie und manchmal auch die Klamotte gekonnt und witzig bedient. Die Dialoge werden nie hölzern oder peinlich. „Operette!“, ruft zwischendurch immer wieder die Souffleuse, die hier eine Nonne ist (oder umgekehrt?), und mit ihr begeistert sich der ganze Saal über die gut gemachte Operettenunterhaltung.
Stuttgarter Nachrichten, 22.12.2011

Wer die Karlsruher Umsetzung in der Inszenierung von Aron Stiehl gesehen und gehört hat, fragt sich unwillkürlich, warum das tolle Ding nicht öfter auf der Bühne herumtobt. Denn am dortigen Staatstheater gelingt das Kunststück, satirischen Überschwang mit hoher Kunstfertigkeit zu verbinden und aus der Persiflage tiefere Bedeutung zu entwickeln. Die Aufführung erhält das Prädikat sehens- und hörenswert.
Opernnetz, 11.12.2011

Der operettenerfahrene Regisseur Aron Stiehl sorgt dafür, dass dieses Werk, das nun am Badischen Staatstheater Karlsruhe Premiere hatte, in jeder Minute zündet. Hier hat man akribisch nach jeder Pointe gesucht und diese dann auch gekonnt abgefeuert.
Pamina-Magazin, 19.12.2011


La Traviata

Landestheater Coburg

Mit einer spektakulären „La Traviata“ eröffnet das Landestheater den Opern-Reigen der Spielzeit. Die Geschichte einer zerstörten Liebe berührt und begeistert das Premierenpublikum. „4. Akt“ steht ganz oben auf dem letzten der Notizblätter, aus denen eine Premierenkritik entstehen soll. Die Schrift ist ein wenig tränenverwischt. Doch wer muss nicht wenigstens ein kleines Tränchen verdrücken, wenn „La Traviata“ im Moment ihres Todes plötzlich ganz allein als strahlende Lichtfigur auf der Bühne steht, weil sich alle von ihr abwenden, und erst der Tod ihr die Möglichkeit bietet, ihr Bühnengefängnis in Richtung einer von gleißendem Licht durchtränkten Öffnung zu verlassen? Emotionaler, als es dem Coburger Team am Samstag bei der ersten Opernpremiere der Spielzeit gelungen ist, hätte man Verdis Oper kaum inszenieren können. Regisseur Aron Stiehl verlegt die Geschichte der Kurtisane, die sich nach einem bürgerlichen Leben und wahrer Liebe sehnt, in einen zeitlosen Raum, der wie ein Gefängnis wirkt. Mit grauen, türlosen Mauern umgibt Bühnenbildner Jürgen Kirner die Bühne, auf der Violetta gleich zu Beginn vom Chor verspottet wird. Immer wieder verharrt die Party-Gesellschaft in beklemmenden Standbildern und demonstriert Violetta in grausamen Gesten die Ausweglosigkeit ihrer gesellschaftlichen Situation. Starke Bilder findet Regisseur Aron Stiehl, und er lässt mittels gekonnter Lichtregie die Ebenen von Traum und Realität verschwimmen. In dieser spektakulären, lange bejubelten Produktion mit Tränengarantie stimmt einfach alles.
Neue Presse, 17.10.2011

Es gibt Regisseure, für die sind Sänger oder Schauspieler im Grunde nur Figuren auf dem Schachbrett ihres hermetischen Inszenierungskonzeptes. Und es gibt natürlich Regisseure, die sich ganz bewusst einlassen auf gestalterische Ideen ihrer Darsteller. Aron Stiehl, der am Coburger Landestheater Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“ inszeniert hat, ist ein solcher Regisseur. Das bewies am Mittwoch die zweite Aufführung dieser Neuproduktion. Aron Stiehls Inszenierung besitzt ein unmissverständlich klares Konzept, das den Kontrast zwischen verlogener gesellschaftlicher Moral und der Sehnsucht nach dem kleinen privaten Glück in den Mittelpunkt stellt.
Coburger Tagblatt, 21.10.2011


Il Barbiere di Siviglia

Theater St. Gallen

Lila, Rosa, Gelb: Da muss man durch an diesem Abend im Theater St. Gallen. Auch pittoreskes Altstadtambiente sucht man vergeblich. Denn die späten sechziger, die frühen siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts mit ihrem zweifelhaften Geschmack sind optische Referenz für Aron Stiehls Neuinszenierung des «Barbiere di Siviglia». Situationskomik, Slapstick und surreale Elemente sind weitere Ingredienzien von Stiehls Regie, die Gioachino Rossinis Komödie mit Liebe zum Detail manch groteske Seite abgewinnt.Almavivas Nebenbuhler ist hier nicht ein trotteliger Kurpfuscher, sondern Betreiber einer florierenden Schönheitsklinik, in der auch sein Mündel, die platinblonde Rosina, arbeitet. Graf Almaviva ist dementsprechend ein Exponent einer Jeunesse dorée, der es weniger um tiefe Gefühle als um leichte Eroberungen geht und die mit Geld alles kaufen kann. Und Rosina wäre wohl ein von der Regenbogenpresse hochgejubeltes It-Girl, wenn sie nicht in der Klinik ihres Vormundes verkümmern müsste. Figaro, der Paradiesvogel und Strippenzieher, verliert nach seinem fulminanten Auftritt als Chef eines Coiffeursalons bald die Übersicht, und das Spiel nimmt zunehmend eine Eigendynamik an. So sind es Almaviva und Bartolo selbst, die in teilweise ergötzlichen Szenen listig um Rosina buhlen.
NZZ, 16.5.2011

Allzu viel über die spassigen Einfälle des Regisseurs und die spielfreudige Umsetzung durch das Ensemble sollte man nicht verraten – nur so viel: Die BesucherInnen können sich auf eine durch und durch intelligent-witzige, herrlich schräge Aufführung freuen, welche doch nie zum blossen Schenkel-klopfen-Klamauk ausartet. Die Inszenierung ist wirklich erfrischend komisch und mit subtilen Seitenhieben versehen! Rosina… wurde von Bartolo als Assistentin im Lolita-Look in seiner Schönheitsklinik gefangen gehalten und ging unbedarft und grobfahrlässig mit Botoxspritzen und Fettabsaugekammern den Kunden an die Physiognomie. Herrlich! Ihr Chef und Ziehvater wies eine geradezu unheimliche Ähnlichkeit mit einem unsäglichen italienischen Ministerpräsidenten auf: Ensemblemitglied David Maze gelang als Dr. Bartolo ein sowohl darstellerisch als auch gesanglich hochklassiges Kabinettsstück.
Oper-aktuell, 15.5.2011


Die Fledermaus

Theater Magdeburg

…ist dem Gefühl für die richtige Dosierung, für den Witz und das Tempo der Fledermaus zu verdanken, das Regisseur Aron Stiehl offensichtlich besitzt. Die Magdeburger Fledermaus ist ein szenischer Wurf, jenseits aller Stadttheaterbiederkeit. Mit Witz und Tempo wird sie ziemlich tollkühn in die Gegenwart verlegt und funktioniert auch da fabelhaft.
Kultiversum, 3.3.2011

In Magdeburg hat Aron Stiehl sich getraut, die Familie Eisenstein in ein Designer-Ambiente von heute einzuquartieren. Er lässt Alfred mit dem Fallschirm abspringen, macht den Ball zu einem schrägen Schwarz-Weiß-Event mit einem von Counter Denis Lakey hinreißend auf Karl Lagerfeld getrimmten Prinzen Orlofsky. Obwohl damit so gut wie alle Ingredienzen des Regie-Mutwillens für eine Bruchlandung beisammen sind, passiert genau das Gegenteil. Die Fledermaus flattert und kichert, das Tempo stimmt, die Landung im Operettenhimmel ist punktgenau.
Neues Deutschland, 6.4.2011

Die Aktualität der „Fledermaus“ ist frappierend! „Glücklich ist wer vergisst“, heißt doch nichts anderes als: Lasst uns heute im Rausch für den Moment alle Zwänge vergessen, bereits morgen haben wir andere Sorgen, und die sind mit einer gehörigen Portion Katerstimmung verbunden. Die Königin der Operette ist lebendig wie eh und je! Der Zuschauer im Saal erwartet Amüsement, Spielfreude, Melodienseligkeit und eventuell auch den einen oder anderen Kalauer. Regisseur Aron Stiehl bediente das Magdeburger Publikum damit reichlich und es hatte allen Grund, alle Beteiligten am Schluss begeistert zu feiern.
Der neue Merker, April.2011


Der Fliegende Holländer

Großes Festspielhaus, Landestheater Salzburg

Regisseur Aron Stiehl zeigt den „Fliegenden Holländer“ als Bildergeschichte. Die Hauptpersonen  tragen ihre Bild gewordenen Phantasien und Sehnsüchte buchstäblich vor sich her, nur scheinbar ungeschickte Kritzeleien von einem spießigen Eigenheim oder dem wilden Ozean. Der Fliegende Holländer steht in einem riesigen, schwarzen Wirbel aus Wasser, eine eindrucksvolle Idee von Bühnenbildner Jürgen Kirner.
Bayerischer Rundfunk, 15.10.2010

Mit Wagners „Fliegendem Holländer“ beendete das Salzburger Landestheater die umstrittene Spielpause im Großen Festspielhaus und beeindruckt mit einer nahezu festspielwürdigen Gesamtleistung. Bilder haben Faszination, der Betrachter kann sich hineinversenken, darin versinken, Welten entdecken, Lösungen finden. Bilder sind das Element, das Regisseur Aron Stiehl zum Leitmotiv der Wagnerschen Leitmotivoper gewählt hat, und er erzählt damit eine dichte, intensive und schlüssige Geschichte. Die Geschichte beginnt schon vor der Ouvertüre, sie beginnt in einer Galerie, an einer Bilderwand. Schwarz-weiße batikähnliche Zeichnungen thematisieren das Meer und seine Kraft. Ein einsamer Besucher, der Maler vielleicht, wandert unruhig, fast zwanghaft hin und her. Er trägt einen Bilderrahmen, schließlich hängt er ihn zu den anderen: eine schwarze Leinwand, noch ohne Imagination, in die er schließlich eintaucht, hinter der er die Zeichnungswelt entdeckt. Als Verfluchter auf der Suche nach Heil erlebt er die Geschichte hinter dem Bild. Wunderbare Bühnenbilder hat Jürgen Kirner dazu geschaffen, bei aller Einfachheit raffiniert und voller überraschender Effekte, Zeichnungen, die im sensibel eingesetzten Licht Dimensionen und Leben erlangen. Die Reduktion auf nur vier Farben – Schwarz, Weiß und mit Symbolgehalt Rot und Blau – intensivieren die Spannung auf der Bühne. Das ist Regietheater ohne Ablenkung und Schnickschnack, ganz wesentlich und stark. Präsent, präzis und beweglich wächst der Chor des Landestheaters über sich hinaus,  von der Regie spielerisch sehr differenziert geführt, tragen sowohl die Herren als auch die Damen zum musikalisch-theatralischem Bilderbogen wesentlich bei. Mit dem schlussendlichen Erlösungsmotiv befinden wir uns wieder am Anfang, in der Galerie, der einsame Wanderer, der vom Bann befreite Holländer hat die schwarze Leinwand gefüllt mit einem Motiv der Hoffnung.
DrehPunktKultur, 15.10.2010

