Ariadne auf Naxos

Oper von Richard Strauss

Theater St. Gallen

Musikalische Leitung: Otto Tausk
Bühne: Simon Holdsworth
Kostüme: Franziska Jacobsen

Pressestimmen

Mit Ariadne auf Naxos von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal hat sich das Theater St.Gallen eine mächtige Aufgabe vorgenommen. Der Abend gelingt auf beeindruckendem Niveau… der Regisseur Aron Stiehl hielt insofern dagegen, als er das Vorspiel köstlich zuspitzte. Es spielt in der Gegenwart einer St. Galler Galerie für Gegenwartskunst, in der sich Putzfrauen mit rührender Intensität um vergoldete Schweinigeleien hochbezahlter Künstler kümmern. Unter dem Strich scheinen die Sympathien also eher dem Komödiantischen zuzuneigen wie übrigens auch bei den von dem unsichtbaren Mäzen geladenen Gästen und dem unvermeidlichen Kritiker, die sich bisweilen von Herzen langweilen und sich dann kurz vor dem Höhepunkt der Oper davonschleichen, um das Feuerwerk nicht zu verpassen. Dabei ist auch das Tragische von szenischer Ironie durchwirkt, gibt es etwa augenzwinkernde Anspielungen an Wagner und einen rechtzeitig bellenden Fifi.
NZZ, 6.5.2013

Der «reiche Herr» in St. Gallen besitzt anscheinend auch eine Galerie in einem charmant hergerichteten ehemaligen Industriebau. In dieser «Art Gall» steigt seine Party, für die neben dem Diner punkt neun auch ein Feuerwerk vorgesehen ist, was es mit sich bringt, dass die bestellte Oper und der Theater-Schwank gleichzeitig gespielt werden müssen. Als Mischung aus «Schwanensee» und «Weissem Hai» bricht so die Komödiantentruppe Zerbinettas mit Gummikulissen und dem umwerfenden Charme billiger TVShows in die hehren Sphären heiliger Oper, die von Stiehl hier ihrerseits als Parodie auf abgehobene Opern-Körpersprachen ä la Robert Wilson gezeichnet wird. So gab es viel zu lachen und zu schmunzeln in dieser Inszenierung. Die Personenführung von Stiehl ließ keine Wünsche offen, der hektische Realismus einer kurz bevorstehenden Show in dieser Galerie animierte den deutschen Regisseur zu einem wahren Feuerwerk an kleinen Gags. Überfordertes Personal, überkandideltes Publikum oder die Starallüren der Opern Protagonisten, die mit den Toiletten als Garderoben vorlieb nehmen müssen, zeigte Stiehl im Vorspiel mit ebenso leichter Hand, wie er in den Liebes- und Todes-Visionen von Ariadne und Bacchus der Musik den Vortrittlassen konnte.
Die Südostschweiz, 6.5.2013

Ariadne auf Naxos von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal handelt vom Irrgarten der Liebe. Am Theater St. Gallen zeigt sich, wie vital und unterhaltsam dieses Werk ist – und wie tiefsinnig dazu. Einmal darf der Dirigent sogar aus dem Orchestergraben schimpfen wenn ihm Katja Starke in ihrer Hosenrolle als Komponist noch rasch ein paar Änderungen hinabreicht. Es ist dies einer von vielen situationskomischen Einfällen, mit denen der Regisseur Aron Stiehl dem Stück auf raffiniert durchdachte Weise Leben einhaucht.
St. Galler Tagblatt, 6.5.2013

An der Betonwand links hängt Andy Warhols Monroe-Porträt. Daneben blitzt eine Leuchtschrift: „ArtGall“ ist unschwer als Anspielung auf eine Kunstgalerie ebenso wie auf die Stadt zu entschlüsseln, in der die Geschichte spielt. Zwischen Stelen mit „Kunstobjekten“, die aussehen wie vergoldete Exkremente oder Damien Hirsts Juwelenschädel, wuseln Dutzende von Leuten schon vor Beginn der Musik chaotisch durcheinander. Ein Scheinwerfer platzt mit lautem Getöse. Aber das scheint niemanden zu irritieren. Hier sind ohnehin alle durchgeknallt. Eine Aufführung scheint bevorzustehen. Putzfrauen schrubben den Boden. Catering-Damen stehen mit Servierbrettern da. Verfrühte Nobelgäste mit sündhaft teuren Designer-Klamotten treffen ein. Keiner beachtet den ratlosen Gärtner, der Blumensträuße abgeben will. Ein Flügel wird in die Galerie geschoben. Handwerker räumen Leitern weg. Ein Koordinator mit Handy am Ohr und Sektglas in der Hand möchte Ordnung in die fröhliche Anarchie bringen. Die Primadonna mit Pelzmantel und Schoßhündchen stöckelt herein und beschwert sich, weil ihre Garderobe in einer Damentoilette untergebracht ist. So verpflanzt Aron Stiehls Neuinszenierung die Oper „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal am Theater St. Gallen in unsere Zeit. Die Geschichte vom reichen Mann, der für Freunde eine von ihm bezahlte Oper aufführen lassen möchte, spielt hier im Luxusmilieu eines Kunstspekulanten, der glaubt, er könne mit seinen Millionen über die Schöpfer von Auftragswerken verfügen wie über Dienstpersonal. Stiehl geht es dabei nicht um vordergründigen Spaß bei der Kollision von Tragödie und Komödie, sondern um das Verhältnis von Kunst und Leben, in dem immer beide Seiten eine Rolle spielen… Köstlich wirbelt Stiehl diese beiden Sphären durcheinander.
Schwäbische Zeitung, 14.5.2013