Genauso wenig wie Regisseur Aron Stiehl wollte Bolton eine romantische Schauerballade vorführen, sondern straffe, offene Skizzen eines Liebestraums entwerfen. Nicht der satte, füllige Klang dominiert, sondern die strukturbetonte Linie. Transparenz der klar aufgefächerten Orchesterstimmen geht über wogende Wagner-Wohligkeit, nicht ein Gemälde wird aufgezogen, sondern eine Zeichnung angefertigt. Das gilt auch für die sehr zeichenhafte, karg abstrahierende Inszenierung, die auf alles Behagliche, aber auch auf die dem Werk doch einkomponierte Atmosphäre des Bedrohlichen, Dämonischen verzichtet. Das „Handelsschiff“ Dalands wie seine Wohnung wirken wie flächig in den Raum gesetzte, streng schwarz-weiße Bildentwürfe, das Geisterschiff muss man sich im Zuschauerraum vorstellen, den Auftrittsmonolog singt der Holländer wie im Auge eines aufgemalten Taifuns, der Zwischenvorhang ist eine schnell hingeworfene, angedeutete Welle. Atmosphäre versagen sich diese Räume, so wie auch die Sänger zu statuarischen Haltungen, allenfalls nur langsamen, fast schematischen Bewegungen ohne Empathie verpflichtet sind. Der Schlüssel des strengen Konzepts ist die schicksalhafte Begegnung des Holländers und Sentas: tastendes Befragen bis zur Liebeserkenntnis, aber in keiner Sekunde ein reales Gefühl von „echter“ Liebe. Senta träumt sich bloß ein Bild des Mannes, der Holländer erträumt sich müde die Erlösung durch ewige Treue: Im zeitlupenhaften Aufeinander-Zugehen wird abstrakt aneinander vorbei gefühlt und gespielt, erst ganz zum Schluss des Duetts berühren sich die Hände der beiden.
Salzburger Nachrichten, 15.10.2010

…das machte sich sogleich in der Inszenierung von Aron Stiehl bemerkbar, die sich von so manch angestaubter Produktion aus der Vergangenheit wohltuend abhebt. Stiehl versetzt die verhängnisvolle Romanze der Spinnerin Senta mit der titelgebenden Figur des Holländers in die Wirtschaftswunderzeit, Hochsteckfrisuren und Sekretärinnenlook inklusive. Die tückischen Dimensionen der Festspielbühne umschifft Stiehl raffiniert, indem er sich von Jürgen Kirner pointiert-holzschnittartige Schwarzweiß-Tableaus „zimmern“ läßt. Wird der Raum für die Stubenszene kammerspielartig verknappt, so öffnet Stiehl für das Finale die Bühne und kreiert ein düsteres Szenario, innerhalb dessen er die Dramatik mittels zwingender Personenführung bis zuletzt steigern kann. Die unverhohlene Zustimmung des Premierenpublikums war durchaus berechtigt.
SVZ, 16.10.2010


Madama Butterfly

Theater St. Gallen

Warten, hoffen, sterben: Aron Stiehl setzt Butterflys Schicksal bewegend in Szene
…Ein musikalisches Ereignis also, das durch die Inszenierung des in St. Gallen keineswegs unbekannten Regisseurs Aron Stiehl unterstrichen wird. Stiehl läßt das Bühnengeschehen ganz aus der Musik heraus sich ereignen. Behutsam und mit Respekt vor der Vorlage überträgt er «Madama Butterfly» in eine Bildersprache der Gegenwart. Nicht um 1900 lässt er das Stück spielen, sondern heute, und sein Nagasaki ist eine der typischen asiatischen Metropolen. Ohne das Stück brachial in eine andere Richtung umzubiegen und ohne aufdringliche Reize einzusetzen, macht er klar, dass im Milieu des Sextourismus von heute die asiatische und die amerikanische Kultur aufeinanderprallen. Gezeigt wird dies keineswegs eindimensional, Stiehl erzählt die Geschichte mit all ihrer Vielschichtigkeit… Auf dieser Bühne findet Aron Stiehl Bilder, die an heutige Kunst – nicht zuletzt aus Asien – denken lassen. Er lässt die Personen mit dem Realismus spielen, den Puccini braucht, arbeitet aber auch mit dezenten Strukturen, die dem Abend eine klare Regiehandschrift geben. Eindrücklich etwa, wie zu Beginn des zweiten Aktes Suzuki und Cio-Cio-San symmetrisch in zwei Räumen gleichzeitig agieren, ohne dass daraus ein Schematismus entstehen würde, denn gleichzeitig kommen die Personen je individuell zur Geltung. Ein starkes und bewegendes Geben und Nehmen zwischen Musik und Inszenierung findet also statt; bemerkenswert, wie der Auftritt des Summ-Chores und das Zwischenspiel zwischen den beiden Teilen des zweiten Aktes als Traumsequenz bebildert werden. Solche für ein intelligentes Regiekonzept notwendigen kleinen Abweichungen von den Anweisungen des Librettos haben zu vereinzelten Premieren-Buhs geführt – welche prompt mit verdienten Standing Ovations gekontert wurden.
NZZ, 15.5.2010

Dem Theater St. Gallen gelingt eine Inszenierung von Puccinis Madama Butterfly, die ohne Anbiederung modern wirkt. Aron Stiehls und Jürgen Kirners Inszenierung und Bühnenbild zeigen eine Farbensymbolik, in der die Komplementärfarben Blau/Gelb, Rot/Türkis auf die Ambivalenz der Gefühle weisen. Wie das Kartenhaus Pinkertons bei der Hochzeit gleich in sich zusammenfällt, so zerrissen sind die Gefühle. Die Dramatik dieser Szene ist bestechend. Licht (Guido Petzold) und Kostüme (Dietlind Konold) spiegeln Tradition und Gegenwart der japanischen Kultur, aber auch den Gegensatz zur amerikanischen. Cio-Cio-San, gefangen in einer rigiden japanischen Kultur der Ehre und ausgeliefert der Skrupellosigkeit des fremden Amerikaners, macht die Story modern. So gelingt der Regie ohne Anbiederung an eine Modernisierung ein packendes Sittengemälde. Die Wirklichkeit ist auf Symbole reduziert: Fächer, Amerika-Fahne, Matrosenmütze, Buddhafigürchen. Cio-Cio-San packt ihre Sachen, akzeptiert ihr Schicksal, gross wie eine Antigone. Die Homogenität dieser Inszenierung ist bemerkenswert.
St. Galler Tagblatt, 15.5.2010

Eine standing ovation des zu Recht begeisterten Publikums beschloss diese Premiere von Puccinis MADAMA BUTTERFLY. Aron Stiehl verzichtete nicht auf die dem Werk immanenten gesellschaftskritischen Elemente. Pinkerton war der Kaugummi kauende, smarte All American Boy und seine spätere Gemahlin Kate war die eiskalte, besitzergreifende, unbeholfene und mit der Situation völlig überforderte Blondine. Besonders augenfällig wurde die aussergewöhnlich prägnante Charakterisierungskunst des Regisseurs in der Figur der Suzuki: Zu Beginn war sie die westlich gekleidete Göre (mit Minirock und Leggins), der auch Pinkerton hinterherhechelte, legte dann jedoch auf Geheiss Goros die traditionelle japanische Kleidung an und wurde im zweiten und dritten Akt zur mitfühlenden Leidensgenossin Cio-Cio-Sans… Butterfly vollzieht den Selbstmord, nachdem sie sich das Kruzifix vom Hals gerissen und sich wieder dem Shintoismus zugewendet hat, vor den Augen des eintretenden Pinkerton – eine starke Frau bis zum Schluss, erschütternd dagegen die männliche (Pinkertons) Hilflosigkeit; auch dies jedoch sind Zeugnisse der intensiven Personenführung des Regisseurs. Überzeugend die Idee des Regisseurs, dass die „falsche“ Hochzeitsgesellschaft nach diesem Auftritt die traditionellen Kostüme sofort ablegt und sich feige in ihren Alltagskostümen von dannen macht. So gelang es vortrefflich, das Aufeinanderprallen der Kulturen sichtbar zu machen. Bereits auf dem Zwischenvorhang sind die Lichter der modernen Grossstadt zu sehen, japanische und westliche Lichtreklamen prägen das Strassenbild, die eigene Identität ist verloren gegangen. Nach der Abreise Pinkertons ist der schmucke japanische Garten, welchen sich Pinkerton aus dem Katalog gekauft hat, verschwunden. Cio-Cio-San lebt in einem zugigen Verschlag, die dünnen Wände zieren Lady Liberty Plakate (Symbol für Freedom and Hope), ein abgewetztes Sofa mit schmuddeliger Stars-and-Stripes Flagge bildet die Inneneinrichtung, die Armut ist offensichtlich. (Welch ein Gegensatz zur lackierten Zürcher Design-Inneneinrichtung…). Immer wieder jedoch wird der Himmel in unterschiedlichen, visionären Farben sichtbar, keimt Hoffnung auf. Doch schon bald wieder wird er von der tristen Grosstadtkulisse verdrängt. So auch während des wunderbar intonierten Summchors: Cio-Cio-San wähnt sich nochmals in den Armen Pinkertons, die kostümierte Hochzeitsgesellschaft umgibt das Paar. Doch zum Einsetzen des vortrefflich gespielten Intermezzos verschwindet der Traum, Cio-Cio-San wird konfrontiert mit der brutalen Erkenntnis, dass Pinkerton nicht zurückkehren wird. Einer der vielen Momente dieser Produktion, welcher Gänsehaut, Erschauern und echte Rührung hervorzurufen vermag. Fazit: Stimmig, intelligent und ergreifend. Eine szenisch und musikalisch wunderbare Produktion!
oper aktuell, 15.5.2010

Regisseur Aron Stiehl macht den Zusammenprall zweier Welten nicht nur optisch deutlich, sondern auch in der Führung der Personen, in kleinen Details wie etwa dem Ausziehen der Schuhe vor dem Betreten des Hauses. Oder auch in der Behutsamkeit, mit der die zum Christentum übergetretene Cio-Cio-San all die kleinen verehrenswürdigen Gegenstände ihrer bisherigen Religion in eine Schachtel legt und diese wohl verschlossen einer kleinen Götterstatue anvertraut. Im Zentrum der Inszenierung stehen die Menschen, vor allem Cio-Cio-San oder eben Madama Butterfly, die zwischen ihrer eigenen Kultur und der neuen hin- und hergerissen ist. Präzise gezeichnet sind schließlich auch die Nebenfiguren, besonders der kleine Sohn von Madama Butterfly und die spärlichen, doch gesanglich und in ihrer szenischen Präsenz genau gestalteten Chorpartien.
Südkurier, 15.5.2010


La notte di un nevrastenico / Gianni Schicchi

Theater Magdeburg

Schon in der „Nacht der Ängste“ hat das Publikum viel gelacht, aber Aron Stiehl dreht die Schraube in „Gianni Schicchi“ noch deutlich weiter ins Sarkastische. Aber es handelt sich glücklicherweise nicht um eine jener platten Aktualisierungen, die sich in Second-Hand-Klamotten und schäbigem Dekor erschöpft. Vielmehr zeichnet er das genaue Bild einer verkommenen Sippschaft, die für das riesige Erbe skrupellos auch über weitere Leichen geht. Die türkische Putzfrau und Zeugin der kriminellen Machenschaften wird kurzerhand erschossen, hinter dem Sofa mit der Axt in handliche Teile zerlegt und im Eisschrank zwischengelagert. Der im Libretto als Ausländer beschriebene Gianni Schicchi ist Türke, seine Tochter ein „Kopftuchmädchen“, das als Schwiegertochter für den Neffen Rinuccio vollkommen indiskutabel scheint. Aus dieser Konstellation schlägt Aron Stiehl nun kräftig Funken und lässt den schaurigen Hintergrund der wirkungsvollen Komödie immer wieder durchscheinen. An den großen Überwältigungsmomenten von Puccinis Partitur nimmt er sehr geschickt das Tempo aus der turbulenten Handlung, lässt der Rührung des Publikums angemessenen Raum. Am Magdeburger Theater darf das Publikum genau an den richtigen Stellen nach Belieben lachen oder weinen, mehr kann man von einem Komödien-Doppelabend nicht erwarten.
Deutschland Radio, 1.3.2010

Was Regisseur Aron Stiehl im grandiosen Setzkasten-Arrangement von Simon Lima Holdsworth geschehen lässt, ist gleichwohl zum Brüllen komisch und stimmig bis ins Detail: von der „Dallas“-Titelmelodie bis hin zu den ultrascharfen Fatsuits, in denen ein brünstiges Sadomaso-Pärchen seine Obsessionen auslebt. Pornografisch, zynisch, brutal, ja mörderisch geht es zu in „Nacht der Ängste“. Das Stück ist an Drastik nicht zu toppen und verletzt doch nicht die Grenzen guten Geschmacks. Ein Kunststück, fürwahr. In Giacomo Puccinis Erbschleicherkomödie „Gianni Schicchi“ findet sich die außerordentliche Eintracht zwischen Regie und Ausstattung wieder. Rabenschwarzer Humor auch hier: Um ans Bare zu kommen, bricht die fußballfanatische Sippschaft alle Tabus – nicht im alten Florenz, sondern im modernen Magdeburg, wovon das Domfoto in der Stube, das FC-Magdeburg-Poster auf dem Klo und in den Küchenschränken die Sektflaschen eines mitteldeutschen Erzeugers künden. Echte Juwelen in dieser bissigen Satire, in deren Verlauf einem das Lachen schon mal im Halse steckenbleiben kann. Wieviel Spaß die Opernbühne zulässt, erforscht dieser Abend auf so tolldreiste Weise, dass er wie ein Befreiungsschlag des Musiktheaters von seinem Image als gediegener Zeitvertreib für die Oberschicht daherkommt. Selten so gut amüsiert.
Mitteldeutsche Zeitung, 13.3.2010

Aron Stiehl hat die unruhige Nacht in einer Mischung aus der provokanten Ästhetik der Entstehungszeit (wie bei Dario Fo etwa) und zeitgenössischer Trashkultur inszeniert, unterstützt durch die ziemlich drastischen Kostüme von Simon Lima Holdsworth. Beide Einakter bewiesen, wie vergnüglich Oper sein kann.
Volksstimme Magdeburg, 1.3.2010


La Bohème

Opernhaus Halle

In einer bezwingenden Regie von Aron Stiehl wirkte das viel gespielte Werk erstaunlich neu. Vielleicht gerade deshalb, weil Stiehl sich eng an das Libretto hält. Das mag paradox klingen, doch es gelingt ihm, die Liebesgeschichte zwischen Mimi und Rodolfo mit einer bezwingenden Aktualität zu versehen. Die Pariser Bohème im elenden Dachgeschoss, mit Heizstrahler und kahlen Wänden, einem Matratzenlager und einer vergammelten Badewanne ist sicherlich momentan auch wieder aktuell. Doch Jürgen Kirners Bühnenbild gibt hinter den tristen vier Wänden einen Blick auf den Sternenhimmel frei. Als die einengenden Zimmerwände ins Bühnendunkel entschweben, wird das Träumerische zum tragenden Element in der Begegnung Mimis mit Rodolfo. Gestorben wird auch auf einem offenen Bühnenrund; im Hintergrund tanzen dabei selbstvergessen die ewigen Partygestalten. 
Zwischen diesen beiden Ereignissen zeigt sich das Quartier Latin im rauschhaften Weihnachtstrubel, der Spielzeugverkäufer Parpignol erscheint als Weihnachtsbaum, begleitet von einem Feuerspucker. Der leuchtende Eiffelturm auf der Drehbühne versprüht ebenfalls ein Feuerwerk. Im Café Momus feiert man so richtig à la Paris und Musette darf auf einem glitzernden Halbmond gen Himmel schaukeln. Trotz all dieser Amüsements wird die Inszenierung durchweg von einer besonderen Art der Magie getragen. Aron Stiehl ist es gelungen, mit leichter Hand seinen hervorragenden Sängerschauspielern eine bestimmende Natürlichkeit zu verleihen.
Klassik.com, 28.11.2009

Aron Stiehl, der an der Oper Halle bislang für die Operetten „Frau Luna“ und „Madame Pompadour“ verantwortlich zeichnete, nimmt auch diesmal die Heiterkeit sehr ernst… Jürgen Kirners Bühne hilft dabei, weil sie sich wie ein Tagebuch allmählich mit Motiven auflädt und im Finale Versatzstücke aus allen Bildern präsentiert. Da ist noch einmal die Badewanne aus der Bohème-WG, der Eiffelturm als leuchtender Dreh- und Angelpunkt der Christfest-Party und die Straßenlaterne als einziger Anhaltspunkt im Schneegestöber. Dass Dietlind Konolds Kostüme ähnlich leitmotivisch funktionieren, erhöht die Stringenz des Abends zusätzlich – und eröffnet Stiehl eine Fülle von Spiel-Ansätzen, die er dankbar aufnimmt. So weht selbst durch das Totenhaus eine letzte Erinnerung an die Party bei Momus, wo der Bordstein direkt in die Bar überging und Musetta als Königin der Nacht auf einer Mondsichel vor dem Schinkelschen Sternendom schwebte… Am Ende aber sind es die großen Einzelnen, die das ärmliche Lager von Mimì umstehen – und die doch nicht merken können oder wollen, wie der letzte Rest von Leben aus ihr entweicht. Da ist dann Schluss mit lustig, auch wenn im Hintergrund weiter getrunken und getanzt wird. Rodolfo ruft nach seiner verlorenen Liebe – und wo einst blaue Schatten waren, senkt sich schwarze Nacht.
Mitteldeutsche Zeitung, 29.11.2009

Umjubelte La Boheme-Premiere: Das große Lied von Liebe und Tod 
La Bohème an der Oper Halle: ein wunderbarer Abend, an dem schier alles stimmt… das wird von Regisseur Aron Stiehl perfekt inszeniert. Während im Vordergrund die Tragik waltet, geht anderswo die Party weiter. Und eine fette Kokotte zieht sich die Lippen nach.
Bild, 30.11.2009


Fidelio

Theater Klagenfurt

Was wurde nicht schon alles geschrieben, inszeniert, diskutiert – Fidelio, Beethovens einzige Oper, verführte immer wieder zu Gegensätzen und Widersprüchen und damit auch zu gnadenlos ausgepressten, sich unzähliger Klischees bedienenden Interpretationen. Regisseur Aron Stiehl fängt den Ball der Zeitlosigkeit zwar mühelos auf, drückt das Geschehen aber nicht in eine einseitig zuzuordnende Ecke, sondern lässt genügend Auffassungsspielraum: Glaubt man sich einmal in ein Stasi-Archiv mitsamt Spitzeln und Mitläufern versetzt, so lässt eine andere Szene Affinitäten zu Guantánamo oder Ex-Jugoslawien aufkommen. Die Verlogenheit aktuellen politischen Geschehens manifestiert sich in der Biegsamkeit der Mächtigen (Fernando, Pizarro). Genussvoll zelebrierte Anklänge an jüngere lokalpolitische Lächerlichkeiten (gönnerhafte, persönliche Geldübergaben, Posieren mit herzigen Kleinkindern) verwebt Stiehl reibungslos ins dramatische Geschehen. Das Bühnenbild Jürgen Kirners übernimmt und verstärkt die Intentionen der Inszenierung mit plakativer Überzeichnung (grelles Weiß als Zeichen der Unverbindlichkeit, drohende Omnipräsenz der Überwachungskamera, ein überdimensionaler Strichcode als Symbol für Entmenschlichung und Beliebigkeit). Aus dem Solistenensemble ragt Wieland Sattler (Pizarro) heraus, stimmgewaltig und schauspielerisch überzeugend, den Typus des rachsüchtigen Karrieristen ideal verkörpernd! Chor und Statisten runden eine bemerkenswerte Aufführung ab, die wohl als (vorläufiger) Opernhöhepunkt der Intendanz Josef E. Köpplingers gelten darf!
Der Standard, 25.10.2009