Das Opernglück dieses Abends wird perfekt durch die brillante Regie von Aron Stiehl.
Neue Vorarlberger Zeitung, 6.5.2013

…trotzdem erscheint in ARIADNE AUF NAXOS die Forderung des „reichsten Mannes von Wien“, nämlich das lustige und das traurige Stück gleichzeitig aufzuführen, als beinahe unlösbare Aufgabe. Doch nicht nur Richard Strauss und sein Textdichter Hofmannsthal haben diese Herausforderung auf sublime Art und Weise bewältigt, auch das Inszenierungsteam der Aufführung in St.Gallen hat eine bestechende Umsetzung des Themas auf die Bühne gestellt: In einer Kunstgalerie (ART GALL) soll in unserer nach Events dürstenden Zeit also anlässlich einer Vernissage auch eine Operninstallation präsentiert werden. Doch da den Geldgebern (sponsored by UBC im bekannten roten Schriftzug – honni soit qui mal y pense…) das ursprünglich in Auftrag gegebene Stück eben nicht populistisch genug erscheint, wird kurzerhand befohlen, eine umtriebige Komödiantentruppe in die ernste Oper einzubinden, um so den Ansprüchen der Spassgesellschaft gerecht zu werden. Dass dann während der Aufführung die blasierte Kultur-Schickimicki-Cüpli-Gesellschaft pikiert die Nase rümpft, ist nur einer von den vielen herrlich eingebauten sarkastischen Seitenhieben des Regisseurs. Er persifliert dabei das Kulturestablishment (man präsentiert auf der ART BASEL, äh GALL vergoldete Hundehäufchen als grosse Kunst) genauso wie Regiekollegen, indem er die „ernsten“ Teile der Oper im Stil eines Robert Wilson ablaufen lässt (starre, repetitiv-langsame Bewegungen, abgedrehte Hände, rätselhaft bemalte Handflächen, ein roter Ariadne-Faden, welcher an den Schicksalsfaden der Nornen in Wilsons GÖTTERDÄMMERUNG-Inszenierung erinnert). Die Truppe um Zerbinetta lässt er dann gekonnt witzig und mit kindlichem Übermut mit diesen und selbst mitgebrachten Strandferien-Elementen spielen. So wird der rote Faden zum Bondage-Accessoire wenn Zerbinetta von ihrem lustvollen Umgang mit den Männern berichtet (wobei dann auch jeder Peitschenhieb punktgenau auf die Musik gesetzt ist). Grossartig auch der erste Auftritt Zerbinettas, als sie Warhols Marilyn an der Wand erblickt: Sie stellt sich kurzerhand auf den Lüftungsschacht und wirft sich in die bekannte Pose der Filmgöttin in Billy Wilders THE SEVEN YEAR ITCH. Die Genauigkeit der Personenführung zieht sich durch den ganzen Abend und beschränkt sich nicht auf die Protagonisten. Auch die Statisten des Theaters St. Gallen erhalten dankbare Aufgaben, welche sie mit bravouröser Darstellungskunst ausfüllen. Das Vorspiel kam einem noch selten so kurzweilig vor.
„Das Herz muss in Harmonie und Ruhe sein, dann wird es heiter“ hat der chinesische Philosph Lü Buwei einmal gesagt – die Oper ARIADNE AUF NAXOS in St.Gallen verlässt man mit heiterem Herzen. Ein Abend, der gleich wieder von vorne hätte beginnen können, mit einem Werk, in welchem man immer mehr Suchtpotential entdeckt, je öfter man es hört und sieht.
Oper aktuell, 6.5.2013

…Aron Stiehl bereitet… mit seiner Regie auch eine prachtvolle Bühne. Da stossen zur grazilen Musik von Richard Strauss Ernst und Humor, Liebe und Leichtlebigkeit, Kunst und Kommerz effektvoll, ja manchmal turbulent aufeinander. Das Publikum lachte viel und applaudierte bei der gestrigen Premiere stark.
Ostschweiz am Sonntag, 12.5.2013

Das Opernglück dieses Abends wird perfekt durch die brillante Regie von Aron Stiehl. Er siedelt die Handlung in der Gegenwart in einer Kunstgalerie an. Denn gerade in der zeitgenössischen Bildenden Kunst sind heute die Leute mit viel Geld und wenig Kenntnissen vertreten, die Hugo von Hofmannsthal mit dem reichen Herrn meint, der befiehlt, auf seiner Party die ernste Oper und die Komödie nicht nacheinander, sondern gleichzeitig, eben ineinander verschränkt zu geben. Stiehl trennt allerdings diese beiden Handlungsebenen durch eine unterschiedliche Gestik voneinander. Während Zerbinetta und die vier Spaßmacher tänzerisch und komödiantisch daherkommen, sind die Bewegungen der ernsten Figuren stark stilisiert, nach Art fernöstlicher Theaterkunst. Und wenn sich am Ende die Paare auf einer nahezu mystischen Ebene finden – Ariadne und Bacchus und hier auch der Komponist und Zerbinetta-, so sind die Gäste des neureichen Herrn schon draußen beim Feuerwerk.
NEUE, 7.5.2013

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmen Sie dem zu.

Datenschutzerklärung