Aron Stiehl zeigt in seiner im Heute angesiedelten Inszenierung auch die Skrupellosigkeit so mancher Politiker.
Don Pizarro erschießt zuerst Leonore und dann Florestan – Black-out, der Vorhang fällt: Nicht nur mit diesem unerwarteten, völlig anderen Ausgang von Ludwig van Beethovens einziger Oper „Fidelio“ mitten im zweiten Akt verblüfft Aron Stiehl am Stadttheater Klagenfurt das Publikum. Nach der vorgezogenen Leonoren Ouvertüre Nr. 3 zeigt er diese Szene nochmals, diesmal wie vorgesehen. Aber nachdem Pizarro im Finale scheinbar verhaftet wurde, sieht man diesen mit Trachtenanzug in der gläsernen Überwachungskanzel des nunmehr zu einem Museum umgewandelten Staatsgefängnisses mit dem Minister beim Händeschütteln, gemeinsamen Zuprosten und ungesehenen Beobachten des Volkes. Der deutsche Regisseur zeigt in seiner im Heute angesiedelten Inszenierung nicht nur die Zeitlosigkeit der großen Revolutions- und Freiheitsoper, sondern auch die Anpassungsfähigkeit und Skrupellosigkeit so mancher Politiker. Und lässt so die Botschaften des Werkes, die Befreiung von Unterdrückung und den Triumph der Menschlichkeit stark relativiert ausklingen. Ein Strichcode, der nicht nur von Sträflingen auf Kleidung und Unterarm getragen, sondern am Vorhang oder im Hintergrund ständig erkennbar ist, symbolisiert zudem den gläsernen Menschen im totalen Überwachungsstaat. Weiß und kalt ist das moderne Interieur des Gefängnisbüros mit PC, Telefon und Wänden voller Akten, der Waschküche, über deren Wäscherutsche immer wieder Schuhe herunterfallen sowie der Zelle. Kalt wirken auch die Emotionen, die kaum seelische Beziehungen oder gar Leidenschaften bei den Protagonisten aufkommen lassen.
Kleine Zeitung, 10.10.2009

Spiegelbild der unfreien Gesellschaft
 ‚Fidelio‘ in Militärgrün und unter der Überwachungskamera: Beethovens Musik und der Blick darauf, was Unfreiheit aus Menschen macht.
Aufstehen, Decke zusammenlegen, sich entlang der Tischkante Schritt für Schritt kantig vorbewegen, einmal Telefonhörer abheben, kantig um die Ecke, noch um eine. Einmal sich hospitalismushaft, hilflos, links und rechts wiegen und dann dort ankommen, von wo man weggegangen ist: Der Gefangengehaltene spult diesen Ablauf immer wieder „herunter“, gehalten vom Ritual, doppelt gefangen im Zwänglertum, in der Neurose. Dreifach gefangen hinter einem Strichcode-Gitter, einer Nummer, einer Videoüberwachungskamera. Er bäumt sich nur auf, wenn er die Kraft hat, Gott anzurufen – und vom Engel Leonore zu träumen, der ihm die Freiheit bringt. Regisseur Aron Stiehl führt bei der Inszenierung von „Fidelio“ am Stadttheater Klagenfurt die Unfreiheit in unserer Gesellschaft – nein, jeder Gesellschaft, als Marter im Alltag vor: ob in der Arbeitswelt der „Waschküche“ des Staatsgefängnisses, im Gefängnis selbst oder in der Einzelhaft des aus politischen Gründen „verschwundenen“ Florestan. Rituale die uns Menschen strukturelle Hilfe sein könnten, pervertieren zu zwanghaften Handlungen. Unfreiheit im Geiste „übersetzt“ sich in Bewegungen, Haltungen, bis zum Händewaschen – zwischen Zwangsneurose und biblischem Zitat. Nummer, Überwachung, Kamera, Strichcode, Kontrolle – und ewig drückt die Macht… Die Bilder könnten aus jeder Militärdiktatur stammen – und die Begnadigungsszene mit dem Justizminister aus jedem Wahlkampf, vom Verhalten her. Und auch von dem der dabei anwesenden Gesellschaft. Bei Pizarro, dem Gouverneur des Staatsgefängnisses, blitz eine abgewandelte Pleamle-Weste unterm Anzug. Er hält medienwirksam lächelnd, ein Kind in die Höhe. Vorher hat er noch im Kerker die sich ihm entgegenstellende Leonore kurz mal erschossen. In die Verwirrung hinein tönt die große Leonore-Ouvertüre. Dann Rücklauf im Film. Und die Handlung geht wie gewohnt weiter. Aber durchaus wirksam, der bewusste Bruch gelingt.
KTZ, 10.10.2009


Götterdämmerung

Maggio Musicale Fiorentino und Valencia

…Siegfrieds Rheinfahrt, die den Rasta-Mann an die Ufer des Wormser Hofes spült, geht im Blechboot über eine Gischt aus Pfandflaschen. Ein klappernd urzeitlicher Special Effect, der die Augsburger Puppenkiste vor Neid erblassen lassen würde. So ist diese überwältigend fesselnde, visionär aufregende „Götterdämmerung“ ein Beweis für die Überlegenheit, die von künstlerischen Kollektiven ausgehen kann. So unbekümmert forsch, aufwendig und ideenüberladen ist schon lange kein Quereinsteiger mehr auf eine Oper zumarschiert. Sechs fahrbare Projektionswände, unzählige Personenkräne und Helfersheere bevölkern eine Wagner-Welt, so technoid, futuristisch und comicstriphaft wie kaum je. Dass dieser „Ring“ in Spanien ein bayreuthähnliches Gesellschaftsereignis ist, zeigte sich im „Götterdämmerungs“-Besuch der spanischen Königin Sofia im nach ihr benannten Opernhaus. Kein Zweifel, dass Valencia mit diesem im Herbst auf DVD erscheinenden Opern-Event über die wohl spektakulärste „Ring“-Inszenierung seit Chéreau und dem Stuttgarter „Ring der vier Regisseure“ verfügt. Sie reklamiert Wagner für optische Opulenz. Und das ohne Abstriche in der gedanklich radikalen Durchdringung.
Die Welt, 23.7.2009

The Florence- Valencia Götterdämmerung and the other parts of the Cycle have been greeted by the Italian press as “the very best Ring” of the first part of the XXI century. No doubt, the Florence-Valencia Ring is a landmark not only for the interpretation of Wagner masterpiece but for the musical theatre as a whole. This approach is in full bloom in Götterdämmerung. There are not any socio-political undertones, but a delicate balance between science fiction and poetry. Science fiction is modern XXI century way to represent the myth: all possible special effects are employed. If the set and direction are the end of bewilderment, the reviewer is bewildered by the harmony between the stage, the pit and the voices. La Fura has been an earnest and successful effort to follow each and every note of the score. As the triumph of love is the main theme of this Götterdämmerung, love itself is being rhapsodized in all possible combinations: conjugal love in the “day break”, wild sex (nearly a rape with coitus interruptus) in Siegfried’s approach to a sensual, and sex starving Gutrune, a full orgy in Brünnhilde’s rock, teasing petting in the scene of Siegfried with the Rhinemaden, lust for unsatisfied love by Günther, Hagen and Alberich.
Opera Today, 3.5.2009


Pagliacci / Goyescas

Theater Heidelberg

Die Regie von Aron Stiehl spielt dabei geschickt mit dem Gegensatz von Abbild und Wirklichkeit, indem sie den unglücklich in die feurige Rosario verliebten Fernando statt des ungetreuen “Originals“ lieber deren gemaltes Vorbild, Goyas berühmte “Maja vestida“ anschmachten lässt. …Aron Stiehl gelingt eine überaus packende Umsetzung dieses finalen Theater-Showdowns, indem er die bekannte Commedia-dell´Arte-Handlung als Schmierenkomödie in den rechten Teil der Bühne verbannt. Im linken sitzt hingegen der Chor der Zuschauer, Aug´ in Auge mit den realen Betrachtern, und spiegelt in fein beobachteten Szenen die Reaktionen des Publikums wider. Auf diese Weise durchbricht die Regie die trennende vierte Wand zum Zuschauerraum, macht uns, die Schauenden, selbst zu Beteiligten… Die Heidelberger Produktion hat ihre stärksten Seiten in der geschickten Beschränkung aufs veristische Kammerspiel.
FAZ, 24.2.2009

Der Regisseur Aron Stiehl, der in Heidelberg schon mit Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ für Furore sorgte, inszenierte beide Abende mit überzeugender Stilsicherheit und einer feinsinnigen Personenregie. Stürmischer Applaus, Bravo-Rufe und die tiefe Berührung des Publikums im ausverkauften Haus machten das spanische Opernwunder perfekt.
ZDF-Theaterkanal, 23.2.2009

Aron Stiehl setzt für Granados Werk eine stilisierte, formale sowie abstrakte Arbeitsweise ein, für den ‚Bajazzo’ hingegen eine sehr realistische.
 Der Chor hat in beiden Kompositionen eine wichtige Funktion. Granados setzt ihn als Kommentator ein, was die Protagonisten nicht aussprechen, verkündet der Chor. Aron Stiehl hat diesen Effekt noch intensiviert, indem er verschiedene Ebenen schafft, mittels durchsichtiger Verhänge und subtiler Lichteffekte.
Setzt der Regisseur auf eine stark romantische Stilisierung in ‚Goyescas’, so zeigt er mit ‚Der Bajazzo’ einen lebendigen Realismus. Aber auch hier spielt für ihn der Chor eine immanent wichtige Rolle als Betrachter der Ereignisse. Hervorragend, wie hier jede Geste und Bewegung passend genau einstudiert wurde.
 Viel Applaus und Bravo-Rufe belohnten das Team für eine engagierte und und spannende Aufführung.
Klassik.com, 23.2.2009

Regisseur Aron Stiehl vermeidet bei Goyescas im abstrakten Bühnenbild all das, was die Musik entzaubert. Er projiziert es in die Figuren selbst und verzichtet auf weitgehend äußerliche Folklore. 
Die Inszenierung des “Bajazzo“ ist detailreich, fantasievoll. Sehr komisch und mit reichlich 70er Jahre “Klimbim“ beginnt der Schlußteil und kippt dann umso effektvoller von der Komödie in die Tragödie. Die Bühne ist hier ein zweigeteiltes Theater auf dem Theater. Ein genialer Wurf…
RNZ, 23.2.2009

(Goyescas)…ihm gelangen suggestive Bilder. So in der Schluss-Szene nach dem Duell mit der unheimlich wirkenden Gestalt des oben auf dem Podest wie ein Gespenst sitzenden Paquiro.
 Bei Leoncavallos Oper zog dann Stiehl alle inszenatotischen Register. Er arrangierte eine aufgekratzte Schau mit einer Vielzahl ironischer Gags. Die Brutalität der Handlung wurde schonungslos gezeigt – und die Vorstellung des Wandertheaters im zweiten Akt als Posse serviert.
Die Rheinpfalz, 24.2.2009

Aron Stiehl fällt zum “Bajazzo“ eine intelligente und quirlige Inszenierung ein.
Die Welt, 24.2.2009

Handwerklich professionell entfaltet Aron Stiehl die komplexe Doppelbödigkeit von Leoncavallos “Bajazzo“ als ebenso witziges wie hintersinniges Theater auf dem Theater, wobei sein Bühnenpublikum in raffinierter Brechung nicht auf das Geschehen, sondern ins reale Publikum schaut.
Stuttgarter Zeitung, 24.2.2009

“Der Bajazzo“ wurde von Aron Stiehl packend und voller Leidenschaft inszeniert. Die Personenführung ließ nichts zu wünschen übrig. Es gelang ihm, eine dichte Atmosphäre zu schaffen, in der das Drama um den gehörnten Bajazzo einen stringenten Verlauf bis zum tödlichen Ende nimmt. Dazu kam, dass das gesamte Ensemble mit einer Spielfreude agierte, die aufs Publikum übersprang und alle in Atem zu halten schien.
 Lang anhaltender Applaus des begeisternden Publikums.
Der neue Merker, 23.2.2009

Regisseur Stiehl inszenierte Goyescas in einer Mixtur aus stilvoll und ästhetisch, konzentrierte sich ganz auf die Psychologien der Protagonisten, die in hermetischen Räumen sitzen und nur zum Handeln aus ihnen heraustreten.
Mannheimer Morgen, 23.2.2009


L’elisir d’amore

Theater Bern

Groteske mit Höhenflügen
Eine bunt-kräftige Neuinszenierung von Donizettis “L´elisir d´amore“ am Berner Stadttheater:
Regisseur Aron Stiehl setzt auf Bewegung und schräge Zeichnung.
Stiehl hat in Werken von Mozart bis Johann Strauss für die Komödie ein brillantes Handwerk entwickelt. Das Groteske und Überzeichnete lebt er nun auch in Donizettis “Melodramma giocoso“ aus. Bei Stiehls Spiel gibt es kein Rampensingen, sind in der Personenregie Bewegung und wechselnde Konstellationen angesagt.
Der Bund, 8.12.2008

Die überaus geglückte wie witzige Liebestrank-Inszenierung von Aron Stiehl hatte jedenfalls keine Nebenwirkungen und war ein absoluter Grosserfolg. Der Flüsterer zieht den Hut vor so einer starken Leistung und sagt: Chapeau!
Berner Bär, 9.12.2008

Voller Wehmut und Überzeichnung
Die Idylle verkehrt Stiehl in einen eher verschrobenen Badeort, dessen zwielichtiger Charme für ramboähnliche Gestalten wie den Sergeanten Belcore oder wunderheilende Scharlatane wie den Doktor Dulcamara gerade die rechte Spielwiese bildet. Für Dulcamara mischt die Regie ein Getränk aus Exotik und selbstironischer Esoterik.
…für die Qualität dieser Inszenierung steht indes die Art, wie die Figuren auch in der Groteske liebenswürdig erscheinen.
Mittelland Zeitung, 8.12.2008

Bühne und Kostüme versprühen eine mit Sehnsüchten aufgeladene Italianitá, wie sie wohl nur Nichtitaliener inszenieren können: Revue-Girls, die aussehen, als wären sie Berlusconis Fernsehen entsprungen, hüpfen um den Wunderheiler herum, Sterne leuchten über dem Strandbad mit den für die Adria typischen Badekabinen, und es regnet Flitter und Glitter wie am Ende einer Miss Italia Wahl…
Berner Kulturagenda, 11.12.2008


Madame Pompadour

Oper Halle

Regisseur Aron Stiehl entdeckt mit Leo Falls „Madame Pompadour“ neue Qualitäten im alten Stück – und nimmt das Regietheater auf die Schippe… Aron Stiehls hallesche Inszenierung ist ein mustergültiges Beispiel für die Anverwandlung und Neubelebung eines eigentlich längst hinfälligen Stücks. In der Oper Halle zeigt der Regisseur dabei, daß sich sogar Prinzipien des Regietheaters gewinnbringend auf die leichte Muse anwenden und zugleich ironisieren lassen. Um die pikanten Verwicklungen am Hof des französischen Königs Ludwig XV. dem Betrachter näher zu bringen, verlegt sie Stiehl einerseits in die Entstehungsjahre des Stücks – und kontert dieses Nachtschatten – Gewächshaus der Zwanziger Jahre andererseits mit barocken Illusionstechniken. Zudem gelingt es Stiehl im allmählich frei drehenden Crescendo des Vergnügens, seine Einfälle durch leitmotivische Details zu verbinden.
Mitteldeutsche Zeitung, 28.10.2008

Aron Stiehls Inszenierung ist zeitgemäß – so lässt sich Operette sehen!
Bild Halle, 27.10.2008


Il Mondo della Luna

Theater St. Gallen

Das auf einer Goldoni – Komödie basierende Dramma giocoso “Il mondo della luna“ kann gewiß nicht als Meilenstein in der Operngeschichte gelten, doch die St. Galler Einstudierung in der Regie von Aron Stiehl hat so viel Witz, Temperament und jugendliche Frische, dass aus einer Rarität leicht ein Kassenschlager werden könnte.
NZZ, 17.9.2008

Ein Haydn-Spaß:
Keine Gelegenheit für spielwitzige Ideen lässt Aron Stiehl in seiner leicht psychedelischen Inszenierung der Haydn-Oper verstreichen… Punkto Phantasie bleibt Regisseur Aron Stiehl dem Dreiakter nach Goldoni nichts schuldig. Mit schrägem Humor zeichnet Stiehl das Personal um den lüsternen Geizkragen Buonafede… Hier wie dort schöpfen Stiehl und Ausstatter Jürgen Kirner aus dem Vollen…
Um die Intrige nicht allzu dämlich scheinen zu lassen, setzen Kirner und Stiehl auf Gags, Swissness, Drogen und einen alten Theaterzaubertrick: die Verschachtelung der Illusionsebenen…
 Doch an Schlaf ist in Aron Stiehls Inszenierung lebhafter Inszenierung nicht zu denken. Bis in den 2. Akt hinein lässt er boshaft – vergnügt die Puppen tanzen.
St. Galler Tagblatt, 8.9.2008

Das Kapitel über Drogen wie Ecstasy, Haschisch, Kokain, oder Poppers im Programmheft zeigt den Weg an, den diese Inszenierung geht: Der Stoff wird entstaubt und das Libretto von Goldoni konsequent mit den Erfahrungen unserer Zeit gelesen. Regisseur Aron Stiehl gelingt die Gratwanderung zwischen erheiternder Opera-buffa-Atmosphäre und einem deutlich nachdenklichen Zug…
Stiehl schafft eine Inszenierung, die trotz zeitgemäßen Zuschnitts der sonnigen Kraft der Musik Haydns voll Rechnung trägt. 
Hier wird nicht mit bloßen Regieeinfällen irgendeine komödiantische Welt des 18. Jahrhunderts auf modern „gepeppt“. Aron Stiehl hat sich genau Gedanken gemacht darüber, was die Opera buffa mit uns heute zu tun haben könnte.
Faszinierend ist die Spannung zwischen einem modern gelesenen Operntext und der zeitlich schönen Kraft einer Musik, die solch modernes Geschehen mitträgt.
Und nach der Pause gerät der Inszenierung wohl das Packendste. Bis auf eine Figur, Buonafede nämlich, tragen alle Figuren Puppen vor sich her. Die Puppen übernehmen die Rollen der Sänger, die zu Puppenspielern werden. Rund eine Stunde wird diese Doppelwelt durchgehalten und damit die Ambivalenz von Komik und Beklemmung.
Diese Mond – Komödie ist beeindruckend im Drogenzeitalter angekommen. Goldonis Zaubertrankstoff hat auch heute seine Gültigkeit. Aron Stiehl rüttelt mit seiner Sicht des Stoffes wach.
Thurgauer Zeitung, 8.9.2008


Schlafes Bruder

Theater Klagenfurt

Das Produktionsteam in Klagenfurt konnte die enormen Anforderungen, die dieses Werk mit seiner psychologischen Tiefe beinhaltet, szenisch grandios umsetzen. Vom ersten Takt an fesselnd, läßt die Spannung nie nach. Dem Regisseur Aron Stiehl gelingt es, jeden Protagonisten zu einem großen Schauspieler zu formen, jeder Blick und jede Geste können überzeugen. Zusammen mit dem genialen Bühnenbild von Jürgen Kirner, der eine elipsenförmige, schrägstehende Spielfläche entworfen hat, aus der die feindseligen Dorfbewohner wie Insekten gekrochen kommen und ihr Gift versprühen, wirkt diese Inszenierung wie ein Universum, das überall und zu jeder Zeit Wirklichkeit werden kann. Ergänzend zur glänzenden Personenführung von Aron Stiehl, zeigt die Choreographie vom Ramses Sigl beeindruckende Bewegungsabläufe, die an das Theater der Antike erinnern. Überragend auch der Chor, der hier in einer Hauptrolle (als Dorfbewohner) agiert.
Klassik.Com, 30.3.2008

Verpackt in ein optisches Kunstwerk von Regie, Bühne, Kostüm und Licht sprengt diese Aufführung sonst übliches Stadttheaterniveau. Aron Stiehl erzählt „Schlafes-Bruder“ als spannendes Psychogramm, blättert das Innenleben der Hauptfigur nachvollziehbar in allen seinen Facetten auf. In Jürgen Kirners genialer Ausstattung… vollzieht sich fesselndes Musiktheater.
Wiener Zeitung, 31.3.2008

Aron Stiehls Inszenierung rückt die Protagonisten behutsam in den Mittelpunkt, vermeidet das Eindeutige, überläßt die Betrachter einer geheimnisvollen Unsicherheit.
Der Standard, 31.3.2008

Das Musiktheaterstück ist in Klagenfurt kaum wiederzuerkennen. Das liegt nicht nur an der Umarbeitung durch den Komponisten und den Autor Robert Schneider, sondern auch an der Arbeit von Regisseur Aron Stiehl.
Elias ist ein Außenseiter, und Stiehl betont dies in den gelungenen Chorszenen besonders augenfällig. 
…so kamen Erinnerungen an die legendäre Klagenfurter „Kabale und Liebe“-Inszenierung von Martin Kusej auf.
ORF, 30.3.2008

Das Geheimnisvolle ist zugleich verständlich. Instinktiv. Das hat der Regisseur Aron Stiehl als echter Theatermann sofort klar machen können. Die viel sagende symbolische Szenengestaltung würde jeder „Tristan“- oder „Parsifal“-Aufführung zur Ehre gereichen.
Der neue Merker, 12.4.2008


Frau Luna

Opernhaus Halle

Rauschende Party bei Frau Luna…
Mitteldeutsche Zeitung, 6.12.2007

Aron Stiehl inszeniert die Operette in der textlichen Neufassung von Andreas Bisowski. Dabei gelingt ihm eine amüsante Reise auf den Erdtrabanten.
…strotzen nur so vor Ideen…, Regisseur Stiehl bringt den Glamour auf die Bühne.
Frizz, Januar 2008


Die Fledermaus

Pfalztheater Kaiserslautern

Die gefeierte Fledermaus Regie von Aron Stiehl in Kaiserslautern
In einer äußerst dynamischen und lebendigen, stellenweise exzentrischen Inszenierung von Aron Stiehl flog die Fledermaus über die Bühne des Pfalztheaters. Eines war mit Sicherheit ausgeschlossen bei der jüngsten Produktion des Pfalztheaters: Langeweile. Für Unterhaltung hat die Regie von der ersten bis zur letzten Minute gesorgt. Die Einfälle gingen Aron Stiehl einfach nicht aus. Es wurde ein rauschendes Fest der überdrehten komödiantischen Spiellaune, der Überraschungen, der Bewegungen und der Farben. Stiehl schwebte vermutlich Tanz auf dem Vulkan als dramaturgisches Hauptmotiv vor. Ihm glückte mit seiner Regie ein Virtuosenstreich.
Die Rheinpfalz, 22.10.2007

So muß Operette sein. Aron Stiehl entstaubt erfolgreich die Fledermaus mit einer konsequenten Strichfassung und schafft damit Räume für ein Feuerwerk von champagnerlaunigen, spritzigen Regieeinfällen. …die Inszenierung verhindert so eine abgestandene k. u. k. – Klamauk- und Klamottenschmonzette. Wie ernst der Regisseur die Fledermaus nimmt, zeigt sich auch in der Auswahl des Ensembles.
Opernnetz, 22.10.2007

Witzig, frivol, spritzig und prickelnd wie Champagner – das Pfalztheater überzeugte mit seiner Inszenierung der Fledermaus. Mit vielen guten inszenatorischen Ideen wurde dem Publikum ein rund um gelungener Abend geboten. Mit dem Begriff Operette verbindet man heute allzu gerne einen etwas angestaubten Charme aus vergangenen Zeiten. Die Inszenierung beweist das Gegenteil. Aron Stiehl ist es gelungen, dem alten Stoff neuen, sehr jugendlichen Schwung zu geben. Mit dieser Inszenierung beweist das Pfalztheater, daß auch etwas vermeintlich Verstaubtes wie eine Operette jung, spritzig und damit ungemein unterhaltend sein kann. Hoffentlich gibt es bald mehr davon!
Neustadt West aktuell, 18.11.2007


Die Entführung aus dem Serail

Tel Aviv

Never has there been anything like this. The Mann Auditorium has never seen such amazing stage-direction and such terrific stage. The young German director, Aron Stiehl, shot a missile of imagination, of magic and of surprises. It was insane; a rocket of humour, Mozart at his best, amazing!
A small confession: you can probably imagine how hard it is for me to write such a good review.
So take hold of yourselves and run to the Abduction!
Yediot Aharonot, 12.7.2007

This production provided many moments of sheer fun. The production was full of surprises and kept the audience amused throughout the evening. Performed in modern costume, the production was superb and strikingly different from more traditional stagings. The scene… generated immediate enthusiasm among other viewers, who couldn’t help but pick up on parallels with current news stories about former President Moshe Katsav. Thanks to staging by director Aron Stiehl, he offers a number of moments of joy.
Jerusalem Post, 12.7.2007

…these are only some of the surprises and magic tricks in store for the audience. Lots of credit therefore should go to the stage director Aron Stiehl, for his ability to present a complete and spectacular musical theatre in minimal means.
Run and experience it!
Ma ´ariv, 16.7.2007

I shall say that everything we saw and heard was spectacular for both the eye and ear.
Hagai Hitron, Ha ´Aretz, 11.7.2007


Il Trovatore

Staatstheater Meiningen

Der Regisseur verstärkt diese Assoziationen durch ausdrucksstarke und exzellent choreographierte Bilder. Damit werden die innige Liebe zwischen Leonore und Manrico und die herzliche Bindung zwischen dem tragischen Helden und seiner vermeintlichen Mutter, der Zigeunerin Azucena ganz besonders hervorgehoben – in ihrer Wahrhaftigkeit, aber auch in der Unmöglichkeit, in einer Welt zu überleben, die so grausam ist wie diese.
Neue Presse Coburg, 19.6.2007

…eine glanzvolle Aufführung am Staatstheater Meiningen.
SAT1, 25.11.2007


Le Nozze Di Figaro

Theater Heidelberg

Mozartvergnügen pur
Der Regisseur Aron Stiehl inszeniert eine Gesellschaftskomödie von heute.
Badische Neueste Nachrichten, 4.4.2007

Himmel über Heidelberg
Das Mozartabenteuer geht weiter: Aron Stiehl inszeniert den Figaro.
Die Rheinpfalz, 7.4.2007

Mozarts Oper ist reich an leidenschaftlich ausgetragenen Konflikten. Man kann dahinter die große Einsamkeit der Figuren vermuten, ihre Trennungsängste oder, wie der Regisseur Aron Stiehl in Heidelberg, ein nachdrückliches Bekenntnis zu den Höhen und Tiefen des Lebens, zu den burlesken Situationen zwischen Innigkeit und Naivität. Ein „toller Tag“ prall, aber voller Melancholie und Empfindsamkeit… vom Heidelberger Premierenpublikum stürmisch bejubelt.
Mannheimer Morgen, 02.04.2007


Der Zigeunerbaron

Theater Flensburg

Am Ende zu wenig Sektseligkeit und zu viel Krieg? Skandierender Applaus und Bravi geben Stiehl Recht: Operette ist am besten, wenn sie aktuell ist.
Kieler Nachrichten, 27.12.2006

Aber was lässt sich heute noch machen aus dem naiven Geschichtchen? Eine ganze Menge, wie die Neuinszenierung von Aron Stiehl für das Schleswig-holsteinische Landestheater zeigt. Eine gelungene Mischung aus Kritik und Komik ist das, die aber niemandem den Spaß verdirbt. Eine rundum gelungene Produktion also, und das Premierenpublikum wollte gar nicht mehr aufhören zu klatschen…
Schleswiger Nachrichten, 27.12.2006

Ein junger Regisseur, der mit der altberühmten Operette liebevoll umgehen kann, ist schon ein kleines Wunder. Aron Stiehl erweist sich als Glücksbringer für das Landestheater. Seine Inszenierung des Zigeunerbaron ist spritzig. Geschickt umschifft Stiehl alle Klippen, die sonst insbesondere den 3. Akt dem heutige Publikum ungenießbar machen würden.
Flensborg Avis, 2.1.2007


Fürst Pückler

Theater Görlitz

Das Premierenpublikum feierte das Bühnenstück von Enjott Schneider mit minutenlangem Beifall. Die Inszenierung des Berliner Regisseurs Aron Stiehl gibt Einblicke in das wechselvolle Leben des Hermann von Pückler-Muskau.
MDR.DE 2.5.2006


Wut

Theater Erfurt

Mit dieser Wut wurde, das darf man wohl sagen, ein gutes Stück Erfurter Theatergeschichte geschrieben. Mit markanten Regie-Ideen von Aron Stiehl, mit ausgezeichneten solistischen Leistungen…
…Aron Stiehl hat diese Inszenierung mit großer Sensibilität inszeniert.
Thüringer Allgemeine, 11.9.2006


Lady Macbeth von Mzensk

Theater St. Gallen

St. Gallen stellt Zürich in den Schatten. …ein szenisches und musikalisches Ereignis, das die Züricher Inszenierung – keine schwache Produktion notabene – in den Schatten stellt.
Der Landbote, 14.2.2006

Aufsehen erregende Inszenierung
Die Inszenierung von Aron Stiehl bringt eine Fülle interessanter neuer Einfälle und versteht es, innere und äußere Dramatik spürbar zu machen. …sie alle helfen mit, diese Inszenierung zu einem ungemein starken packenden und betroffen machenden Erlebnis zu machen. Ein Opernereignis ersten Ranges.
St. Galler Nachrichten, 16.2.2006

Bildstark erzählt Aron Stiehl von Lust und Gewalt. Die Urfassung von Schostakowitschs Oper lässt das Blut in den Adern gefrieren. Die komische Lesart von Schostakowitschs realer Satire vernachlässigt Stiehl keineswegs. Humor ist für ihn nicht gleichbedeutend mit Klamauk; das wurde bereits in seiner Inszenierung von Zar und Zimmermann in der vorletzten Saison deutlich. Er verzichtet auf überflüssigen Requisitenplunder, setzt Details schlüssig ein und lässt Figuren nicht chargieren, sondern tanzen, was vor allem die Chorszenen zum bitterbösen Vergnügen macht.
St. Galler Tagblatt, 13.2.2006

Der 4. Akt bringt dann in der Darstellung von Katharinas Verzweiflung und Sergeis berechnender Falschheit nochmals eine Steigerung – und der kurze Auftritt von Sergeis neuer Flamme Sonjetka illustriert, wie präzis Stiehl auch die Nebenfiguren zeichnet..
NZZ, 13.2.2006

Die St. Galler Inszenierung von Aron Stiehl schont das Publikum nicht. In extremer Deutlichkeit zeigt er die primitive Brutalität, mischt beißende Ironie wie Slapstick dazu. Beides gibt Schostakowitschs Musik vor.
Blick, 13.2.2006

…vor allem aber ist es eingespannt in den Rahmen einer im Detail ausgefeilten Regie.
Mit ihrer erzählerischen Deutlichkeit überrascht die Inszenierung immer wieder. Und immer wieder kommt sie durch kühne Sichtweisen zu Stande.
Aron Stiehls Inszenierung fixiert sich eben nicht naturalistisch auf das Kriminalgeschehen, sondern glänzt im brillanten Einfallsreichtum, mit der sie das Geschehen surreal aufschlüsselt und vor allem satirisch ausschlachtet.
Das ist manchmal makabrer Slapstickhumor, manchmal aber von einem Aberwitz, der den Atem stocken lässt. Das beste dabei: Alles scheint genau der Musik herausgehört. Auch die bizarrsten Einfälle führen nicht von ihr weg, sondern auf sie zu, und so hat man hier ein Ohr für das, was Schostakowitsch mit tragischer Satire auch musikalisch gemeint haben muß.
Der Landbote, 13.2.2006

Aron Stiehl hat in St. Gallen schon Lortzings Zar und Zimmermann inszeniert und kehrte jetzt für die ganz anders gelagerte Oper Lady Macbeth von Mzensk zurück. Souverän meisterte er auch diese Herausforderung.
Regisseur Stiehl spielte höchst virtuos und nicht weniger drastisch mit den ironischen und sarkastischen Elementen des Stücks.
Bote, 16.2.2006

Eine tragische Satire nannte der Komponist selbst sein Werk, auch Aron Stiehls Inszenierung schreibt Satire groß und hält den ernsten Grundton des Dramas nicht minder konsequent, konterkarierend überzeugend durch. Witz und Aberwitz halten sich raffiniert die Waage, nicht vage, sondern wagemutig eben. Stiehls stilvolle Personenführung packt bis in die Nebenfiguren hinein.
Schweizer Spiegel mit Charisma, 8.3.2006

La regia di Aron Stiehl, molto attiva ma senza eccessi, ha compiuto a sua volta un importante lavoro di caratterizzazione.
Il Paese, 7.4.2006


Medusa

Bayerische Staatsoper

Szenisch gewinnt dieses Ineinander verschiedener Ebenen durch die Regie von Aron Stiehl große Eindringlichkeit, wie die Produktion insgesamt vorbildlich gearbeitet und durchgegoren wirkt.
FAZ, 15.11.2005

…die sehr konkreten Regieanweisungen des Komponisten hat er abstrahiert und eine Bildsprache von eigenem Sog entwickelt. Mit großer Ruhe lässt Stiehl die Personen in diesem raumgreifenden Bühnenbild agieren, gibt ihnen Zeit, den Gesang eindringlich und sinnlich, körperhaft wirken zu lassen. Kurze Momente schneller Bewegung tun gut.
NZZ, 15.11.2005

Stiehl nutzt die flammende Intensität der Sängerinnen für seine schnörkellose, geradlinige Inszenierung und holt die kopflastige Geschichte auf den Bühnen-Boden. Ohne dabei das Rätselhafte, Geheimnisvolle zu zerstören.
Münchner Merkur, 15.11.2005

Mit einer spannenden Inszenierung ist die Oper Medusa uraufgeführt worden. Die szenische Umsetzung von Aron Stiehl, der nach Dido und Aeneas seine zweite Inszenierung für die Bayerische Staatsoper erarbeitete, versetzte die Zuschauer in Begeisterung.
Pressehaus Heidenheim, DPA, 16.11.2005

Nach seiner Inszenierung von Purcells Dido und Aeneas vor vier Jahren beeindruckte der Regisseur Aron Stiehl von neuem durch sein Faible für behutsame Andeutungen; Projektionen mit Weichzeichner ergeben ebenso sinn wie die schier zur Empore hinaufkriechende, doch regungslose Riesenschlange.
Rheinische Post, 17.11.2005

…ebenso großartig herausarbeiteten wie der Regisseur Aron Stiehl, der das Geschehen in geheimnisvollen Welten zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Realität und Traum, zwischen der Hoffnung und der Verzweiflung angesiedelt hat. Eine Sternstunde.
Dolomiten, 17.11.2005

Regisseur Aron Stiehl kreierte eine eindrucksvolle szenische Umsetzung dieses Antikenstoffes, der die Mythologie in eine heutige Geschichte bettet.
Reichenhaller Tagblatt, 19./20.11.2005


Undine

Kammeroper Hamburg

Aron Stiehl hat die Frage nach der Seele in den Mittelpunkt seiner, im Grundduktus ruhigen, bisweilen tänzerisch burlesken, auch ironischen Inszenierung gerückt. Wohldosiert überführt er dabei romantischen Geist ins Heute.
Die Welt, 4.3.2005

Regisseur Aron Stiehl hat der Zauberoper Undine ein hochkomödiantisches Gesicht verliehen…
Hamburger Abendblatt, 4.3.2005


Der Vetter aus Dingsda

Fürstbischöfliches Opernhaus Passau/Theater Eisenach

In der Regie von Aron Stiehl mutiert Künnekes Vetter zu einer zeitgemäßen Satire auf sich selbst und das Genre der Operette.
Straubinger Tagblatt, 20.1.2005

Ein echtes Spektakel. Die ironischen und satirischen Einfälle, um dem spießbürgerlichen Eigenheim- und Gartenambiente noch eins drauf zu setzen, sind so zahlreich, daß man hier nur eine kleine Auswahl an Ideen nennen kann.
Landshuter Zeitung, 10.1.2005

…zurückzuführen ist dies vor allem auf die schwungvolle und einfallsreiche Inszenierung durch Aron Stiehl.
Neues Volksblatt, 20.12.2004

Dieser Vetter könnte Kult werden! …all dies sorgte beim Passauer Publikum für Begeisterungsstürme.
Passauer Woche, 22.12.2004

Mit viel Witz und Humor hat der Berliner Regisseur Aron Stiehl zusammen mit seinem Choreographen Francisco Sanchez die Handlung um die nach ihrem seit sieben Jahren in Dingsda weilenden Vetter Roderich schmachtende Julia umgesetzt.
Thüringer Allgemeine, 30.6.2005


Hello, Dolly!

Staatstheater Oldenburg

Die Geschichte der Heiratsvermittlerin Dolly wurde mit Witz und Ironie aufgepeppt. Das Ergebnis ist eine wunderbare Show. Regisseur Aron Stiehl verwirbelt lustvoll den Staub von Jerry Hermanns Musical…
Nordwest Zeitung, 25.10.2004


Zar und Zimmermann

Theater St. Gallen

ERFRISCHEND; AMÜSANT; HOCHDOTIERT
Dem Theater St. Gallen ist gelungen, was heute zu den Raritäten der Operninszenierungen gehört: Nämlich die Synthese von Tradition und einer eleganten Modernisierung. Zar und Zimmermann ist in keiner Weise verstaubt, sondern höchst aktuell und so amüsant, daß das Publikum aus dem Schmunzeln (und Parallelen ziehen!) nicht herauskommt. Regisseure, die es fertig bringen, die Einheit von Text und Musik und damit den Charakter des Werkes zu wahren und es dennoch in die heutige Zeit zu stellen, sind heute rar. Man darf sagen, daß Aron Stiehl einer dieser wenigen ist, das hat er in der St. Gallener Inszenierung bestens bewiesen. Sein Ideenreichtum ist schier unbegrenzt und geht an die Grenze des für das Publikum noch Aufnehmbaren; es ist also auch kaum möglich, alle die guten Ideen zu würdigen.
St. Galler Nachrichten, 17.6.2004

Politisches Puppentheater machte Aron Stiehl aus Lortzings Zar und Zimmermann: ein witziges Doppelspiel, das Diplomatie als Schaubudenstück vorführt und lustvoll verlacht wird.
Das Premierenpublikum ließ sich anstecken vom Schwung, mit dem das in die Jahre gekommene Buffa-Schiff in neues Fahrwasser gebracht wurde.
Tagblatt, 14.6.2004

Damit ist das Stück über alle biedere Harmlosigkeit hinaus, und in der St. Galler Inszenierung ist sie es um so deutlicher, als diese die verschiedenen Ebenen des Stücks präzis auseinander dividiert und die Figuren im je eigenen Profil geschärft hat.
Der Landbote, 18.6.2004


Bahnwärter Thiel

Theater Görlitz

Aron Stiehls Inszenierung gewinnt für das Werk atmosphärische Dichte und Bildmagie, die die kommende Katastrophe ankündigt.
Opernwelt, April 2004

Die Regie Aron Stiehls war einfach brillant.
Opera Gazet – Antwerpen 11.3.2004

Aron Stiehl gelingt es mit hochintensiver Personenführung, den inneren Kampf des tumben Thiel zwischen den Mächten des irrationalen und seiner unbegriffenen Existenz szenisch zu vermitteln. Der viertelstündige Schlußbeifall ist enthusiastisch, bedenkt Solisten, Chor und das Regieteam mit Ovationen.
Opernnetz, 11.3.2004


Der Vogelhändler

Landestheater Coburg

Auch in der Provinz darf allerhand gewagt werden. Nur bei Operetten, für die sich das Gros der Abonnenten am meisten erwärmt und die sich mit Abstand am besten verkaufen lassen, lieber nicht. Oder doch? Der neue Vogelhändler in Coburg jedenfalls zählt mitnichten zu den halbherzigen Produktionen. Ein schrecklich schöner, bunter, schräger Abend. Dem Regieteam unter Aron Stiehl gelingt das heikle Balance-Kunststück, all die Operettenunglaubwürdig- und -rührseligkeiten gekonnt auf die Schippe zu nehmen, ohne dem Zielpublikum die Freude daran zu nehmen. Im Gegenteil. Der Regisseur entzündet ein Feuerwerk an Einfällen.
Opernwelt, Februar 2004


Orpheus in der Unterwelt

Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt

Aron Stiehl entstaubt das Libretto von 1885 und aktualisiert das Ganze mit den besten Sprüchen, Gags und Parodien aus der reich gefüllten Schatzkiste unserer jüngsten ost- und aktuell gesamtdeutschen Geschichte. Das ist mutig, aber der Regieansatz glückt. Wer nach nunmehr 14 Jahren nicht über seine eigene Geschichte lachen kann, der sollte lieber zu Hause bleiben. Dann verpasst er allerdings zweieinhalb hochgradig-amüsante, herausragende politische Lehrstunden.
Volksstimme, 29.9.2003


Jenufa

Stadttheater Bielefeld

Stiehl zeigt in seiner feinfühligen Inszenierung Menschen, die zum Opfer eigener und gesellschaftlicher Obsessionen werden.
Opernwelt, Mai 2003

Da fasst Aron Stiehl in bemerkenswert eindringliche Bilder bis hin zu großen Charakterstudien, die in einer ungewöhnlich veristisch aufgestellten Musik begründet sind.
Neue Westfälische, 24.3.2003

Aron Stiehl findet in Bielefeld für diese musikdramatische Gesamtkonzeption eine szenische Realisation von überwältigender Wahrhaftigkeit und Schönheit! Mit seiner Aktualisierung dient der Regisseur ganz dem Geist der Oper, die er so vor jedem folkloristischen Missverständnis schützt. Bei aller realistisch-detailgetreuen, packenden Personenführung folgt Stiehl genauestens den zentralen musikalischen Intentionen des Komponisten, wenn er die innere Welt Jenufas als die eigentliche Realitätsebene offen legt. Zum Ave Maria kreiert Stiehl eine Atmosphäre zärtlichster Intimität.
SWO-Kulturregion, 26.3.2003

In schlüssiger szenisch-musikalischer Konzeption geriet die Premiere im Stadttheater Bielefeld zum umjubelten Ereignis, das zu den Höhepunkten der Saison zu rechnen ist. Stiehl gelingt es, mit Hilfe bewegter Massen die Allgegenwärtigkeit der Dorfgemeinschaft in ihrer Unerbittlichkeit gegenüber den Gefühlen und Bedürfnissen des Einzelnen überzeugend darzustellen.
Die Glocke, 26.3.2003

Vorausgegangen ist ein innerer Kampf, den die Inszenierung in ihrer ganzen Tragik offen legt.
So wie Aron Stiehl das tragische Geschehen ins allgemein Menschliche rückt, mangelt es seiner Inszenierung nebenbei auch nicht an Humor.
WB, 24.3.2003


Lustige Witwe

Fürstbischöfliches Opernhaus Passau

Mit der Inszenierung der Lustigen Witwe ist ein großer Wurf gelungen. Aron Stiehl zeichnet dafür verantwortlich. So kurzweilig, so vergnüglich, so ideenreich, so ungekünstelt wurde eine Operette in Passau schon lange nicht mehr geboten.
Passauer Neue Presse 16.12.2002

Operette, nein danke! Auf diesen Nenner ließ sich bislang meine Affinität zu dieser Sparte des Musiktheaters bringen… bislang! Regisseur Stiehl servierte einen prickelnden Cocktail aus Opern- und Faschingsball mit Cancan-Einlagen.
Passauer Woche, 18.12.2002

Jeder Akt ein Ballfest und jeder Akt ein Fest fürs Publikum. Aron Stiehl inszenierte leichtfüßig, elegant und witzig; mit leiser Ironie.
Landshuter Zeitung, 6.1.2003


Im weißen Rössl

Landestheater Coburg

Das Rössl avancierte zu einem vollen Erfolg. Einen großen Anteil daran hatte Regisseur Aron Stiehl, der mit praller persiflierender Komik aufwartete. Auf Schritt und Tritt spürte man Stiehls Liebe zum Genre Operette.
Coburger Tageblatt, 7.10.2002

Ganz auf die Kitschpostkarte hatte Stiehl seine Inszenierung eingerichtet und er traf damit ins Schwarze: Hoch lebe das verachtete und geschundene Klischee in seiner reinsten Form!
Neue Presse, 7.10.2002


Die Zauberflöte

Tollwood-Festival, München

Die ersten Lacher kommen gleich zu Beginn: Wenn die drei Damen ein Ungeheuer mit ätzendem Spray abwehren und kurz darauf auch noch mit kleinen Lady-Pistolen herumfuchteln, ist klar: Diese Zauberflöte hat den Nerv getroffen.
Die Welt, 1.12.2001

Aron Stiehl versucht nicht nur unterhaltsam zu sein, er legt behutsam auch eine tiefere Ebene des Werkes frei. Er führt die Figuren äußerst differenziert…
Donaukurier, 1.12.2001


Dido und Aeneas

Bayerische Staatsoper, München

Szenenbild der Inszenierung wurde für den Buchdeckel des neuen Kloiber/Konold Opernführers ausgewählt

Und auch Aron Stiehls Inszenierung war die fast tiefenpsychologisch und doch scheinbar spielerisch in Szene gesetzte Geschichte einer vergeblichen Liebe, in der Verschmelzung mit der Choreographie von großer tänzerischer Klarheit und Dichte. Stiehl inszenierte barockes Theater und zugleich modernes Musikdrama. Ganz ohne Zeigefinger, aber sinnlich und subtil in jedem Detail ist das inszeniert.
Opernwelt, Januar 2002

Mit einem dramaturgisch genialischen Kunstgriff nämlich gelingt Stiehl Didos Rettung für moderne Zeiten. Wo andere scheitern, das gelingt Aron Stiehl. Er findet Ausdruck für die traurige Empfindsamkeit der Musik… mit Dido lieben, hassen, weinen.
Financial Times Deutschland, 22.11.2001

Die Sänger, besonders der fein durchgearbeitete Chor bringen viel Phantasie, sogar betörend leise Töne ins Spiel. Aron Stiehls Lesart ist so schlüssig wie selten überraschend. Auch weil er diese Liebesgeschichte nicht über die üblichen Schablonen von männlicher Pflicht und weiblicher großer Liebe hinaus konturiert, sondern einzig psychologische Einblicke liefert.
Süddeutsche Zeitung, 22.11.2001

Der Regisseur hat seinen Freud gelesen und hält die inneren Zerstörungskräfte der Heroine für wirksamer als die subversiven Kräfte zweifelhafter Magier. Purcells Dreiakter inszeniert der Jungregisseur als Psychogramm einer zerrissenen Frau, die in nichts so sehr verliebt ist wie in die Idee vom eigenen Untergang.
Die Welt, 23.11.2001

Das Werk hat also durchaus seinen Doppelcharakter. Einen ebensolchen hat Stiehl nicht untriftig in das Stück eingebracht, indem er die unselige Dido gleichzeitig auch die Zauberin sein lässt.
FAZ, 22.11.2001

Aron Stiehl zeichnet in Dido und Aeneas das Profil einer Frau, deren gefrorene Gefühle sich im selbstzerstörerischen Zirkel drehen. Bestechend schöne Bilder…
NZZ, 22.11.2001


Cosi fan tutte

Münchner Gasteig / Carl-Orff-Saal

Auszeichnungen:
Förderpreis des Münchner Merkur
Musenkuß der Woche (Süddeutsche Zeitung)
tz-Rose für die Inszenierung

Aron Stiehl, der mit einer in ihrer Einfachheit hoch raffinierten Inszenierung von Mozarts vielleicht dialektischster Oper zeigt, daß man die komplexen Anforderungen dieses Werkes bewältigen kann, wenn man sie auf das Wesentliche reduziert. Diese Cosi glänzt durch Stiehls Lust und Einfallsreichtum… Tränen lacht man. Garniert wird des Regisseurs Konzept mit einer perfekten Personenregie und schier überbordendem Spielwitz der sechs Hauptfiguren. Ach, machten´s nur alle so. Denn nicht der Wille zum Gag führt hier Regie, sondern die Lust, der Oper als solcher immer wieder eine Liebeserklärung zu machen.
Süddeutsche Zeitung, 27./28.5.2000


Entführung aus dem Serail

Forum der Hochschule für Musik und Theater, Hamburg

…dies zeigt Aron Stiehls faszinierend schlüssige Inszenierung von Mozarts Entführung… all diese gestörten Beziehungen werden unter Stiehls Regie entwaffnend humoristisch behandelt.
Die Welt, 1.3.1994

Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus… den Beifall für Aron Stiehl Inszenierung kann man sich denken…
NDR1, 28.2.1994

Um so mehr ist der Mut von Aron Stiehl zu bewundern, ein Jahr nach der glanzvollen Premiere an der Dammtorstraße ebenfalls W. A. Mozarts Singspiel einzustudieren und sich dem Vergleich mit Johannes Schaaf auszusetzen. Das Wagnis hat sich gelohnt: Die Premierengäste erlebten eine der faszinierendsten Aufführungen der vergangenen Jahre.
In einer wunderbar verdrehten Mischung aus farbenprächtigem Märchenspiel und tiefsinniger Psycho-Studie gibt Stiehl einen ungewöhnlichen Denkanstoß.
Harburger Anzeiger und Nachrichten, 1.3.1994

Ein netter, spritziger Opernabend mit viel Tempo, in dem Aron Stiehl als Regisseur viel Phantasie und Witz beweist.
TAZ, 1.3.1994